Isack Hadjar und Liam Lawson, die zwei Racing-Bulls-Teamkollegen, standen am Sonntag in Interlagos kurz davor, sich in der allerletzten Runde des Brasilien-GP gegenseitig zu ruinieren. Fast. Ein Atemzug, ein Lenkwinkel – und die Geschichte wäre anders ausgegangen.
Der Grand Prix von Brasilien war heuer kein stilles Kaminfeuer, sondern ein Flächenbrand. Interlagos vibrierte, der Asphalt war warm wie frisch aufgeschäumte Milch, und Lando Norris holte sich den Sieg vor Kimi Antonelli und Max Verstappen. Verstappen? Vom letzten Startplatz. Und dann diese Rückkehr, die eher nach Trotz als nach Glück roch: Platz 3 im Ziel, als hätte ihn jemand mit einem Gummiband nach vorne geschnalzt. Bei Ferrari wurde es bitter – doppelte Ernüchterung, doppelte Nullnummer, Lewis Hamilton und Charles Leclerc blieben beide auf der Strecke. Und bei Racing Bulls? Da hätte das Ende genauso bitter schmecken können, denn Isack Hadjar und Liam Lawson waren im Schlussakt nur Millimeter davon entfernt, aus Teamgeist Kleinholz zu machen.
Hadjar und Lawson geraten am Schluss haarscharf aneinander
Letzte Runde, São Paulo, das Stadion bebt. Zwei Autos in denselben Farben, derselbe Chef auf der Mauer, aber zwei völlig unterschiedliche Pulsfrequenzen im Cockpit. Lawson auf Kurs Richtung siebter Platz, Hadjar direkt im Nacken – der Luftspalt zwischen Frontflügel und Auspuff kaum dicker als eine Visitenkarte. Es war ein sauberer Fight, sportlich, aber mit Ecken. So wie es sein muss. Und so, wie es sehr schnell schiefgehen kann.
Hadjar setzte’s außen an in Kurve 1, mutig und mit viel Gefühl am Bremspedal. Außenlinie – der große Bogen, der den Mut prüft. Nur hat er die Zügel einen Tick zu früh angezogen und Lawson enger gemacht, als es dem Bullen rechts neben ihm lieb war. Ein Zucken, ein leichter Kuss der Räder, genug, um den Puls nach oben zu treiben und die Ingenieure an der Boxenmauer unisono “Nicht jetzt!” flüstern zu lassen. Der Franzose fing das Auto ab wie ein Barkeeper ein kippendes Glas – schnell, instinktiv, ohne Drama. Lawson holte sich die Position sofort wieder, klar in der Körpersprache, ohne Pfeffer, aber mit Autorität. Ende vom Lied: Lawson Siebter, Hadjar Achter – zwei Autos im Ziel, zwei Punktehaufen im Kofferraum, und ein Team, das erst nach der Zielflagge wieder normal atmete.
Nachher war bei Hadjar kein Trotz mehr, sondern Ehrlichkeit. Ich hab’s ein bissl übertrieben. Wirklich. Aber das Duell? Hat Spaß gemacht. Er war auf einer Ein-Stopp-Strategie, und in der allerletzten Runde klebte ich ihm praktisch im Auspuff. Näher geht’s kaum. Ich hab’s probiert, hab’s übers Knie gebrochen – mein Fehler. So klang’s, als die Helme offen waren und die Köpfe wieder kühler wurden. Unterm Strich: Racing Bulls ist zurück in den Punkten, nach drei Grands Prix ohne Top Ten. Platz 7 und Platz 8 in Interlagos – kein Feuerwerk, aber ein ehrliches, tiefes Durchatmen.
Bis zur Ziellinie war’s im Pulk messerscharf! 🥵
Die letzten Runden – direkt aus den Onboards von Isack Hadjar und Pierre Gasly ⬇️ #BrazilGP #F1 pic.twitter.com/jfXXhOgNVH
— CANAL+ F1® (@CanalplusF1) 9. November 2025
Kurz zusammengefasst
Ein Brasilien-GP mit offenem Visier: Lando Norris vorneweg, dahinter Kimi Antonelli und ein Max Verstappen, der sich vom letzten Startplatz bis auf Rang 3 nach vorne gearbeitet hat – keine Magie, nur ein sehr schneller Sonntag in Interlagos.

