HomeF1Ferrari: Leclerc und Hamilton nehmen Präsidentenrüge übel, laut Ex-Weltmeister

Ferrari: Leclerc und Hamilton nehmen Präsidentenrüge übel, laut Ex-Weltmeister

Es riecht nach warmem Gummi, der Asphalt von Interlagos dampft noch – und die zwei roten Ferraris stehen stumm, wie nach einer Diskussion, die zu laut geworden ist. Doppel-Ausfall in Brasilien. In diesem Zug meldet sich John Elkann, der Mann an der Spitze von Ferrari, zu Wort. Nicht über Set-ups oder Strategie. Über die Fahrer. Über Schwächen. Und kaum ist der Ton gesetzt, meldet sich Jacques Villeneuve, Weltmeister mit feinem Gehör für Misstöne, mit einer klaren Reaktion.

In Maranello kennt man den Druck wie andere den Morgenkaffee. Wenn der Präsident spricht, hallt das durch Werkshallen und über die Boxenmauer, bis hinein in die Helme der Piloten. Villeneuve hat das nicht kalt gelassen. Er hört in Elkanns Kommentaren etwas, das in einem Team Gift sein kann: dünnes Eis, genau dann, wenn man sicheren Tritt bräuchte. Er erinnert daran, dass Ferrari in einer sportlich heiklen Phase steckt – und dass jede scharf gesetzte Silbe in so einem Klima wie ein zu früher Gasstoß am Kurvenausgang ist: plötzlich, riskant, mit Nachwirkungen.

Villeneuve ordnet die Szene ein – und seine Deutung ist nicht schmeichelhaft, aber nachvollziehbar. Elkanns Worte kamen direkt nach dem großen Triumph im WEC. Eine andere Bühne, eine andere Disziplin, ja; trotzdem war der Applaus dort frisch, die Euphorie laut. Wer so einen Sieg im Ohr hat, neigt vielleicht dazu, Vergleiche zu ziehen. Aber Endurance ist Geigenbogen, Formel 1 ist Skalpell. Beides scharf, beides Kunst, nur eben verschieden. Genau deshalb hat Villeneuve das Echo als schroff empfunden, als Reflex, der weniger aus Brasilien kam als aus Le Mans-Nachglanz. Ein bisserl Ferrari-typisch, möchte man hinzufügen – die Geschichte kennt genug Beispiele, in denen Fahrern mit Charakter die Zähne am System stumpf geworden sind. Eigenartige Atmosphäre? Vielleicht. Neu? Nicht wirklich.

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Und Brasilien selbst? Kein Drama aus fehlendem Tempo, sagt Villeneuve, kein Sturz aus purem Fahrfehler. Eher ein Wochenende, an dem die Kurve nicht zu einem wollte. Kommt vor. Die roten Autos bissen nicht, die Strategie fand keinen Rhythmus. Aber gleich von “Schwäche” zu reden, trifft die falschen Nerven. Denn Fahrer sind keine Automaten, die man mit einem Fingerzeig an die Ideallinie stellt. Man holt sich Menschen ins Cockpit – denkende, fühlende, manchmal störrische, oft brillante. Das ist Teil des Pakets, wie die Traktion aus langsamen Ecken.

Villeneuve warnt: Solche Spitzen nimmt man persönlich. Natürlich. Ein Team lebt von Energie, die in beide Richtungen fließt. Heute mehr denn je, weil jede Regung durch die Verstärker von Social Media und Studioanalysen jagt. Eine Sieges-Ekstase hier, ein schlechter Sonntag dort – mischt man beides, knallt es. Nicht, weil jemand böse ist. Weil die Emotionen schneller beschleunigen als jede Power Unit. Und dann steht man da, mit einem Geräusch im Ohr, das nicht vom Motor kommt.

Am Ende bleibt die alte Rennsport-Weisheit: Erst lenken, dann sprechen. Und wenn es schon sprechen sein muss, dann mit Gefühl in der Hand – so wie am Lenkrad.

Kurz gehalten

Nach dem Doppel-Ausfall der Scuderia in Brasilien äußerte sich Ferrari-Präsident John Elkann kritisch in Richtung seiner beiden F1-Piloten – worauf Jacques Villeneuve deutlich warnte: Solche Worte können die internen Beziehungen belasten, zumal sie im Glanz des frischen WEC-Siegs fielen und damit falsche Vergleiche nähren; Brasilien war aus seiner Sicht kein Tempo- oder Fahrerdesaster, sondern ein verunglücktes Wochenende, in dem Emotionen und öffentliche Verstärkung die Reaktion schärfer machten, als gut ist.

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Lea Bertrand
Lea Bertrand
Léa Bertrand ist Redakteurin bei MotorNews, wo sie sich durch ihr Fachwissen über Autos und ihre redaktionellen Fähigkeiten auszeichnet. Sie absolvierte einen Master in Journalismus an der Universität Wien (Österreich) und ergänzte ihre Ausbildung mit einer Spezialisierung auf Autojournalismus am Salzburger Institut für Journalismus. Ihre akademische Laufbahn in Österreich ermöglichte es ihr, eine internationale Sicht auf die Automobilbranche zu erlangen und einen einzigartigen analytischen Ansatz zu entwickeln. Ihre Arbeit bei MotorNews umfasst Analysen zu technologischen Innovationen in der Automobilbranche, Fahrzeugtests und die Untersuchung von Marktentwicklungen, wobei sie auch eine ökologische und ökonomische Dimension einbezieht. Lea interessiert sich besonders für neue Mobilitätsformen und nachhaltige Lösungen, die die Zukunft der Branche prägen. Für weitere Fragen oder eine Zusammenarbeit können Sie sie per E-Mail kontaktieren : lea.bertrand@motornews.fr
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