Der Morgen ist kühl, die Straße noch feucht – und im Kopf läuft schon dieser leise, elektrische Singsang, den die nächste Audi A4-Generation verspricht. A4 e-tron. Ein Name wie ein Versprechen, Termin 2028. Audi will damit im Revier der edlen Strom-Limousinen nicht nur mitspielen, sondern die Regeln neu schreiben: mehr Reichweite, mehr Hirn, weniger Ballast. Man wird warten müssen. Aber die Richtung ist klar – und spürbar, schon jetzt.
Das passt zur großen Wende in Ingolstadt. Während BMW und Mercedes die Schlingen enger ziehen, stellt Audi die Technik auf Strom, Software und Sinnlichkeit. Der Wettbewerb? Hart. Der Kunde? Genau. Jeder Knopf, jede Kurve, jede Minute an der Ladesäule – alles zählt. Genau dort will der A4 e-tron punkten, nicht mit großen Worten, sondern mit dem Gefühl, das bleibt, wenn der Tag lang war und die Straße noch länger.
Architektur neu gedacht: gebaut für Strom, nicht für Kompromisse
Unterm Blech wechselt Audi auf die SSP – die Scalable Systems Platform aus dem VW-Konzern. Eine reine Elektro-Basis, keine umbauten Fossilreste, kein Tunnel, der Platz frisst. Der Boden flach wie ein frisch gebügeltes Hemd, der Schwerpunkt tief – und das merkt man später dort, wo es zählt: im Handgelenk, wenn die Lenkung anzieht, und im Magen, wenn der Wagen sich an die Kurve schmiegt statt dagegen zu arbeiten.
Das spannendste Bauteil ist gar keines aus Metall: die Software. Hier holt sich Audi den amerikanischen Elektrospezialisten Rivian in die Kabine – nicht als Deko, sondern als Co-Pilot fürs Denken. Das bedeutet: ein Infotainment, das nicht nachdenkt, sondern weiß; Over-the-Air-Updates, die sich anfühlen wie frische Turnschuhe; Assistenten, die helfen statt nerven. Kurz: Das Auto bekommt ein Gehirn, das mit der Hardware tanzt, statt ihr hinterherzulaufen.
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Zahlen mit Haltung: Reichweite und Ladeleistung, die ernst machen
Auf dem Papier zeichnet Audi dick an: 700 bis 800 Kilometer nach WLTP. Nicht prahlen, liefern. Diese Zahlen schieben den A4 e-tron direkt in die erste Reihe der Langstrecken-Stromer – dorthin, wo sich die kommende elektrische 3er-Fraktion von BMW und die elektrische C-Klasse der Sternträger warmfahren. Aber Zahlen sind nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist, wie wenig man darüber nachdenken muss. Reichweite, die aus dem Hinterkopf verschwindet – das ist der wahre Luxus.
Der zweite Trumpf sticht an der Säule: Ladeleistung jenseits der 300 kW. Espresso-Zeit statt Mittagspause. In einer Viertelstunde mehrere Hundert Kilometer nachladen – sofern die Säule kann, was das Auto will. Hinter dem schnellen Strich steckt Thermomanagement, das die Zellen nicht quält, sondern pflegt, und eine Routenplanung, die nicht nur rechnet, sondern versteht. Das Ergebnis? Weniger Zwangspausen, mehr Reisefluss.
- Langstreckenstopps schrumpfen auf Kaffeelänge – keine verlorenen Stunden.
- Kompatibel mit den schnellsten Netzen Europas – Dose rein, Leistung rauf.
- Sauberes Wärmemanagement – die Batterie bleibt gut gelaunt, auch nach mehreren Sprints.
- Schlaue Planung an Bord – das Auto weiß, wann vorheizen Sinn macht und welcher Charger wirklich liefert.
Formensprache mit Rückgrat: ein Hauch TT, ganz viel Gegenwart
Das Äußere flüstert Konzeptstudie, atmet aber Alltag. Inspiriert vom Audi Concept C – mit klaren Kanten und diesen TT-Reminiszenzen, die nicht laut werden müssen, um zu wirken. Elektro-Architektur bedeutet andere Proportionen: die Haube kürzer, die Kabine großzügiger, der Auftritt satt auf der Straße. Und vorne? Keine klassische Grill-Fassade mehr, sondern ein Gesicht, das Luft ordnet statt sie nur zu schneiden.
Der Luftwiderstand wird zum stillen Partner. Weniger Stirnfläche, glatte Übergänge, definierte Abrisskanten – Aerodynamik als Reichweitenverstärker, nicht als Strafe. Man sieht’s nicht immer. Man spürt es – am sachten Verschwinden der Windgeräusche, am Verbrauch, der bei Tempo 130 nicht gleich beleidigt wird.
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Innenraum mit Verstand: echte Tasten, echtes G’spür
Ein Wort, das man in Ingolstadt heuer wieder mag: Haptik. Audi bringt die physischen Bedienelemente zurück. Nicht aus Nostalgie, aus Vernunft. Drehregler, die man blind findet. Tasten, die Klick sagen statt nur zu blinken. Die Bildschirme bleiben natürlich – schön, scharf, schnell – aber sie sind nicht mehr der einzige Weg. Ergonomie, die nicht erklärt werden muss, ist die beste.
Die Elektro-Basis spendiert Platz, den man nicht suchen muss. Ebenes Heck, keine Mittelwulst, Beine dürfen strecken. Der Wagen löst sich innen von alten Kompromissen, ohne die Ruhe zu verlieren. Materialien? Man erwartet das typische Audi-Feingefühl: solide, nicht schwer; weich, nicht weichgespült. Es ist dieser Moment, wenn man zugreift und das Material antwortet. Ja, passt.
| Kennzahl | A4 e-tron (geplant 2028) | Heutige Rivalen |
|---|---|---|
| WLTP-Reichweite | ca. 700–800 km | etwa 500–650 km |
| Schnellladen | > 300 kW | 150–250 kW |
| Fahrzeugbasis | SSP, reine E-Plattform | oft modifizierte Verbrenner-Architektur |
Mehr als ein Modell: Audis Wette auf die nächste Dekade
Der A4 e-tron kommt in einem Moment, in dem Premium elektrisch eine neue Heimat sucht. Tesla hat das Feld aufgerissen, BMW zieht nach, Mercedes rückt auf – und Audi? Muss liefern, nicht lauern. Der A4 war jahrzehntelang das Brot-und-Butter-Auto der vier Ringe, mit Butter und Salz. Sein elektrischer Erbe trägt mehr als ein Emblem: Er trägt Verantwortung.
Die Voll-Elektrifizierung deutscher Garagenträume beschleunigt. Jedes neue Modell ist jetzt eine Bewährungsprobe. Unter der Regie von Gernot Döllner soll diese Limousine zeigen, was Audi sein will: technikstark, designfest, charakterklar. Das Ziel ist nicht der lauteste Auftritt, sondern der stimmigste. 2028 wird zum Prüfstein – und vielleicht zum Neuanfang mit Nachdruck.
Bis dahin bleibt das Versprechen in der Luft: eine Limousine, die weit fährt, schnell lädt und im Alltag nicht erklärt werden will. Wenn der A4 e-tron hält, was er andeutet, wird er nicht um Aufmerksamkeit bitten. Er wird sie bekommen – höflich, aber bestimmt.
