Ein Jahr Stille im Helm, die Hände ohne Rennhandschuhe – so lange war Sergio Pérez weg, seit seinem Abschied von Red Bull 2024. Jetzt zieht er die Gurte wieder stramm. 2026, im neuen Cadillac-Rennstall, einem Projekt, das noch nach frischem Lack riecht und nach großen Plänen klingt. Carlos Sainz, im Williams zuhause und mit feinem Ohr für Zwischentöne, hat den Rückkehrer im Blick und sagt klipp und klar: Der Mexikaner hat sich diese zweite Chance erarbeitet. Nicht als Geschenk, sondern als Resultat von Widerstandskraft. Gegenüber El Heraldo de México erklärte er sinngemäß: Wer so oft im Sturm gestanden ist und immer wieder Tempo aufgenommen hat, darf noch einmal auf die Strecke – und soll.
Pérez: Begabung mit Biss
Sainz bleibt nicht bei Höflichkeiten stehen. Er erinnert daran, wie Pérez über die Jahre gefahren ist: mit einer Mischung aus feinem Reifen-Gespür und zäher Renntaktik, die nicht aufdringlich wirkt, aber im Ergebnis beißt. Jetzt beginnt für ihn ein zweites Kapitel – anders gestrickt, mit anderen Farben im Cockpit, und, ja, mit viel Motivation. In der modernen Formel 1, sagt Sainz, kommen Comebacks selten vor. Wer zurückkehrt, hat davor viel bewiesen. Namen fallen von selbst: Ricciardo. Hülkenberg. Und eben Pérez. Drei Beispiele, drei unterschiedliche Temperamente – aber der gleiche Faden: Qualität, die auch nach einer Pause nicht verstaubt.
Eine zweite Chance in dieser Liga fühlt sich an wie kalte Slicks in der Aufwärmrunde: Man muss Geduld aufbringen, spürt jede Faser des Asphalts, jede Unsicherheit – und dann, ganz allmählich, trägt das Auto wieder. Der Motor brummt, die Lenkung wird vertraut, die Routine kehrt zurück, ohne sich je Routine zu nennen. Pérez kennt dieses Terrain. Er wird nicht mit der Tür ins Fahrerlager fallen, sondern sich in den Rhythmus reinarbeiten. Sauber, nüchtern, mit dem Pragmatismus eines Fahrers, der weiß: Punkte werden nicht aus dem Pressetext geholt, sondern aus Kurveneingängen.
Auch die Bühne, auf die er zurückkehrt, hat Wucht. Cadillac kommt dazu – zwei zusätzliche Renner im Startfeld, zwei weitere Messlatten in der Zeitenliste. Dahinter keine Hobbytruppe, sondern ein großer Apparat: mehr als 500 Leute, die heuer noch Pläne schreiben und ab 2026 an der Ampel stehen. Sainz meint, das werde die Konkurrenz spürbar straffen. Am Anfang noch jung, klar, mit Kinderkrankheiten hier und dort. Aber unterschätzen sollte man das nicht: Schon zum Auftakt könnten sie einigen Teams den Sonntagnachmittag verhageln – und mit der Zeit allen. Denn in dieser Welt gilt: Wer neu kommt und ernst macht, ist schneller Teil des Problems für die anderen, als es ihnen lieb ist.

