Die Tarnfolie flimmert im Herbstlicht, der Prototyp duckt sich wie ein Läufer im Startblock. Kia macht ernst mit Strom und Sport – und kündigt die Kia EV4 GT an. Die „normale“ EV4 steht gerade erst in heimischen Schauräumen, doch dahinter lauert schon die kräftigere Schwester. Termin: 2026. Familie: eindeutig GT – dort, wo bereits EV6 GT und EV9 GT zeigen, dass die Koreaner Geschwindigkeit nicht nur als Zahl auf dem Prospekt verstehen.
Die ersten Teaserbilder verraten wenig und doch genug. Breitere Backen unter der Tarnung, ein Diffusor, der nach Arbeit aussieht, Felgen, die nicht nur optisch die Drehzahl heben. Man hört förmlich, wie die Ingenieure grinsen. Also, was steckt wirklich dahinter? Schauen wir’s uns an – ohne Marketing-Parfum, mit der Nase am Asphalt.
Leistungswerte, die der Konkurrenz höflich, aber bestimmt auf die Pelle rücken
Die aktuelle EV4 fährt mit einem einzelnen E-Motor an der Vorderachse vor – 204 PS, sauber, effizient, brav. Für die GT-Version ist diese Zurückhaltung passé. Logisch wäre ein zweiter Motor hinten, also Allradantrieb, also Traktion, die aus der Kurve zieht wie ein guter Espresso durch den Morgen. Zusammen? Rund 400 PS. Nicht grölen, sondern drücken. Gleichmäßig. Versprochenes Drehmoment in einem Stück – ohne Turboloch, ohne Drama. Einfach da.
Dass Kia die Latte kennt, zeigt der EV6 GT: 585 PS, 0–100 km/h in 3,5 Sekunden. Die EV4 GT wird dieses Spektakel nicht kopieren – sie ist eine kompakte Limousine, kein Muskelprotz. Aber sie wird beißen. Unter fünf Sekunden auf Landstraßentempo? Realistisch. Wichtig ist, wie sie es macht: Vorderrad zieht, Hinterrad schiebt, und dazwischen ein Fahrwerk, das nicht schimpft, sondern sortiert. Man spürt das Lenkrad leicht anspannen, die Karosserie kurz niederknien – und dann geht’s. Gerade. Ehrlich.
Auch spannend: Eine neue KI will endlich die echte Reichweite von E-Autos vorhersagen – nicht die aus dem Werbeprospekt, sondern die vom Montagmorgen mit Regenjacke und Gegenwind.
Reichweite und Laden: das feine Gleichgewicht zwischen Lust und Alltag
Sportliche Stromer stehen immer auf derselben Kippe: Leistung frisst Reichweite, Reichweite bremst Leistung. Die EV4 GT dürfte mit der großen 81,4-kWh-Batterie antreten – die, die im Haus schon verfügbar ist. Zwei Motoren haben Hunger, ja. Trotzdem sollte der WLTP-Wert locker über 500 Kilometer klettern. Im echten Leben heißt das: Der Wochenrhythmus bleibt entspannt. Pendeln, ein Ausflug, noch ein Termin – und erst dann an die Säule.
Die E-GMP-Plattform von Kia kann Schnellladen in Gleichstrom, und zwar so, dass die Autobahnpause nach Kaffee und Kipferl vorbei ist, bevor die Laune kippt. Das macht gerade bei einem GT Sinn: Wer Tempo kann, will nicht ewig warten. Einstecken, durchatmen, weiterfahren. Und das Navigationssystem plant die Stopps so, dass man eher an die Strudeltheke denkt als an Restprozent.
Auftritt GT: Design, das nicht brüllt, sondern zielt – und Hardware, die hält
Die Spionfotos verraten die richtigen Zutaten. Der Heckdiffusor wirkt nicht nach Show, sondern nach Strömung – weniger Auftrieb, mehr Ruhe bei Tempo. Die speziellen Felgen tragen Michelin-Gummi, ernsthafte Ware, und dahinter leuchten Bremssättel im grellen Neongelb: Kia-GT-Signatur, nicht zu übersehen, nicht zu verwechseln.
Die Basis dürfte am GT-Line-Paket anknüpfen, aber mit klaren GT-Nuancen. Übersetzt in handfeste Änderungen:
– Neu gezeichnete Schürzen vorne und hinten – Luft wird geführt, nicht gebeten.
– Zusätzliche Aero-Elemente: kleine Spoiler, sauber integrierte Luftauslässe.
– Größere Bremsscheiben und standfeste Beläge – für wiederholtes „jetzt aber“.
– Straffere Federn und Dämpfer, ohne die Zähne klappern zu lassen – Präzision vor Posen.
Auch spannend: Elektroautos mit Zwang durchdrücken? Guter Weg, sie unpopulär zu machen. Wer liebt, überzeugt – wer drückt, verliert.
Zwischen Cupra, MG und VW: ein Revier, in dem keiner bummelt
Im Feld der kompakten Strom-Sportler wird nicht spaziert, dort wird gedrückt. Die Cupra Born VZ hält mit 326 PS dagegen, die MG4 X-Power wuchtet 435 PS auf die Straße, und die frisch präsentierte Volkswagen ID.3 GTX stellt sich mit ebenfalls 326 PS breitbeinig in die Startbox. Kia zielt ziemlich genau dazwischen – mit dem typischen GT-Charakter: weniger Spektakel, mehr Traktion, mehr Klarheit am Lenkrad.
Ein Blick auf die Daten der direkten Gegner – trocken notiert, lebendig erfahren:
– MG4 X-Power: 435 PS, 0–100 km/h in 3,8 s, WLTP 385 km.
– Cupra Born VZ: 326 PS, 0–100 km/h in 5,6 s, WLTP 368 km.
– VW ID.3 GTX: 326 PS, 0–100 km/h in 5,7 s, WLTP 601 km.
Ja, da stehen auch noch die Verbrenner-Helden am Rand: Audi S3 und RS3, Mercedes-AMG A 35 und A 45. Schnell, laut, vertraut – und beim Tanken unschlagbar unkompliziert. Noch. Aber die Schere schließt sich, leise, stetig. Und wer einmal aus dem Ortsgebiet heraus elektrisch durchzieht, spürt, wie sehr die Ruhe zur Geschwindigkeit passt.
Plan, Preis, Perspektive: was Kia vorhat – und was das für uns bedeutet
Kia sprintet beim Strom: Bis 2027 sollen elf reine Elektro-Modelle das Schaufenster füllen. Die EV4 GT ist darin das Augenzwinkern an alle, die Leistung wollen, aber nicht mehr nach Benzin riechen möchten. Eine Einladung an eine jüngere, ungeduldige, fahraktive Kundschaft – und an alle, die bisher sagten: „E-Auto? Mir zu fad.“ Genau die sollen hier das Gegenteil erleben.
Der Preis? Über der Basis, die aktuell bei rund 37.000 Euro startet. Realistisch: in der Nähe von 50.000 Euro. Also obere Segmenthälfte, aber nicht abgehoben. Dafür bekommt man Antrieb an beiden Achsen, kräftige Bremsen, gescheite Reifen – und dieses unmittelbare, süchtig machende Strom-Gefühl an der Ampel.
Auch spannend: Verbrenner-Aus in Europa – und Deutschland tritt auf die Bremse. Der Wandel kommt trotzdem. Vielleicht etwas holpriger, bestimmt nicht langsamer.
2026 ist ein gutes Timing: Der Markt richtet sich neu aus, die Regeln ändern sich, und Gewohnheiten gleich mit. Kia setzt darauf, dass man Skepsis nicht mit Parolen überzeugt, sondern mit Gefühl im Lenkrad. Die EV4 GT will zeigen, dass „elektrisch“ nicht Vernunft gegen Spaß ausspielt – sondern beides zusammenlegt wie zwei starke Hände am selben Lenkrad.
Am Ende bleibt eine simple Szene: Ausfahrt, kühle Luft, glatter Asphalt. Ein Druck aufs Fahrpedal, die Karosserie spannt an, die Vorderachse führt, die Hinterachse nickt zustimmend. Keine Show. Keine Ausreden. Nur Vortrieb. Und dieses kleine, zufriedene Lächeln, das sagt: Sie ist nicht laut. Sie ist klar. Und das reicht vollkommen.
