Der Morgen hängt noch schwer über der Stadt, der Asphalt ist kalt, und da steht sie — die Idee einer kompakten Hyundai, die keinen Tropfen Benzin mehr braucht. Die Ioniq-Familie will raus aus ihrem Elfenbeinturm: leistbar werden, greifbar, alltagstauglich. Mit der Ioniq 3, dem rein elektrischen Gegenstück zum i30. Was wissen wir schon jetzt über die Koreanerin, die uns im nächsten Jahr die Kompaktklasse neu buchstabieren könnte? Genug, um die Finger am Lenkrad zu fühlen, auch wenn das Auto vorerst noch aus Vorserienluft und Datenblättern besteht.
Im September auf der IAA Mobility in München hat Hyundai das Tuch gelüftet: Concept Three. Der Name sagt alles, die Absicht noch mehr. Dieses Showcar skizziert die nächste Stufe der Stromer-Familie — klar, kantig, mit diesem eigentümlichen Mix aus Retro-Linien und Zukunftsblick, der der Marke so gut steht. Bisher drehte sich alles um die Fünf, die Ioniq 5: eine stattliche Erscheinung, so lang wie ein Citroën C5 Aircross, so präsent wie ein Espresso doppio. Einstieg? 44.800 €. Nicht astronomisch, aber auch nicht Jedermanns Sache. Die Ioniq 3 soll genau da ansetzen, wo das Portemonnaie zu zögern beginnt — und die Vernunft gern “Ja” sagt.
Die Serienversion wird die meisten Design-Codes des Concept Three mitnehmen — versprochen hat es Hyundai, und der Blick aufs Showcar verrät: die Silhouette hat etwas Coupéhaftes, aber ohne das praktische Hirn auszuschalten. Eine Kante hier, ein klarer Lichtbalken dort, und dazwischen viel Ehrlichkeit. Das Ding will nicht schocken, es will überzeugen. Leise. Hartnäckig.
Steht dem Kona Electric das Aus bevor?
Hyundai hat bereits zwei Stromer, die die Brieftasche nicht erschrecken: den Stadtfloh Inster (ab 25.000 €) und den städtischen SUV Kona Electric (ab 36.850 €). Beide ehrlich, beide brauchbar — aber keiner trägt das Ioniq-Wappen. Das wird spannend, denn die Ioniq 3 dürfte mit rund 4,30 Meter genau dorthin zielen, wo heute der Kona Electric parkt. Fünf Zentimeter trennen die beiden auf dem Maßband. Fünf. Am Parkplatz kaum der Rede wert, im Produktplan jedoch ein Messer, das fein trennt.
Man muss kein Stratege sein, um das Knistern zu hören: Eine Ioniq 3, preislich tief angesetzt, könnte dem Kona Electric die Luft abdrehen. Was bliebe? In einer Multi-Energie-Welt vermutlich die 48-Volt-Mildhybride und die Vollhybride — beides tragfähige Brücken in den Alltag, nur eben ohne Stecker. Der reinelektrische Kona hingegen könnte sich leise verbeugen. Es klingt hart. Es ist konsequent.
Technisch dicht an der Kia EV4 — und mitten in der Kompaktliga
Wer sind die Gegner? Man sieht sie schon im Rückspiegel: Renault Mégane E-Tech, MG4, Volkswagen ID.3, Nissan Leaf — und die hauseigene Verwandte, die Kia EV4. Die Ioniq 3 kommt nicht als Einzelkämpferin, sie tritt in eine Gewichtsklasse, wo jedes Kilo zählt, jeder Kilometer Reichweite, jede Minute am Schnelllader.
Das technische Rückgrat dürfte die E‑GMP-Plattform liefern. Interessant: Erstmals setzt Hyundai im Ioniq-Kosmos auf ein 400-Volt-System, statt der 800 Volt der größeren Geschwister. Auf dem Papier ein Downgrade, in der Praxis vermutlich ein kluger Kompromiss: Kosten runter, Ladeleistung alltagstauglich hoch. Zwei Akkugrößen sind vorgesehen — 58,3 kWh und 81,4 kWh. Übersetzt in Lebenszeit: von 10 auf 80 Prozent in etwa 30 Minuten. Ein Cappuccino, ein kurzer Blick aufs Handy, weiter geht’s. Die Reichweite? Zwischen 450 und 640 km nach WLTP, je nach Version. Ein Zahlenband, das am Lenkrad wie Gelassenheit wirkt: Man plant weniger, man fährt mehr.
Und wie fährt sie? Wenn man den Daten zuhört, klingt das nach einem Charakter, der nicht prahlt, sondern liefert. 400-Volt-Architektur bedeutet meist ein etwas wärmerer, direkterer Ladepuls, weniger Hightech-Gestus, mehr pragmatische Zuverlässigkeit. Der Antrieb? Ruhig, stoisch, ohne große Dramen — genau das, was eine kompakte Alltagsheldin ausmacht. Am Kurveneingang lässt man die Lenkung kurz atmen, die Vorderachse packt zu, das Chassis bleibt ehrlich. Kein Schaueffekt, sondern Handwerk.
Kommt eine Ioniq 3 N? Die leise Unruhe in der Nachbarschaft
Hyundai hat den Sport im Blut — man braucht nur an die N-Modelle denken und spürt, wie die Stirn entspannter wird. Die Ioniq 3 soll zunächst mit 204 PS starten, ganz auf Linie mit der Kia EV4. Das ist mehr als „genug“: Es ist dieses angenehm füllige Drehmoment, das im Stadtverkehr entspannt und am Land schnelle, saubere Überholmanöver zulässt. Der Motor surrt, der Wagen nickt kaum — man spürt eher den Griff des Drehmoments als einen Tritt in den Rücken. Souverän, nicht wichtigtuerisch.
Aber da ist dieses Gerücht, das schon jetzt ganz leicht am Gaspedal kitzelt: eine N-Variante. Sportlicher, frecher, kräftiger — man spricht hinter vorgehaltener Hand von ungefähr der doppelten Leistung. Wird sie kommen? Hyundai lächelt und sagt: vielleicht. Und genau dieses Vielleicht ist wie ein kleiner Funke im Winter — genug, um die Finger kribbeln zu lassen.
Beim Preis peilt Hyundai den Bereich um 36.850 € an. Das ist ziemlich exakt dort, wo der Kona Electric heute beginnt. Danach kommt der Umweltbonus ins Spiel — und weil die Ioniq 3 in der Türkei gebaut werden soll, stehen die Chancen gut, dass sie förderfähig bleibt. Klingt trocken, ist aber im Alltag entscheidend: Förderungen sind die unsichtbare Hand, die eine gute Entscheidung zur klugen Entscheidung macht.
Künftige Hyundai Ioniq 3 (2026): eine neue Art Kompakte mit Coupé-Attitüde
Man könnte sagen: noch eine Elektro-Kompakte. Man könnte — und man würde der Sache nicht gerecht. Die Ioniq 3 verspricht eine seltene Mischung aus Bodenhaftung und Haltung. Sie will die Technik nicht auf dem Sockel präsentieren, sondern auf der Straße: klare Lenkung, saubere Rekuperation, ein Antrieb, der mehr fließt als brüllt, und ein Design, das nicht täglich um Applaus bittet. Sie steht im Wind wie jemand, der weiß, wer er ist.
Wenn Hyundai hält, was der Concept Three andeutet, dann kommt 2026 eine Kompakte, die nicht mit Schlagworten, sondern mit Charakter überzeugt. Kein Marketing-Feuerwerk. Eher ein gut gezapftes Seidel: ruhig, verlässlich, mit einem kleinen, freundlichen Biss am Schluss. Und genau so fährt man dann heim. Mit einem Lächeln, das bleibt.
