HomeF1Ferrari: Günther Steiner verteidigt Frédéric Vasseur

Ferrari: Günther Steiner verteidigt Frédéric Vasseur

Zwischen Boxengasse und Büroflur: Bei Ferrari ist heuer der Puls höher als die Drehzahl auf der Startlinie. Eine Saison, die mal zupackt, mal stolpert — und über allem dieses Surren der Gerüchte, das nicht abreißt. Charles Leclerc sammelt Podien wie Kiesel im Radhaus, Lewis Hamilton hingegen wartet seit seinem Ankommen Anfang des Jahres noch immer auf den ersten Champagner. Das sorgt für Gesichter wie nach einem verregneten Qualifying. Und dann die Spekulationen rund um Frédéric Vasseur: sie helfen der Stimmung so wenig wie kalte Slicks in der Einführungsrunde. Günther Steiner, nie um ein klares Wort verlegen, hat dazu kräftig eingelegt.

Ein Jahr mit schwerem Gepäck

Ferrari steht als Zweiter in der Weltmeisterschaft gut im Spiegel, aber die Tachonadel der Erfolge zittert: noch kein Sieg, seit 2021 Flaute ganz oben — das ist für Maranello wie ein Montag, der nicht enden will. Leclerc hält die Fahne hoch, sauber, konzentriert, oft mit dem Messer zwischen den Zähnen. Hamilton, neu im roten Overall, fädelt bislang ohne Podest ein; man spürt, wie sehr die Mannschaft den Funken sucht, der das Ganze entzündet.

Gerhard Berger, der die Formel 1 nicht aus Erzählungen kennt, stellt sich vor die Scuderia. Er sagt sinngemäß: Es fehlt nicht viel. Die Fahrerpaarung? Unantastbar. Leclerc ist gereift, hat die Herausforderung Hamilton angenommen wie ein erfahrener Barkeeper einen komplizierten Drink – ohne Theater, mit Handgefühl. Und wer je eine echte Ferrari-Renovierung miterlebt hat, weiß: so etwas geht nicht mit einem schnellen Griff ins Set-up, das braucht Geduld, klare Schritte, und ja, auch Phasen, in denen es weh tut. Niemand freut sich, wenn Rot das Podium verpasst. Keiner. Laut motorsport.nextgen war sein Tenor deutlich: Ruhe bewahren, dranbleiben.

Das könnte Sie auch interessieren:  „Verstappen blockiert Sainz-Wechsel zu Red Bull? Montoyas überraschende Aussage“

Vasseur unter Strom — und 2026 im Rückspiegel

Günther Steiner hält Vasseur den Rücken frei. Er zeichnet die nächste große Kurve schon auf den Asphalt: 2026, neue Regeln, neue Aerodynamik-Logik, neues Motorenlied — der gesamte Zirkus beginnt wieder ein Stück weit von vorn. Vasseur, so seine Einschätzung, hat Zeit bekommen, bis dorthin ein Paket zu schnüren, das zubeißt. Und: Wenn es nächstes Jahr nicht reicht, wenn die Rundenzeiten nicht zünden und das Auto nicht in den Sweet Spot fällt, dann wird etwas passieren. Aber jetzt jemanden auszutauschen? Das wäre, sagt Steiner sinngemäß, so klug wie im Nassen auf kalte Reifen zu pokern. Die kommende Reglement-Ära wird alle fordern, und Ferrari arbeitet längst mit Blick auf genau diese Ziellinie.

Noch ein Punkt von Steiner, der riecht nach Öl und Erfahrung: In der Formel 1 beginnt alles früher, als man glaubt. Konzepte, Wege, Entscheidungen — das ist Monate, Jahre im Voraus in der Mache. Vasseur hat ein Erbe übernommen, nicht ein weißes Blatt. Also erst fahren lassen, dann urteilen. Was Ferrari jetzt brauche, sei Stabilität und leise Töne. Kein hektischer Wechsel auf dem höchsten Posten, während das Auto gerade sensibel am Setup hängt.

Horner im Windkanal der Gerüchte

Bevor John Elkann und Benedetto Vigna Vasseur öffentlich den Rücken stärkten, waberte ein anderer Name durch die Gänge wie Benzingeruch nach einem Boxenstopp: Christian Horner. Der Mann, der bei Red Bull Siege stapelt wie frische Regenreifen, wurde als Kandidat gehandelt. Steiner hält dagegen: Erfolg ist nicht übertragbar wie ein Datensatz. Was in Milton Keynes funktioniert, klebt nicht automatisch in Maranello. Er wisse nicht, wohin Horner am Ende steuere; klar sei nur, dass der Mann Rennluft atmet und den Grand-Prix-Zirkus liebt wie kaum etwas anderes.

Das könnte Sie auch interessieren:  Rosbergs Seitenhieb gegen Hamilton, der Mercedes verlässt

Ferrari, das sagt Steiner, ist ein kompliziertes Unternehmen. Ein Mythos mit langer Leitung, vielen Ebenen, vielen Erwartungen. Heuer liegt die Scuderia auf P2 in der Konstrukteurs-Wertung, die Abstände sind hauchdünn, und ein zweiter Platz wäre für die meisten Teams ein Fest. Für Ferrari? Eher eine solide Espressopause — gut, aber nicht der Grund, die Tassen zu heben. Der Anspruch bleibt größer als die Zwischenbilanz. So ehrlich, so italienisch.

Kurz gesagt

Eine Saison voller Rauf und Runter wirbelt Ferrari durch — genug, um Günther Steiner zu klaren Ansagen zu verleiten. Er stellt sich vor Vasseur, verweist auf 2026 als große Zäsur und mahnt Ruhe an, während Namen wie Horner durch die Boxengasse der Gerüchte rollen. Leclerc liefert, Hamilton wartet noch, und Ferrari balanciert zwischen Geduld und Anspruch wie auf der Kante der Ideallinie.

Lea Bertrand
Lea Bertrand
Léa Bertrand ist Redakteurin bei MotorNews, wo sie sich durch ihr Fachwissen über Autos und ihre redaktionellen Fähigkeiten auszeichnet. Sie absolvierte einen Master in Journalismus an der Universität Wien (Österreich) und ergänzte ihre Ausbildung mit einer Spezialisierung auf Autojournalismus am Salzburger Institut für Journalismus. Ihre akademische Laufbahn in Österreich ermöglichte es ihr, eine internationale Sicht auf die Automobilbranche zu erlangen und einen einzigartigen analytischen Ansatz zu entwickeln. Ihre Arbeit bei MotorNews umfasst Analysen zu technologischen Innovationen in der Automobilbranche, Fahrzeugtests und die Untersuchung von Marktentwicklungen, wobei sie auch eine ökologische und ökonomische Dimension einbezieht. Lea interessiert sich besonders für neue Mobilitätsformen und nachhaltige Lösungen, die die Zukunft der Branche prägen. Für weitere Fragen oder eine Zusammenarbeit können Sie sie per E-Mail kontaktieren : lea.bertrand@motornews.fr
RELATED ARTICLES

LAAT EEN REACTIE ACHTER

Vul alstublieft uw commentaar in!
Vul hier uw naam in

Am beliebtesten