Das Cockpit der Zukunft – tippen, sprechen, wischen?

Ranshofen/Österreich – Die vergangenen Tage waren geprägt von zahlreichen Cockpit-Innovationen, die von allen namhaften Automobilherstellern im Rahmen der CES in Las Vegas vorgestellt wurden.

Das vernetzte Fahrzeug rückt zusehends in den Vordergrund und dem Zeitgeist folgende Fahrzeuglenkerinnen und Fahrzeuglenker wollen auch in ihrem Auto die gewohnten Funktionen des Smartphones nicht mehr missen. Dies zeigt sich in beeindruckender Weise in der Innovationsvielfalt der Automobilhersteller, welche in die künftige Cockpitgestaltung Einzug halten soll.

Volkswagen, Audi, Mercedes und Co.

Branchenprimus Volkswagen zum Beispiel möchte uns in Zukunft gestenreich durch die Funktionsvielfalt des Cockpits wischen lassen. Konzerntochter Audi präsentiert uns eine Auto-Studie, die nicht nur autonom fährt, sondern dazu auch noch lernfähig ist. Mercedes überdenkt im futuristisch anmutenden Concept-Car F 015 ebenfalls die gewohnten Bedienkonzepte neu. Der größtmögliche gemeinsame Nenner bleibt – abgesehen von der autonomen Fortbewegung – die Voll-Integration unseres allseits treuen Wegbegleiters, des Smartphone und dessen Bedienungsschema.

Allesamt hochinteressante und spannende Ideen und eine gewohnt professionelle Umsetzung. Einzig die Frage „sind wir Autolenker bereit und technisch derart versiert, diese Systeme vorbehaltlos anzuwenden? “ bleibt etwas ungehört im Raum stehen.

Heimisches Know-how

Genau mit diesen Fragestellungen und technischen Schnittstellen beschäftigt sich seit vielen Jahren ein innovatives Unternehmen aus Oberösterreich. Seit über 25 Jahren, um genau zu sein. Die AUDIO MOBIL Elektronik GmbH aus Ranshofen bei Braunau forscht in Zusammenarbeit mit universitären Partnern an den Anknüpfungspunkten des Menschen an der Maschine, dem Auto also, und hat bereits mehrfach mit aufsehenerregenden Bedienkonzepten und Sensoriken die Fahrzeugwelt um uns herum etwas angenehmer gestaltet. Oder zumindest mitgestaltet – denn die Öffentlichkeit ist nicht die bevorzugte Bühne des Forschungs- und Entwicklungsstudios.

Getrieben von Megatrends wie „Connectivity“ und „Autonomes Fahren“ verzeichnet das Automobilinterieur eine zunehmende Anzahl an elektronischen Funktionen und Möglichkeiten. Hinzukommt der Wunsch des Endverbrauchers, Technologien aus dem Bereich der Consumer-Products in Fahrzeugen wiederzufinden. Human-Machine-Interface (HMI) – die Schnittstelle zwischen dem Menschen und der Maschine – wird in diesem Kontext zur großen Herausforderung. Und genau hier liegt eine der großen Stärken der AUDIO MOBIL Elektronik GmbH um CEO Thomas Stottan.

Durch die Humanisierung der Technik und ein intelligentes Vernetzen der Fahrzeuge mit der Umwelt bzw. in weiterer Konsequenz mit anderen Fahrzeugen werden durch das Smartphone bekannte und beliebte Funktionen leicht nutzbar in den Lebensraum Auto integriert und gleichzeitig die Sicherheit erhöht, da die Ablenkung vom Fahren ausgegrenzt werden kann.

äußert sich AUDIO MOBIL Elektronik GmbH CEO Thomas Stottan zuversichtlich zur künftigen Cockpit- und Infotainment- Gestaltung.

Ihm ist jedoch auch bewusst, dass die auf der CES vorgestellten Konzepte und Systeme als technische Leistungsschau zu bewerten sind, die mit der Zukunft vermutlich keine große Deckungsgleichheit aufweisen werden.

Ist doch die Sichtweise auf Basis eines fundierten wissenschaftlichen Background naturgemäß etwas differenzierter,

bemerkt Stottan mit einem Augenzwinkern.

Car-Lab als universitärer Partner

Die Sprach- und Gestensteuerung für sich sind zum Beispiel aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht die erhofften Erleichterungen der Systembedienung und erfordern noch weitreichende Studien. Ähnlich verhält es sich mit gerne eingesetzten Touch-Displays, wo jeder Bedienschritt visuell überprüft werden muss und wiederum ein erhöhtes Ablenkungspotential mit sich bringt. Nicht vergessen werden darf zudem, dass das Sehen als hauptrelevanter Sinn im Rahmen der Berechtigung für eine Fahrzeuginbetriebnahme steht, was in dieser Form auch im Führerscheingesetz verankert ist und wissenschaftlich einhellige Bestätigung findet.

Professor Manfred Tscheligi – Leiter des Car-Lab an der Universität Salzburg und wissenschaftlicher Partner der AUDIO MOBIL meint dazu beispielsweise, „dass der Mensch über eine recht begrenzte Form der sinnesphysiologischen Wahrnehmung verfügt, was zur Folge hat, dass Reize und Sinne nur bedingt gleichzeitig angesprochen werden können. Eine Anwendung, die mit Gestensteuerung bedient werden kann, lenkt die Wahrnehmung (Anmerkung der Redaktion: Wahrnehmung bezieht sich nicht nur auf den visuellen Kanal, sondern auf alle Sinnesformen) nicht notwendigerweise weniger ab, als konventionelle Eingabemethoden, wie zum Beispiel Tasten. Gestensteuerung bedeutet dabei nicht automatisch eine intuitive Bedienung – genau wie Touch-Displays alleine kein Ideal in der Darstellung sind. Die Erlernbarkeit von Gestik-Alphabeten bzw. deren Erinnerbarkeit und damit in weiterer Folge die Akzeptanz stellt wie bei der Sprachbedienung eine Herausforderung dar“ führt Tscheligi dazu weiter aus.

Wissenschaftliche Testeinrichtung geplant

Im Rahmen dieser Forschungsversuche rund um die Fahrzeugbedienung wird derzeit über eine Testeinrichtung nachgedacht, die – ähnlich wie Euro-NCAP – die verschiedenen Fahrzeugbediensysteme auf Sicherheit und daraus entstehende Ablenkungspotentiale überprüft. Das Konzept für eine solche Institution, die eine weltweit einheitliche Bewertung generieren soll, liegt vor und es wurden bereits erste Gespräche mit möglichen Beteiligungspartnern geführt.

Man darf gespannt sein, was die automotive Zukunft bringt. Eines ist jedoch gewiss: es ist spannend, diesem Paradigmenwechsel in unserer so lieb gewonnen mobilen Fortbewegung beizuwohnen.

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