Der Asphalt ist noch kühl, die Luft klar – und doch liegt da etwas Heißes in der Ferne. Genesis zündet die nächste Stufe: der GV60 Magma, der erste elektrische Hochleistungs-SUV der Marke. Kein Showeffekt, ein Statement. Bis Ende 2025 soll der Vorhang fallen. Versprochen wird kein reines Zahlen-Bingo, sondern dieses seltene Gleichgewicht: harte Performance, weiches Tuch. Ein Auto, das nicht nur schnell denkt, sondern elegant fühlt – geboren aus einem Entwicklungsprogramm, das quer über den Globus gefahren, gefroren, geschwitzt hat.
Die Edeltochter des Hyundai-Konzerns gibt sich dabei nicht schüchtern: Man will „einen neuen Maßstab für globalen Luxus und hohe Fahrleistungen“ setzen. Ehrgeizig? Natürlich. Zumal Tesla mit der Model S Plaid und ihren 1.020 PS den Klassenkasper gibt, der jeden Sprint gewinnen muss. Genesis hält dagegen – weniger mit rohen Muskeln, mehr mit einem abgestimmten Körper: Sportlichkeit, ja; aber mit Fahrkomfort, der selbst auf langen Etappen nicht nach Arbeit riecht.
Weltweites Testprogramm für echte Leistung
Für den GV60 Magma hat Genesis die Welt zur Teststrecke erklärt. USA, Schweden, Neuseeland, Südkorea – und dazwischen jede Menge reale Straßen, echte Witterung, ungeschönte Topografie. Ziel der Ingenieurinnen und Ingenieure: hohe Stabilität bei Vmax, aber ein Abrollen, das wie ein guter Mantel sitzt – leise, gedämpft, vertrauenswürdig – in allen Lebenslagen.
In Schweden, wo die Kälte den Atem schärft, arbeiteten die Teams an Anfahrgrip und Fahrwerkskontrolle bei arktischer Laune. Auf dem kalifornischen Testgelände stand Hitze auf dem Stundenplan: thermische Belastung, Überhitzungsschutz, die Effizienz des Kühlkreislaufs – wenn der Asphalt flimmert, muss ein E-SUV gelassen bleiben. Neuseeland spielte das Hochgebirgskapitel: steile Passagen, unruhiger Belag, wechselnde Haftung – und das alles auf rund 1.500 Metern Seehöhe. Bremsen, Stabilität, Lenkgefühl: Der Magma soll dort ruhig bleiben, wo andere nervös mit den Schultern zucken.

Rund 700 PS im Gespräch
Offiziell hält sich Genesis noch bedeckt, inoffiziell summt die Gerüchteküche: deutlich über 600 PS, vielleicht ein Spitzenwert nahe 700 PS. Allrad, versteht sich – und die Art von Schub, die den Körper erst nach hinten drückt und dann die Schultern wieder entspannt. Ein SUV, der im Revier der Supersportler wildert, aber nicht mit Stollen, sondern im Maßanzug.
Zur Einordnung: Der aktuelle GV60 Performance liefert 429 PS und 700 Newtonmeter. Der Standardsprint auf 100 km/h gelingt in 3,8 Sekunden. Die Magma-Version will diese Markierungen nach unten schieben – mit Technologien, die wir aus IONIQ 5 N und IONIQ 6 N kennen, hier aber auf Genesis-Art fein abgestimmt:
- N Torque Distribution – variable Kraftverteilung, die sich anfühlt, als ob das Auto die Linie vorausahnt.
- Grin Boost – ein kurzer Extra-Punch auf Knopfdruck, wie ein doppelter Espresso für den Antritt.
- Launch Control – für perfekte Starts ohne Drama, nur mit Biss.
- e-Shift samt Soundprofilen – keine Zahnräder, klar, aber ein Taktgefühl, das den Puls mitnimmt.
Preis setzt auf Premium und stellt sich Tesla entgegen
Offizielle Zahlen zum Preis? Noch Fehlanzeige. Branchenstimmen rechnen in den USA mit einem Einstieg um etwa 75.000 US-Dollar – rund 10.000 Dollar über der bisherigen Performance-Version. Damit positioniert sich der GV60 Magma bewusst zwischen den Lagern: teurer als die Sportableger, günstiger als die brachialsten Aushängeschilder.
Der Vergleich mit der Tesla Model S Plaid drängt sich auf – auch wenn die Konzepte unterschiedlich leben. Die Kalifornierin: 1.020 PS, 0–100 km/h in 2,1 Sekunden, ab 89.990 US-Dollar. Der Genesis: weniger auf reine Beschleunigungs-Provokation getrimmt, mehr auf das feine Spiel aus Alltagstauglichkeit, Ruhe, Reserven. Ein SUV, der nicht jede Ampel als Duell versteht – aber könnte, wenn er wollte.
| Modell | Leistung | 0–100 km/h | Basispreis (USA) |
|---|---|---|---|
| Genesis GV60 Performance | 429 PS | 3,8 s | 69.900 $ |
| Genesis GV60 Magma (prognostiziert) | ~700 PS | ~3,0 s | ~75.000 $ |
| Tesla Model S Plaid | 1.020 PS | 2,1 s | 89.990 $ |
Weltweiter Rollout in Etappen
Die Markteinführung spannt sich über mehrere Monate. Zuerst kommt die Heimat: Südkorea soll den Magma noch vor Jahresende 2025 bekommen. Danach folgen die USA, Europa und weitere Schlüsselmärkte – etappenweise, 2026. Keine Hauruck-Aktion, sondern das bedachte Tempo einer Marke, die lieber zweimal prüft und dann glänzt.
Dass die letzten Abstimmungen laufen, verraten auch die Sichtungen am Nürburgring: Prototyp, wenig Tarnung, viel Selbstvertrauen. Dort wo Kurven gnadenlos ehrlich sind und Bremsen ihre Wahrheit sagen, wirkt der Magma bereits so, als ob er die Bühne kennt – und die Ansage.
Genesis will zeigen, dass elektrischer Luxus mehr ist als ein Stoppuhr-Spiel. Der GV60 Magma wirkt wie eine Einladung: zur schnellen Linie, ja – aber ohne die Hände nach der Fahrt zittern zu lassen. Ein Auto mit Manieren und Mumm. Und wenn er so fährt, wie er angekündigt wird, dann sagt er am Ende nicht „Schau, was ich kann“, sondern ganz leise: „Fahr einfach.“ Das ist oft die größere Kunst.
