HomeAuto-TestAlpine A110: letzte Serie vor neuer Elektro-Generation

Alpine A110: letzte Serie vor neuer Elektro-Generation

Der Countdown läuft — leise wie ein Sekundenzeiger im Cockpit, aber unaufhaltsam. Die Alpine A110 fährt in ihr letztes Produktionsjahr ein, die letzten 1.750 Exemplare sind eingetaktet, in Dieppe, dort wo Alpineluft nach Metall, Öl und Tradition riecht. Es ist die Art von Ende, die nicht traurig macht, sondern wach: man spürt den Übergang, man hört schon den nächsten Takt. Vollelektrisch, sagt die Zukunft. Aber noch nicht heute. Heute knistert Benzin.

Dieppegrau, windig, ein Tor geht auf, die Schicht beginnt. “Es ist angerichtet”, so könnte man den Ton des Kommuniqués vom 24. Oktober verstehen — ohne Pathos, mit einem Augenzwinkern. Die Berlinette nimmt Abschied von der Fertigungslinie, nicht vom Asphalt. In der Manufacture Alpine Dieppe Jean Rédélé, benannt nach dem Gründer von 1962, entstehen bis Mitte 2026 die finalen A110. Dann ist Schluss mit diesem Kapitel. In acht Jahren wird der Zähler der Neuauflage rund 30.000 Stück zeigen — beachtlich in einer Nische, in der Emotion mehr wiegt als Volumen. Und als Draufgabe: neben den 1.750 für die klassische Palette findet kaum mehr als eine gute Handvoll A110 R 70 den Weg auf die Straße. Wenige, aber pointiert. Wie ein klarer Satz ohne Füllwörter.

Eine A110 startet nie mit Getöse. Sie s’ébroue, würde der Franzose sagen: schüttelt sich kurz, sortiert die Gedanken, und schon spürt man die Leichtigkeit. Dieses Auto trägt keinen Panzer, es trägt eine Idee. Ein agiler Hecktriebler, kompakt, mit dem bekannten 1,8-Liter-Vierzylinder, der nicht protzt, sondern zupackt — nervös, aber nicht nervig. Das Fahrwerk? Wach. Die Lenkung? Direkt, als wären Sehnen und nicht Gestänge im Spiel. So bleibt sie bis zum letzten Tag: ehrlich, flink, unerwartet modern in ihrer Schlichtheit. Ein Klassiker, der sich nicht vor der Gegenwart versteckt.

Das könnte Sie auch interessieren:  MG Cyber X: Versenkbare Scheinwerfer erleben ein Comeback

Und dabei ist es keine lineare Geschichte. Alpine wurde Mitte der 90er von Renault eingefangen, dann zur Pause verdonnert. 1995: das Licht geht aus, die Coupés wirken aus der Zeit gefallen, der Markt applaudiert verhalten. 2017: Vorhang auf, Same Name, neuer Atem. Die A110 kehrt zurück, so, als wäre sie nie ganz weg gewesen. Die Fans waren schneller als die Skeptiker — ein Zwinkern, ein Tritt aufs Gas, und schon verstand man, warum. Leichtbau ist eine Haltung. Diese Alpine lebt sie.

Alpine A110 R 70 auf der Zielgeraden Eine Sonderauflage zum Geburtstag: die A110 R 70, spitz, knapp, fokussiert.

Drei Varianten für den letzten Tanz

Spezialserien waren immer das Salz in der A110-Suppe. GT, S, GTS — jede mit einem eigenen Tonfall, der auf der gleichen Partitur spielt. Fürs Finale sortiert Alpine die Karten klar: Die “klassische” A110 mit 252 PS macht den Einstieg und wirkt wie der purste Zug des Pinsels. Ab 66.900 Euro. Wenig Ballast, viel Gefühl. Darüber die A110 GTS mit 300 PS — ab 79.900 Euro —, die den Druck im unteren Drehzahlkeller dicker unterlegt und auf langen Geraden jene Gelassenheit zeigt, die nur ein elastischer Motor kann. Und als Sahnehäubchen die R 70: ab 122.900 Euro, limitiert auf 770 Einheiten. Schlanker, straffer, konzentrierter. Ein Bergpfad in Fahrwerksform.

Diese R 70 ist nicht für den Alltag, sie ist für den Augenblick. Das Fahrwerk spannt, die Karosserie antwortet, der Wagen klebt förmlich am Scheitelpunkt. Kein Theater, kein künstlicher Bass. Nur Grip, Atem, Präzision. Wer sie probiert, begreift, warum Alpine seit jeher eine Schule der Zurückhaltung ist: weniger Überbau, mehr Mechanik. Die Straße hat das Sagen, der Fahrer übersetzt — und lächelt.

Das könnte Sie auch interessieren:  Zukünftiger Porsche 718 Boxster (2025): Technik wird klarer für das erste Elektro-Cabrio der Marke

Nach dieser letzten Serie schließt sich die Tür nicht, sie dreht sich. 2027 rollt die nächste Generation an, vollelektrisch, als Ergänzung zu A290 und A390, die bereits zeigen, wie Alpine Strom musikalisch denken will. Der Teaser des verhüllten Coupés verspricht keine Revolte, sondern Kontinuität: Haltung statt Nostalgie. Denn ein Sportwagen definiert sich nicht über Zylinder, sondern über Charakter. Gerüchte über eine mögliche Hybrid-Variante flüstern durchs Fahrerlager — nichts Fixes, nur das angenehme Rauschen, das entsteht, wenn Ingenieure Optionen durchspielen. Möglich? Ja. Nötig? Kommt auf die Kurve an.

Zwischen erstem und letztem Exemplar verändert sich vieles — die Straße nicht. Sie verlangt Aufmerksamkeit, Respekt, Timing. Genau das konnte die A110 immer gut. Sie fährt nicht den Fahrer, sie fordert ihn. Und dankt ihm mit einem Chassis, das nie besserwisserisch wirkt, sondern loyal. Die Bremse packt ehrlich, das Heck bleibt wachsam, die Vorderachse führt, ohne zu dominieren. Ein Auto, das lieber zuhört als predigt.

Bleibt die Frage, wie man sich verabschiedet. Mit einer Zahl? 30.000 in acht Jahren — “g’scheit”, würde man bei uns sagen. Mit einem Preis? 66.900 bis 122.900 Euro — angemessen für Handwerk, das Haltung baut. Oder mit einem Gefühl: der Moment, in dem die Lenkung in den Händen warm wird, der Asphalt als feine Körnung durch den Sitz steigt, und der kleine Vierzylinder so tut, als hätte er Lungenflügel. Das ist die A110. Noch ein Jahr lang. Dann wird der Puls elektrisch.

Fotos: Motornews

Otto
Ottohttps://www.motornews.at
Otto ist Chefredakteur von MotorNews, wo er seine umfassende Erfahrung im Automobiljournalismus einbringt. Mit seiner Leidenschaft für die Welt der Autos und neuen Technologien leitet Konrad seit über 15 Jahren Redaktionsteams bei Fachpublikationen. Seine Fachkenntnisse reichen von Fahrzeugtests über Markttrends und technische Innovationen bis hin zu den ökologischen Herausforderungen der Automobilbranche. Mit einem scharfen Sinn für Analyse und einem präzisen Schreibstil sorgt er dafür, dass die Gemeinschaft der Autofans mit qualitativ hochwertigen Inhalten versorgt wird, während er die Herausforderungen der Zukunft der Mobilität erforscht. Konrad beaufsichtigt den redaktionellen Prozess und sorgt für eine umfassende und fesselnde Berichterstattung über das aktuelle Geschehen in der Automobilbranche. Für Fragen oder eine Zusammenarbeit können Sie ihn per E-Mail kontaktieren : otto@motornews.fr
RELATED ARTICLES

LAAT EEN REACTIE ACHTER

Vul alstublieft uw commentaar in!
Vul hier uw naam in

Am beliebtesten