HomeAuto-TestBentley Supersports: Continental GT ohne Hybrid und Allrad – radikal!

Bentley Supersports: Continental GT ohne Hybrid und Allrad – radikal!

Die Straße ist noch kühl, der Morgen dünn wie der erste Espresso — und da ist er: ein Bentley, der nicht surrt, nicht flüstert, nicht beschwichtigt. Er räuspert sich. Ein heiseres, ehrliches Aufwachen aus acht Zylindern. Continental GT, Supersports. Kein Kabel, kein Kompromiss, kein Sicherheitsnetz. Heckantrieb. Leichter. Schärfer. Und rar wie ein sonniger Novembertag.

Seit heuer fährt die Continental GT eigentlich mit Stecker — Plug-in-Hybrid, solide, stark, effizient. Und dann kommt der Herbst und Bentley wirft das Konzept einmal quer: eine Variante ohne jegliche Elektrounterstützung, getauft auf einen Namen, der im Hause seit einem Jahrhundert für die Momente reserviert ist, in denen’s ernst wird. Supersports. Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Modells (GT3-Rennwagen ausgenommen) treibt sie nur die Hinterachse an. Der E-Motor aus dem Getriebe? Raus. Die Batterien im Boden? Ebenfalls weg. Platz entsteht. Vor allem aber: Luft in der Waage.

Ein V8 ohne Stromhilfe

Man spürt es, noch bevor man die Zahlen liest. Die Tür fällt satt ins Schloss, das Cockpit ist purer Fokus — und der Wagen wirkt, als hätt’ er heimlich gefastet. Unter zwei Tonnen. Für eine Continental GT ist das beinahe frech. Gegenüber der PHEV-Version fehlen rund 500 Kilo, weggefeilt mit einer ganzen Werkzeugkiste aus Maßnahmen: keine Rücksitze, mehr Kohlefaser, weniger Dämmmaterial, ein Carbon-Dach, Bremsen aus Carbon-Keramik, und diese 22-Zoll-Schmiederäder — entwickelt mit Manthey Racing — so leicht, dass man sie fast mit zwei Fingern anheben möchte. Das ist bei Bentley selten genug, um es zu feiern.

Bentley Supersports Heckansicht in Fahrt Die Supersports trägt Kohlefaser mit Überzeugung – und goldene Details mit einem Augenzwinkern.

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Im Bug arbeitet weiterhin der bekannte 4,0‑Liter‑V8 mit zwei Turbos. Bekannt? Nur halb. Die Lader sind neu, die Ölwanne wurde ersetzt, die Achtgang-Automatik von ZF ist anders abgestimmt — kürzer dort, wo Schub gefordert ist, sanfter, wo Grip zählt. Leistung: 666 PS. Auf dem Papier weniger als die 782 PS der Continental GT Speed mit Plug-in-Unterstützung. Auf der Straße? Kein Mangel an Drama. 800 Nm drücken früh und anhaltend, 0–100 km/h in 3,7 Sekunden, und wenn die Luft dünner wird, steht rund 310 km/h im Raum — vorbehaltlich der finalen Zulassung. Die Art, wie der Motor arbeitet, ist das Entscheidende: er brummt nicht bloß, er atmet, er zieht die Kurbelwelle mit einer klaren, trockenen Entschlossenheit durch den Drehzahlkeller, und die Hinterräder antworten mit einem knappen, ehrlichen Kratzen — dort, wo Asphalt und Drehmoment einander kennenlernen.

Noch schärfer im Kurvenstrich

Ein Bentley ist traditionell das gute Hemd unter den Gran Turismos: edel, fein vernäht, unaufgeregt schnell. Die Supersports trägt das gleiche Tuch, aber die Nähte sind enger, die Silhouette straffer. Die Spur wächst um 16 Millimeter, das Chassis bekommt jene Sorte Aufmerksamkeit, die Ingenieurinnen und Ingenieure in Crewe leuchten lässt: ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial (eLSD) schiebt das Heck entschlossen Richtung Scheitelpunkt, ohne zu schnappen; die Hinterachslenkung bleibt an Bord und macht das Auto in der Stadt kleiner und am Land agil — wie ein Tänzer, der plötzlich die Bühne um eine Nummer mitnimmt. Die Lenkung: neu kalibriert, direkter, ehrlicher. Man spürt die Textur der Straße wie über einen guten Füller auf rauem Papier. Die Federung: überarbeitet, straff, aber nicht bösartig. Eher so, wie ein guter Trainer: fordert, aber trägt.

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Und dann ist da der Auspuff. Titan, von Akrapovič. Kein Krawall um des Krawalls willen, sondern eine Tonspur mit Haltung. Innen gedämpft-cremig, außen rau genug, um den Nachbarn ein „Aha, die ohne Stecker“ zu entlocken. Er knurrt beim Anfahren, klärt beim Hochschalten die Stimme, und im Schubbetrieb murmelt er dieses kleine, unvernünftige Lachen, das Autos zu Komplizen macht.

Bentley Continental Supersports Innenraum Innen: Details für Eingeweihte – Plaketten, Schweller, eine klare Botschaft anstelle der Rückbank.

Die Optik ist keine Spielerei. Der große, fixe Heckflügel steht nicht zum Spaß in der Luft; er drückt, wenn es darauf ankommt. Vorne und hinten tragen die Stoßfänger kleine Finnen, die den Luftstrom sortieren, die Seitenschweller sind spezifisch und straff geführt, entlang der Radläufe sitzen Kohlefaser-Einsätze, die wie scharfe Kragenkanten wirken. Der Kühlergrill weicht einer feinen Gitterstruktur, in die eine goldene „8“ gezeichnet ist — eine kleine Eitelkeit, die man dieser Maschine verzeiht. Entlang der Türen laufen schmale, goldene Streifen, unaufdringlich und doch mit einem Zwinkern. Drinnen findet sich, wo sonst die Rücksitze wären, eine sorgsam ausgekleidete Ablage mit Emblem; Türschweller und Armaturenbrett tragen eigene Abzeichen. Kein Pomp, eher eine Handschrift.

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Wichtig: Die Supersports macht sich rar. 500 Exemplare, Auslieferung ab Ende 2026. Der Preis? Noch nicht offiziell. Aber realistisch betrachtet deutlich jenseits der 200.000‑Euro‑Marke — immerhin startet die Continental GT Speed als Plug‑in bereits bei 246.386 Euro. Wer also will, sollte wollen. Lange fackeln wird hier niemand.

Fotos: Motornews

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Kurz gesagt

Bentley holt den Namen Supersports zurück und gibt der Continental GT damit eine radikale Rolle: Heckantrieb, deutlich leichter, null Elektrifizierung. Roh, aber nicht grob. Präzise, aber nie kalt. Ein GT, der nicht bittet — er fordert. Und genau deshalb will man fahren.

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Otto
Ottohttps://www.motornews.at
Otto ist Chefredakteur von MotorNews, wo er seine umfassende Erfahrung im Automobiljournalismus einbringt. Mit seiner Leidenschaft für die Welt der Autos und neuen Technologien leitet Konrad seit über 15 Jahren Redaktionsteams bei Fachpublikationen. Seine Fachkenntnisse reichen von Fahrzeugtests über Markttrends und technische Innovationen bis hin zu den ökologischen Herausforderungen der Automobilbranche. Mit einem scharfen Sinn für Analyse und einem präzisen Schreibstil sorgt er dafür, dass die Gemeinschaft der Autofans mit qualitativ hochwertigen Inhalten versorgt wird, während er die Herausforderungen der Zukunft der Mobilität erforscht. Konrad beaufsichtigt den redaktionellen Prozess und sorgt für eine umfassende und fesselnde Berichterstattung über das aktuelle Geschehen in der Automobilbranche. Für Fragen oder eine Zusammenarbeit können Sie ihn per E-Mail kontaktieren : otto@motornews.fr
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