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Formel 1: Ferrari behält Platz zwei

Die Luft in Mexiko-Stadt ist dünn, der Asphalt trocken wie ein langer Espresso – und genau dort hat Ferrari zugebissen. Mit einem sauberen, fast reizlosen Schwung schnappen sich die Roten nach dem Mexiko‑GP wieder den zweiten Platz in der Konstrukteurs‑WM. Ein Hauch von Vorsprung. Ein Punkt, nicht mehr. Und doch klingt aus der Boxenmauer schon eine Überzeugung: Laut Günther Steiner bleibt diese Nummer zwei heuer kleben wie frischer Gummi auf einer warmen Ideallinie.

Ein Titelkampf auf Klingenbreite

McLaren hat den großen Pokal längst im Kofferraum – Konstrukteursweltmeister, Deckel drauf. Dahinter aber knistert es weiter, eng wie Stoßstange an Stoßstange: Ferrari und Mercedes trennen aktuell gerade einmal ein Pünktchen. Eine Nuance. Ein Nieser in der ersten Kurve, und die Reihenfolge kippt.

Mexiko hat die Schachfiguren neu gestellt. Die Scuderia wirkte aufgeräumt, konzentriert, fast nordisch kühl. Charles Leclerc holte sich den zweiten Platz, Lewis Hamilton konterte mit einem vierten – und in Summe reichte das, um Mercedes im Klassenbuch zu überholen. Plötzlich stehen die Italiener wieder auf P2. Hinter ihnen rückt Red Bull auf zehn Zähler heran, lauernd wie eine Katze unter dem Sofa – man hört sie nicht, man spürt sie.

Steiner, der das Paddock noch immer liest wie andere den Wetterbericht, macht keinen Hehl daraus: Für ihn wird Ferrari die Vizekrone behalten. Seine Begründung ist weniger Romantik, mehr Werkzeugkasten. Er verweist auf das Fahrerduo: die Balance, das Zusammenspiel, das kleine Stück Ruhe in der Hektik. Bei Mercedes sitzt neben einem Routinier ein Neuling – Kimi Antonelli mag Talent im Überfluss haben, aber ein Rookie bleibt halt ein Rookie, vor allem in einem Feld, das keinen Fehler vergisst. Bei Red Bull wiederum, so sein Seitenblick, trägt meist einer die Punktelast – wenn der zweite Wagen nicht zündet, wird die Statistik schmal. Klingt nüchtern. Fühlt sich aber nach Rennrealität an: Punkte kommen selten im Dutzend, eher in knorrigen Päckchen, die man sich erkämpfen muss.

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Weiter hinten tobt das andere Rennen, das zähe, das tägliche: vier Teams innerhalb von zwölf Punkten, seit Haas in Mexiko einen ganzen Korb Zähler eingesackt hat. Dort zählt keine Erzählung, sondern eine saubere Ausführung. Steiner sagt sinngemäß: Es braucht nicht einmal Glück – eine sauber gefahrene, klug orchestrierte Vorstellung wie jene von Ollie in Mexiko reicht, und du springst zwei, drei Positionen nach vorn. Das ist das schöne und grausame an der Mittelfeldwelt: Ein Wochenende macht dich zum Helden, das nächste erinnert dich daran, wer du wirklich bist.

Und Mexiko? Ausnahmezustand. Die Höhe frisst Leistung, lässt Motoren hecheln und Kühler schwitzen. Autos, die sonst stabil stehen wie ein Wirtshaustisch, bekommen oben plötzlich weiche Knie. Deshalb taugt dieses Rennen nur bedingt als Maßstab. Aston Martin etwa stolpert durch manche Grand Prix, nur um dann auf einer Handvoll Strecken aus dem Nichts eine Punkteflut an Land zu ziehen. Niemand weiß so recht, warum – vielleicht mag das Auto einfach bestimmte Tempi, bestimmte Kurvenradien, bestimmte Launen. Inkonstant, aber gefährlich. Die Racing Bulls wiederum wirken solide auf Rang sechs festgezurrt – das Fundament passt, nur die Ernte bleibt aktuell mager. Wie ein Motor, der sauber läuft, aber nicht frei atmet.

Am Ende bleibt dieses Gefühl im Lenkrad: Der Kampf um Platz zwei ist kein brutales Duell, sondern eine Feinarbeit. Ferrari hält die Spur ruhiger, lässt die Reifen arbeiten, atmet die Rennen besser. Mercedes hat die Werkzeuge, klar – doch mit einem Youngster an Bord kostet jeder Lernkilometer ein paar Zehntel Nerven. Das ist kein Vorwurf. Das ist die Rechnung, die die Formel 1 immer stellt. Und solange sie gestellt wird, hat Ferrari die Nase um eine Vibration vorne.

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Kurz gefasst

Nach dem Grand Prix von Mexiko hat Ferrari Mercedes in der Konstrukteurs‑WM wieder überholt und Platz zwei übernommen – hauchdünn, mit einem Punkt Vorsprung. Günther Steiner rechnet damit, dass die Scuderia diesen Rang bis zum Schluss hält, weil das Fahrerduo in Summe konstanter punktet. Dahinter bleibt es wild: Vier Teams liegen innerhalb von zwölf Zählern, Mexiko war mit seiner Höhenlage eine Sonderwelt. Aston Martin schwankt, trifft dann aber Strecken, auf denen plötzlich ein Punkteregen fällt. Die Racing Bulls wirken stabil auf Platz sechs, nur die Ausbeute stockt derzeit. McLaren? Den Titel haben sie schon eingetütet. Der Rest fährt um Nuancen – und genau die machen heuer den Unterschied.

Lea Bertrand
Lea Bertrand
Léa Bertrand ist Redakteurin bei MotorNews, wo sie sich durch ihr Fachwissen über Autos und ihre redaktionellen Fähigkeiten auszeichnet. Sie absolvierte einen Master in Journalismus an der Universität Wien (Österreich) und ergänzte ihre Ausbildung mit einer Spezialisierung auf Autojournalismus am Salzburger Institut für Journalismus. Ihre akademische Laufbahn in Österreich ermöglichte es ihr, eine internationale Sicht auf die Automobilbranche zu erlangen und einen einzigartigen analytischen Ansatz zu entwickeln. Ihre Arbeit bei MotorNews umfasst Analysen zu technologischen Innovationen in der Automobilbranche, Fahrzeugtests und die Untersuchung von Marktentwicklungen, wobei sie auch eine ökologische und ökonomische Dimension einbezieht. Lea interessiert sich besonders für neue Mobilitätsformen und nachhaltige Lösungen, die die Zukunft der Branche prägen. Für weitere Fragen oder eine Zusammenarbeit können Sie sie per E-Mail kontaktieren : lea.bertrand@motornews.fr
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