Bosch schafft die technischen Voraussetzungen für das automatisierte Fahren

Die Entwicklung des automatisierten Fahrens geht bei Bosch rasant voran. Dabei sind die Ingenieure inzwischen an einem ganz entscheidenden Punkt angelangt.

  • „Vom teil- zum hochautomatisierten Fahren steht ein großer Schritt bevor“, sagte Bosch-Geschäftsführer Dr. Dirk Hoheisel
  • Automotive Steering erweitert mit Elektrolenkungen das Bosch-Portfolio für automatisiertes Fahren
  • Zunehmende Automatisierung kann allein in Deutschland weitere 37 Prozent der heutigen Verkehrsunfälle adressieren
  • Rechtliche Vorschriften müssen mit technischen Möglichkeiten Schritt halten

Vom teil- zum hochautomatisierten Fahren steht sowohl technisch als auch rechtlich ein großer Schritt bevor,

sagte Bosch-Geschäftsführer Dr. Dirk Hoheisel anlässlich des 62. Internationalen Motorpressekolloquiums vom 19. bis 21. Mai 2015 in Boxberg. Beim hochautomatisierten Fahren werde die Verantwortung schließlich vorübergehend an das Auto übergeben.

Der Fahrer wird zum Passagier,

ergänzte Hoheisel. Das mache tiefgreifende Veränderungen erforderlich. Neben der Fahrzeugarchitektur entwickelt sich auch die Art und Weise grundlegend weiter, wie Fahrer und Fahrzeug miteinander kommunizieren. Zudem wird ein hochautomatisiertes Auto mit einem Server vernetzt sein.

Nur Hersteller und Zulieferer mit einem tiefen Systemverständnis können in der weiteren Entwicklung erfolgreich sein,

so Hoheisel.

Bosch beherrscht alle benötigten Techniken für das automatisierte Fahren

Wenn die Fahraufgabe komplett an das Auto delegiert wird, stellt das unter anderem an sicherheitsrelevante Systeme wie Bremse und Lenkung besondere Anforderungen. Um die größtmögliche Verfügbarkeit beim Ausfall einer dieser Komponenten sicherzustellen, wird eine Absicherung in Form von Redundanz benötigt. Für die Bremse hat Bosch diese beispielsweise bereits verfügbar. Ohne dass der Fahrer eingreifen muss, können der elektromechanische Bremskraftver-stärker iBooster und das Bremsregelsystem ESP unabhängig voneinander ein Auto abbremsen. Beide Bosch-Erfindungen sorgen damit für die notwendige Redundanz und sind unverzichtbare Bausteine für selbstfahrende Autos.

Bosch schafft die technischen Voraussetzungen für das automatisierte Fahren,

sagte Hoheisel.

Das gelte umso mehr, als Bosch dank des neuen Geschäftsbereichs Automotive Steering nun auch Elektrolenkungen im eigenen Portfolio habe.

Mit Antrieb, Bremse und Lenkung sowie Sensorik, Navigation und Vernetzung beherrscht Bosch alle Techniken für das automatisierte Fahren,

so Hoheisel weiter.

Hochautomatisiert fahrende Fahrzeuge sind auf Umfeldinformationen angewiesen, die über den Erfassungsbereich der Sensoren hinausgehen. Benötigt werden Echtzeit-Verkehrsdaten, etwa zu Staus und Unfällen. Das lässt sich nur über die Vernetzung der Fahrzeuge mit einem Server lösen. Bosch hat dafür den Connected Horizon entwickelt. Das System ermöglicht eine dynamische Streckenvorausschau der Fahrroute und entsprechende Anpassungen der Fahrstrategie.

Der Connected Horizon lässt automatisierte Fahrzeuge vorausdenken,

sagte Hoheisel.

Das erhöht den Komfort und die Sicherheit beim Fahren. Gefahrenstellen hinter einer Kurve oder Bergkuppe kennt das vernetzte Fahrzeug rechtzeitig und kann früher vom Gas gehen. Zu den Echtzeit-Verkehrsdaten leistet Bosch ebenfalls einen wesentlichen Beitrag – zum Beispiel über die Smartphone-App myDriveAssist. Ist die App aktiviert, erkennt sie über die Smartphone-Kamera während der Fahrt Tempobeschränkungen und sendet die Information an den Server. Dort werden die Daten verifiziert und anderen Verkehrsteilnehmern zur Verfügung gestellt.

Der Mensch bleibt beim automatisierten Fahren weiter im Mittelpunkt

Bei aller Technik – für Bosch steht auch beim automatisierten Fahren der Mensch im Mittelpunkt.

Assistenzsysteme unterstützen Autofahrer in kritischen Situationen. Automatisierte Fahrfunktionen nehmen ihnen auch eintönige Fahraufgaben wie Autobahnfahrten ab,

sagte Hoheisel.

Wichtig sei deshalb, dass der Fahrer Vertrauen in das System habe.

Vertrauen entsteht, wenn das Fahrzeug ständig und leicht verständlich darüber informiert, was es gerade tut,

ergänzte Hoheisel.

Die Aufgabe fällt der Benutzerschnittstelle zwischen Fahrer und Fahrzeug zu – auch HMI (Human Machine Interface) genannt. Dabei ist weniger Information mitunter mehr.

Der Fahrer benötigt die richtigen Informationen zur richtigen Zeit,

erklärte Hoheisel das Grundprinzip eines guten HMI.

Kritisch beim hochautomatisierten Fahren ist insbesondere die Übergabe der Fahraufgabe und Verantwortung vom Fahrer ans Fahrzeug – und umgekehrt. In Bosch-Prototypen meldet künftig das HMI dem Fahrer, sobald automatisiertes Fahren auf einem Streckenabschnitt möglich ist. Zum Aktivieren oder Deaktivieren des automatisierten Fahrmodus muss der Fahrer dann für drei Sekunden gleichzeitig zwei Knöpfe am Lenkrad drücken. So ist ein irrtümliches Aktivieren ausgeschlossen. Auch über automatisierte Fahrmanöver informiert das HMI. Rechtzeitig vor einem Spurwechsel kündigt das Auto sein Vorhaben an und bietet dem Fahrer die Möglichkeit, den Vorgang aus der virtuellen Vogelperspektive zu überwachen.

Das HMI trägt viel zur Faszination der Technik des automatisierten Fahrens bei,

sagte Hoheisel.

Um die verschiedenen Funktionen und Informationen zu beherrschen, sind innovative Bedien- und Anzeigenkonzepte der Schlüssel. Mit den frei programmierbaren Kombiinstrumenten und Head-up-Displays bietet Bosch bereits ansprechende Lösungen zur HMI-Darstellung an.

Zunehmende Automatisierung macht den Straßenverkehr sicherer

Motivation für die Entwicklung des automatisierten Fahrens bei Bosch ist und bleibt die Sicherheit im Straßenverkehr. Weltweit sterben nach UN-Schätzungen jedes Jahr rund 1,3 Millionen Menschen durch Verkehrsunfälle. In 90 Prozent der Fälle ist menschliches Fehlverhalten der Auslöser. Autofahrer in unübersichtlichen oder eintönigen Situationen von der Fahraufgabe zu entlasten, kann daher Leben retten.

Allein in Deutschland können wir mit einer zunehmenden Automatisierung weitere 37 Prozent der heutigen Verkehrsunfälle adressieren,

sagte Hoheisel.

Das sei ein großer Ansporn für beide Bosch-Teams, die seit 2011 in Abstatt bei Heilbronn und in Palo Alto im Silicon Valley am automatisierten Fahren arbeiteten. Unterstützung erhalten sie dabei von weltweit rund 2 000 Bosch-Entwicklern aus dem Bereich der Fahrerassistenz.

Die grundlegenden technischen Herausforderungen des automatisierten Fahrens werden bis Ende des Jahrzehnts weitgehend gelöst sein,

so Hoheisel.

2020 könnten Autos mit Bosch-Technik automatisch von Autobahnauf- bis–abfahrt fahren, so wie es Bosch-Prototypen seit Anfang 2013 auf der Autobahn A81 und der US-Interstate I280 längst tun. Voraussetzung sei, dass auch die rechtlichen Rahmenbedingungen mit den technischen Möglichkeiten Schritt hielten. Limitierend wirken sich bisher vor allem die Vorschriften der Wiener Straßenverkehrskonvention von 1968 aus. Diese besagen zum Beispiel, dass Autofahrer ständig die Kontrolle über ihr Fahrzeug haben müssen. Damit ist hochautomatisiertes Fahren derzeit nicht erlaubt. Anpassungen der für Deutschland und viele weitere Staaten gültigen Rechtsgrundlage deuten sich aber an. So sollen automatisierte Fahrfunktionen zumindest dann erlaubt werden, wenn der Fahrer sie jederzeit übersteuern oder ausschalten kann.

Hoheisel:

Wir sind optimistisch, dass Politik und Verbände die Weichen zeitnah richtig stellen.

© Robert Bosch GmbH / Bosch schafft die technischen Voraussetzungen für das automatisierte Fahren

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