Zwanzig Jahre nach ihrem Abschied von der Straße räuspert sich die erste Honda NSX wieder – nicht als Nostalgie-Poster, sondern als echtes Auto aus Fleisch, Blut und Carbon. JAS Motorsport und Pininfarina holen die Ikone aus der Garage der Erinnerungen, putzen sie auf, und lassen sie wieder atmen wie damals: mit einem ehrlichen, frei saugenden V6. Kein Lader, kein Filter auf dem Gefühl. Nur Mechanik, die spricht.
Die Eckdaten kennt die Szene auswendig, doch sie verdienen ein zweites Leben: gebaut von 1990 bis 2005, mit Klinge-statt-Keule-Linie, Scheinwerfern zum Aufklappen, einem Heckflügel, der keinen Hehl aus seiner Mission macht, und einem V6, der nicht zerrt, sondern singt. 2016 kam die zweite Generation, technikgescheit, allradverschaltet, hybridisiert – und bald wieder weg. 2022 war Schluss. Jetzt, zwei Jahrzehnte nach dem Finale der Ur-NSX, nicken JAS Motorsport und Pininfarina einander zu. Ein Handschlag über die Zeit hinweg. Ein „Lass uns das noch einmal richtig machen“.
Es passt, weil die Geschichte der beiden längst miteinander verwoben ist. JAS, 1995 in Italien gegründet, ist nicht irgendein Rennstall, sondern seit 1998 der verlässliche Partner, der Honda-Modelle dorthin bringt, wo Rundenzeiten zählen: Accord, Civic, NSX – quer durch europäische Meisterschaften. Werkbank statt Werbefoto, Stoppuhr statt Storytelling. Wer für andere Rennfahrzeuge baut, weiß, wo es zieht, wo es nachlässt, wo es noch einen Millimeter braucht. Und Pininfarina? Die Turiner zeichneten schon 1984 die Blaupause mit dem HP‑X – Honda Pininfarina Experimental –, gezeigt in Turin, gehört in die Legendenstube. Elemente davon flossen damals in die Serien-NSX ein. Man erkennt die Handschrift: sauber, flach, mit dieser ruhigen Autorität, die nicht schreien muss.
Ein „neues“ Modell auf Basis eines der frühen Originale
Die Wiedergeburt passiert nicht am Reißbrett, sondern auf einer bestehenden NSX der frühen Neunziger. Eine Spenderin, die den Ton vorgibt; der Restomod setzt den Takt. Die Aluminiumhaut – einst hochmodern – weicht Carbon, fein laminierte Muskeln über einer vertrauten Knochenstruktur. Der Unterbau bleibt NSX: Chassis, Achsgeometrie, die Grundmechanik. Man spürt, dass das Auto nicht neu erfunden, sondern verfeinert wurde. Wie ein gutes Messer, frisch geschärft, nicht ersetzt.
Linkslenker? Rechtslenker? JAS lässt beides zu – eine Kleinigkeit in der Bestellung, ein großer Unterschied für Puristen. Und weil die Italiener seit Jahrzehnten Rennteile in der Hand haben, wandern ausgewählte Komponenten aus dem Motorsport ins Auto. Nicht, um die Garage anzugeben, sondern um auf der Straße zu funktionieren. Kürzere Wege, härtere Lager, präzisere Rückmeldungen. Man kann das im Stand nicht sehen. Aber man wird es beim ersten Einlenken fühlen.

Im Heck wartet das Herz, das wir hören wollten: ein atmosphärischer V6, „inspiriert von der originalen NSX“. Das heißt nicht museal. Das heißt charakterfest. Er dreht frei, er atmet sauber, er bittet nicht um Erlaubnis. Dazu: ein manuelles Getriebe mit sechs Gängen – der Sprung von den frühen fünf Gängen der Ur-NSX zu einem Raster, das dichter beieinanderliegt, wie die Perlen an einer Kette. Jeder Gang ein Versprechen. Klick. Klick. Und weiter.
Zur Einordnung: Die erste NSX brachte je nach Ausführung bis zu 294 PS, ohne Turbolader, ohne elektrisches Schulterklopfen. Zahlen sind nicht alles, aber sie zeichnen die Kontur des Gefühls. Was der neue Restomod exakt leistet? Das bleibt vorerst unter dem Deckel. Technische Daten? Offizieller Name? Noch geheim. Das Auto macht es wie gute Musik: Man lässt es erst live auf die Bühne, dann spricht man darüber. Premiere: im ersten Halbjahr 2026.
Der Plan danach ist so exklusiv, wie man‘s erwarten darf: eine extrem kleine Serie, handgebaut in Arluno, vor den Toren Mailands, in der Werkstatt von JAS Motorsport. Dort, wo Rennteile nicht in Vitrinen liegen, sondern ölige Fingernägel verursachen. Produktion im Flüsterton. Auslieferungen an Menschen, die wissen, wie sich ein Kupplungspedal anfühlen muss, wenn es ehrlich gemeint ist.
Was bedeutet das auf der Straße? Ein Auto, das nicht beschwichtigt, sondern beteiligt. Die Lenkung wird beim ersten Lastwechsel straffer, der Vorderwagen sucht die Ideallinie wie ein Hund seine Spur, das Heck meldet sich nicht mit Drama, sondern mit einem leisen „Ich bin da“. Der V6 räuspert sich unter 3000, wird oberhalb von 5000 wach, und irgendwo gegen Ende der Skala klingt er nach Versprechen, die man halten will. Kein Overboost, keine Filterung – nur ein sauberer Puls, der durch die Karosserie wandert und am Rücken des Fahrers ankommt. Und ja: Das ist altmodisch. In der besten Bedeutung des Wortes.
Man kann diesen Restomod als Hommage lesen. Man kann ihn als Korrektur lesen. Vielleicht ist er beides. Die zweite NSX war technisch brillant, aber emotional distanziert, wie ein perfekter Espresso aus der Maschine am Flughafen – heiß, stark, aber ohne Seele. Diese Neuinterpretation will wieder Barista sein: Hand am Hebel, Blick auf den Gast, Schaum mit Absicht. Sie versucht, den Charakter der Ur-NSX in die Gegenwart zu holen, ohne ihn im Prozess zu polieren, bis nichts mehr übrig bleibt.
Fotos: Motornews

