HomeElektroautoElektroauto: Xiaomi verliert nach spektakulärem Start an Schwung

Elektroauto: Xiaomi verliert nach spektakulärem Start an Schwung

Im März 2024 rollte Xiaomi nicht einfach in die Auto-Welt hinein – die Marke stürmte sie, mit Scheinwerfern wie Rampenlicht und einer Selbstsicherheit, die man sonst nur von Konzerten kennt. Die ersten beiden Akteure, SU7 und YU7, wirkten wie Stars auf frischer Bühne: Schlangen vor der Kassa, Lieferzeiten wie vor Weihnachten, und Menschen, die lieber tiefer in die Tasche griffen, als noch länger zu warten. Jetzt, fast ein Jahr später, weht ein anderer Wind. Nicht kalt, aber nüchterner. Zwischen Marktanpassung und Fertigungsrealität fährt Xiaomi in eine Phase, in der weniger die Show zählt – und mehr das, was Tag für Tag auf der Straße funktioniert.

Der künstliche Mangel, der Xiaomi hochkatapultierte

Der Einstieg funktionierte auf zwei Gaspedalen zugleich: die Neugier auf einen Tech-Giganten, der plötzlich Blech statt Glas baut – und die bewusst knapp gehaltene Verfügbarkeit. Seltener Stoff schafft Begehren, das kennen wir von Smartphones, Sneakern, Spielkonsolen. Beim im Juni 2025 gestarteten Xiaomi YU7 explodierten die Zahlen: 200.000 Bestellungen in drei Minuten. Und kurz darauf noch einmal 40.000 Reservierungen oben drauf. Aus Reservierungsbelegen wurden Wertpapiere – die Vorfreude bekam einen Marktpreis.

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Im Sommer 2025 konnte man zusehen, wie die ersten Tickets, ursprünglich für 5.000 Yuan (rund 600 Euro) zu haben, am Zweitmarkt mit saftigen Aufschlägen wanderten. Wer nur Plätze tauschte, kassierte zwischen 3.000 und 20.000 Yuan zusätzlich – also etwa 360 bis 2.400 Euro Gewinn, ohne jemals Gas gegeben zu haben. Es fühlte sich an wie Apple-Launch, nur mit Radstand und Fahrwerk. Und das mitten im chinesischen Autozirkus.

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Woran sich die Trendwende festmachen lässt

Heute klingt das Echo leiser. Die Vorbestellungsscheine für den SU7 werfen nicht mehr Funken, sie werden zu 1.500 Yuan (etwa 180 Euro) weitergereicht – also unter dem ursprünglichen Reservierungspreis. Kein Rätselraten nötig: Die Spekulationsblase ist geplatzt, der schnelle Reibach ausverkauft. Für echte Interessenten wird der Zugang einfacher, die Luft ist freier – aber auch kühler.

Die Gründe? Sie liegen weniger im Geheimen als im Offensichtlichen. Viele Reservierungen waren nie Kaufabsichten, sondern Wetten. Dazu kommen anhaltend lange Lieferzeiten: Beim YU7 liegen wir bei 45 bis 48 Wochen. Das ist fast ein Jahr – in einem Segment, in dem Technik im Halbjahrestakt neue Töne anschlägt. Wer heute bestellt, könnte morgen ein Datenblatt in Händen halten, das schon ein bisschen nach gestern klingt. Nicht dramatisch, aber spürbar.

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Strukturelle Baustellen in der Fertigung

Der Sprung vom Smartphone zur Stromer-Produktion ist kein Modellwechsel, sondern ein anderes Spiel. Bei Handys beherrscht Xiaomi Taktung, Logistik, Skalierung – im Tiefschwarz. Ein Auto aber ist eine andere Art von Versprechen: Kilometer für Kilometer eingelöst, getragen von einer komplizierten Zulieferkette und Fertigungsprozessen, die nicht verzeihen, wenn ein Rädchen wackelt. Die beschränkte Kapazität erklärt die Wartezeit. Und Wartezeit frisst Geduld – irgendwann auch Begeisterung.

Dazu kam ein Vorfall in Chengdu: ein Xiaomi-Fahrzeug, ein Batteriebrand. Die Untersuchungen laufen, die Fakten gehören sortiert – klar. Aber Sicherheit ist im Auto so sensibel wie die Bremse am Ende einer Bergab-Etappe. Ein Schwelbrand genügt, und die Stimmung kippt. Chinesische Medien haben das Thema spitz aufgenommen. Kein Urteil, noch nicht. Aber ein Fragezeichen, das man im Rückspiegel sieht.

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Die Konsolidierungsrunde: was Xiaomi jetzt tut

Also reagiert Xiaomi – nicht mit einem neuen Feuerwerk, sondern mit Fundament. Der Vertrieb wird ausgebaut, breit und sichtbar: rund 400 Verkaufspunkte in etwa hundert Städten. Das ist nicht glamourös, aber beruhigend. Ein Netz aus Türen, die aufgehen, wenn etwas klemmt. Ersatzteile nicht als Hoffnung, sondern als Zusage. Nach dem ersten Applaus folgt die Werkbank – so muss das sein.

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Die Monatszahlen bleiben ordentlich: mehrere zehntausend Fahrzeuge gehen weiterhin vom Hof. Das zeigt, dass hier nicht bloß ein Hype durch die Straßen gejagt ist. Die eigentliche Aufgabe beginnt jetzt: aus Bekanntheit Bindung machen. Xiaomi muss beweisen, dass die Marke nicht nur mit Daten und Displays glänzt, sondern mit Fertigungsqualität und Langzeitvertrauen. Innovation bringt dich auf die Bühne. Verlässlichkeit hält dich dort.

Modell Marktstart Bestellungen zum Start Aktuelle Wartezeit
Xiaomi SU7 März 2024 Nicht angegeben Je nach Version unterschiedlich
Xiaomi YU7 Juni 2025 240.000 (am ersten Tag) 45–48 Wochen

So tritt Xiaomis Auto-Abenteuer in die Reifeprüfung ein. Weniger Scheinwerfer, mehr Alltag. Auf dieser längeren Strecke entscheiden nicht die Jubelzahlen, sondern das ruhige Nicken der Besitzer nach einem Jahr, nach zwei Wintern, nach vielen Ladungen. Wenn SU7 und YU7 dann noch leise sagen: Ich bin da – dann hat Xiaomi’s Auftritt nicht nur begonnen, sondern Bestand.

antoine Bouquet
antoine Bouquet
Antoine Bouquet ist Redakteur bei MotorNews, wo er seine Leidenschaft für Autos mit seinen soliden journalistischen Fähigkeiten verbindet, die er sich im Laufe seiner akademischen Laufbahn angeeignet hat. Er hat an der Universität Paris-Sorbonne einen Master in Journalismus und Kommunikation absolviert und sich an der Journalistenschule in Lille auf Automobiljournalismus spezialisiert, wodurch er in seinen Texten journalistische Genauigkeit und technisches Fachwissen vereinen kann. Mit seiner mehrjährigen Erfahrung in der Fachpresse ist Antoine für seine Fähigkeit bekannt, die neuesten Innovationen in der Automobilbranche gründlich zu analysieren und diese Informationen gleichzeitig für ein breites Publikum zugänglich und interessant zu machen. Seine Arbeit deckt ein breites Themenspektrum ab, das von Fahrzeugtests über neue Technologien bis hin zu Marktentwicklungen und Umweltfragen der Branche reicht. Für weitere Fragen oder eine Zusammenarbeit können Sie ihn per E-Mail kontaktieren : antoine.bouquet@motornews.fr
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