Audi hält WEC-Titelentscheidung in der Markenwertung in Bahrain weiter offen

Ingolstadt/Bahrain – In seinem bislang arbeitsintensivsten 6-Stunden-Rennen in der dreijährigen Geschichte der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC gelang es dem Team von Audi, die Titelentscheidung weiter offen zu halten. Erstmals entscheidet sich die Markenwertung damit beim Finale, nachdem Audi in den beiden vergangenen Jahren jeweils vorzeitig als Weltmeister festgestanden hat.

  • Erstmals fällt Entscheidung über die beste Marke beim Finale
  • Fässler/Lotterer/Tréluyer als bestes Audi-Team auf Platz vier
  • Starke Teamleistung von der Vorbereitung bis ins Rennen

Diese verschobene Titelentscheidung ist der schönste Lohn für die wohl arbeitsreichste Woche des Audi Sport Team Joest seit Beginn der WEC im Jahr 2012. Zwischen Dienstag und Freitag baute die Mannschaft in Bahrain drei Mal neue Rennwagen auf. Ursache waren Beschädigungen an den Monocoques, die nach dem vorherigen Rennen und dem ersten Trainingstag in Bahrain entdeckt worden waren.

Der Startnummer 1 von Lucas di Grassi/Loïc Duval/Tom Kristensen (BR/F/DK) gelang eine tadellose Leistung unter besonderen Bedingungen. Durch den Neuaufbau seines Rennwagens verpasste das Trio ein Training und das Qualifying am Freitag. Der neue Audi R18 e-tron quattro drehte seine ersten Runden erst am Samstag im Rennen. Die sechs Stunden in der Hitze Bahrains – der Asphalt war zu Rennbeginn 34 Grad warm – bewältigte der Hybrid-Sportwagen ohne die geringste technische Unregelmäßigkeit und erreichte den fünften Platz. Startfahrer Lucas di Grassi fuhr auf frischen Reifen in der Anfangsphase sogar einmal die schnellste Rennrunde.

Nachdem Marcel Fässler (CH) im Schwesterauto mit der Nummer 2 beim ersten Boxenstopp seine Reifen aus dem Qualifying gegen einen frischen Satz Slicks getauscht hatte, fuhr er die zu diesem Zeitpunkt schnellste Rennrunde. Der Schweizer musste sich zusammen mit seinen Teamkollegen André Lotterer (D) und Benoît Tréluyer (F) im Kampf um einen Podiumsplatz am Ende dennoch geschlagen geben. Nach der kräftezehrenden vorletzten Saisonveranstaltung konzentriert sich Audi auf das Finale. Bereits in zwei Wochen stehen die 6 Stunden von São Paulo in Brasilien auf dem Programm.

Stimmen nach dem Rennen

Dr. Wolfgang Ullrich (Audi-Motorsportchef):

Einen herzlichen Glückwunsch an Sébastien Buemi und Anthony Davidson zum vorzeitigen Titelgewinn in der Fahrerwertung. Ein besonderes Kompliment verdient zugleich unsere gesamte Mannschaft, die fünf Tage lang extrem hart gearbeitet hat. Beide Rennwagen liefen exzellent. Ein großes Dankeschön dafür. Leider haben wir heute das Podium nicht erreicht. Unsere Fahrer waren sehr gut unterwegs, aber das vom Reglement vorgegebene kleine Tankvolumen zwang uns trotz des effizienten Dieselantriebs zu einem zusätzlichen Boxenstopp fünf Runden vor Rennende oder zu extremem Spritsparen über mehrere Stints. So kann man ein Rennen nicht gewinnen.

Chris Reinke (Leiter LMP):

Am heutigen Tag gilt zunächst unsere Gratulation dem Wettbewerber, der sich den Fahrertitel sichern konnte. Gleichzeitig einen riesigen Glückwunsch an unsere Mannschaft, die an diesem Wochenende drei Mal neue Fahrzeuge aufbauen musste. Die Autos sind ohne jegliche technische Probleme gelaufen. Das ist die Leistung, auf die wir an diesem Wochenende stolz sein können. Wir haben zudem unser Ziel erreicht, die Hersteller-Meisterschaft offen zu halten, auch wenn es in São Paulo sehr schwierig werden wird, das Blatt zu wenden. Aber wir geben nicht auf.

Ralf Jüttner (Teamdirektor Audi Sport Team Joest):

Ich bin sehr stolz, dass unsere Mannschaft ein Auto neu aufgebaut hat, das ein Sechs-Stunden-Rennen ohne Probleme fuhr, obwohl wir nicht mal einen Funktionstest hatten. Das kann man nicht hoch genug einschätzen, denn Hybrid-Sportwagen sind sehr aufwendig konstruiert. Wir haben jetzt drei Audi R18 e-tron quattro innerhalb weniger Tage gebaut und alle liefen rund. Wir wussten, dass wir hier im Rennen keine echte Chance haben. Auch über die Reifenstrategie war nichts zu machen. Glückwunsch an den Toyota mit der Startnummer 7 zum Fahrertitel. Wir haben die Herstellerwertung noch offen gehalten. Ich hoffe, dass wir in Brasilien ein etwas weniger turbulentes Rennwochenende erleben als hier.

Marcel Fässler (Audi R18 e-tron quattro #2):

Ich bin am Start sehr gut weggekommen und konnte direkt auf Platz drei vorfahren, aber die Position leider nicht lange halten. Wir dachten, es wird heute viel heißer. Dadurch hat der Reifen nicht richtig funktioniert und ich habe relativ viel Zeit verloren. Wir haben dann einen Boxenstopp vorgezogen und ich habe die gleichen Reifen wie Lucas di Grassi bekommen, dadurch konnte ich das Tempo wieder mitgehen. Generell war es ein sehr schwieriges Rennen, aber wir haben gezeigt, dass wir nicht aufgeben und eine fantastische Mannschaft haben. Beim Boxenstopp sind wir immer noch die Schnellsten und es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. Wir kämpfen weiter und hoffen, dass wir bald wieder nach vorn kommen.

André Lotterer (Audi R18 e-tron quattro #2):

Es war kein schlechtes Rennen für uns. Anfangs lief es nicht ganz rund, denn die Reifen von Marcel Fässler waren für diese Rennsituation nicht ideal. Danach lief es gut. Wir haben das Maximum aus dem Auto herausgeholt. Das Team hat toll gearbeitet. Unsere Boxenstopps waren gut, obwohl die Jungs eine harte Woche hinter sich haben. Leider gab es keinen Platz auf dem Treppchen als Belohnung, aber wir geben nicht auf.

Benoît Tréluyer (Audi R18 e-tron quattro #2):

Die gesamte Mannschaft war erstklassig, obwohl sie schon so viel Arbeit hinter sich hatte. Es war ein sehr hartes Rennen. Die Reifenwahl war zu Rennbeginn nicht perfekt, aber es war einen Versuch wert. Marcel Fässler hat anfangs gekämpft, auch André Lotterer war sehr stark. Die Boxenstopps waren fehlerfrei und sehr schnell. Wir haben versucht, das Beste aus dem Auto herauszuholen. Am Ende hatten wir ein Problem mit dem Gummiabrieb, den unsere Reifen aufgesammelt haben. So war das Auto nicht mehr so gut fahrbar wie zuvor mit neuen Reifen.

Lucas di Grassi (Audi R18 e-tron quattro #1):

Das war ein schwieriges Rennen, aber auch eines, auf das ich sehr stolz bin. Unsere Mechaniker haben großartige Arbeit geleistet und unser Auto trotz wenig Schlaf gleich zweimal neu aufgebaut. Wir hatten keinen Roll-out, aber im Rennen war unser Auto in einem perfekten Zustand. Ich bin daher sehr stolz, dass wir einige Punkte für unsere Mannschaft mit nach Hause nehmen konnten.

Loïc Duval (Audi R18 e-tron quattro #1):

Das war ein ganz schön hartes Rennen. Ich bin stolz auf unsere Mannschaft. Sie sind die Helden des Wochenendes. Wir haben heute gekämpft, aber wir gehen gestärkt aus solchen Situationen heraus. Schön ist, dass wir die Titelentscheidung noch einmal verschieben konnten.

Tom Kristensen (Audi R18 e-tron quattro #1):

Das war ein sehr ereignisreiches Wochenende. Das gesamte Team von Audi Sport hat sehr viel gearbeitet. Ich habe nur sieben Runden in Bahrain gedreht, bevor ich ins Rennen gegangen bin – das war nicht einfach. Die Traktion war hier ein Thema. Aber ich denke, wir haben uns gut geschlagen und keine Fehler gemacht. Es war großartig, hier in Bahrain unter Flutlicht zu fahren. Und natürlich gratuliere ich Toyota und Anthony Davidson und Sébastien Buemi zum Titelgewinn. Sie waren in diesem Jahr einfach hervorragend.

Ergebnis Rennen

1. Conway/Sarrazin/Wurz (Toyota) 195 Runden in 6:00.18,056 Std.
2. Dumas/Jani/Lieb (Porsche) + 50,460 Sek.
3. Bernhard/Hartley/Webber (Porsche) + 57,268 Sek.
4. Fässler/Lotterer/Tréluyer (Audi R18 e-tron quattro) – 1 Rd.
5. Di Grassi/Duval/Kristensen (Audi R18 e-tron quattro) – 2 Rd.
6. Belicchi/Kraihamer/Leimer (Rebellion-Toyota) – 7 Rd.
7. Beche/Heidfeld/Prost (Rebellion-Toyota) – 13 Rd.
8. Bradley/Howson/Imperatori (Oreca-Nissan) – 14 Rd.
9. Ladygin/Ladygin/Shaitar (Oreca-Nissan) – 17 Rd.
10. Cheng/Ihara/Patterson (Morgan-Judd) – 17 Rd.

© Audi / Audi hält WEC-Titelentscheidung in der Markenwertung in Bahrain weiter offen

Schlagwörter aus dem Beitrag
Das könnte Sie auch interessieren:
Kommentare

Comments are closed.

Übersicht Automarken