Die Wolken hängen tief über der Autobahn, der Asphalt ist noch feucht vom letzten Schauer. Der Grecale Folgore gleitet – ruhig, souverän – und man spürt dieses feine Loslassen im Antrieb, als würde jemand heimlich die Handbremse in der Mechanik lösen. Kein Update mit mehr Zellen, kein dickerer Akku. Stattdessen Hirn. Und ein Trick, der dem Italiener heuer für das Modelljahr 2026 rund 80 Kilometer zusätzliche Reichweite schenkt, ohne eine Schraube an Motoren oder Batteriepakt zu ändern. Maserati spielt hier nicht „mehr“, Maserati spielt „besser“. Und das fühlt man.
Die Entscheidung ist mutig und reif: weg von der Kilowattstunden-Aufschaukelung, hin zu einer feinabgestimmten Choreografie aus Software, Sensorik und Mechanik. Jeder Elektron zählt – und der Grecale hört ihnen zu, wie ein guter Barkeeper seinen Stammgästen: aufmerksam, vorausahnend, ohne großes Theater.
AWD-Disconnect: der schlanke Allrad, der den Vorderwagen freilässt
Der Kunstgriff trägt einen nüchternen Namen: AWD‑Disconnect. Dahinter steckt etwas sehr Sinnliches für den Fahrer. Wenn die Vorderpfoten nicht gebraucht werden, klappt der Maserati die Allradkarte zu und fährt schlicht heckgetrieben. Aber nicht nur „Strom aus“ am vorderen E‑Motor – nein, die Vorderachse wird mechanisch abgekoppelt. Zahnräder, Wellen, Lager: was sonst mitläuft und Energie frisst, läuft jetzt einfach nicht mit. Reibung, adieu.
Das Umschalten passiert schneller, als ein Blinzeln dauert: 500 Millisekunden. Keine Zäsur, kein Zucken im Lenkrad. Es ist, als ob der Antrieb eine Idee früher bei Ihnen ankommt, geschmeidiger, freier. Und weil die Verbindung nach vorne wirklich physisch getrennt ist, spart der Folgore dort, wo es am meisten bringt: bei zügigem Rollen auf der Autobahn, wenn Traktion zweitrangig ist, Effizienz aber König.
Konventionelle Systeme schalten vorn nur elektr(on)isch ab und lassen die Mechanik schleppen – so, als würde man den Mixer ausknipsen, aber die Messer noch durch die Sauce ziehen. Maserati trennt Messer von Sauce. Das macht den Unterschied im Alltag, Kilometer für Kilometer.
Ein schlauer Co‑Pilot: Sensorik und Algorithmus, die vorausschauen
Wer entscheidet, wann Allrad Sinn ergibt und wann der Heckantrieb fahren darf? Ein dichtes Netz aus Sensoren und eine Software, die nicht prahlt, sondern liefert. Sie liest, rechnet, antizipiert – und wählt den Modus, bevor der Fahrer überhaupt den Wunsch im Fuß formuliert hat.
Die Faktoren, die ständig hineinsingen:
– Wie viel Drehmoment Sie gerade verlangen – Millimeter im Pedal, in Gefühl übersetzt.
– Tempo und Verkehrsfluss – fließend, zäh, Stop‑and‑Go.
– Steigungen, Kuppen, wechselnder Grip – vom kalten Morgenbelag bis zum nassen Kopfsteinpflaster.
– Außentemperatur – wie gut der Akku heute „atmet“.
– Fahrprogramm – entspannt, neutral, oder jener Modus, der am Lenkrad die Schultern strafft.
Diese Mehrfachanalyse lernt. Der Grecale merkt sich Wege, Pendelrhythmen, Lieblingsabzweige. Mit der Zeit fühlt sich die Steuerung an wie ein Beifahrer, der die Strecke kennt: ruhig, frühzeitig, nie belehrend. Wenn der Moment nach Allrad ruft – rutschiger Start, steile Rampe, schneller Kurvenscheitel, fieses Wetter – ist die Vorderachse wieder an Bord, lautlos, sofort. Sicherheit, ohne den Fluss zu stören.
Leistung bleibt, Hunger sinkt: keine Show, nur Substanz
Die gute Nachricht für Freunde der klaren Kante: an der Dynamik kratzt das alles nicht. Der Grecale Folgore bleibt bei 550 PS. Von 0 auf 100 km/h in 4,1 Sekunden – trocken, direkt, ohne Drama. Obenrum regelt er bei 220 km/h ab. Das ist kein Angeberei‑SUV, das ist ein Gerät, das weiß, wofür es gebaut wurde: zügig reisen, sauber haushalten, still lächeln.
Das Ergebnis auf dem Papier – und wichtiger: auf der Straße – ist deutlich. WLTP‑Reichweite jetzt bis zu 580 Kilometer. Damit fährt der Italiener im Premium‑Stromerfeld vorne mit, auf Augenhöhe mit BMW iX und Mercedes EQS SUV. Nur, dass er sein Plus nicht im Labor findet, sondern im Getriebe der Realität: weniger Verluste, mehr Strecke.
| Merkmal | Modelljahr 2025 | Modelljahr 2026 |
|---|---|---|
| WLTP‑Reichweite | 500 km | 580 km |
| Leistung | 550 PS | 550 PS |
| 0–100 km/h | 4,1 s | 4,1 s |
| Antriebssystem | permanenter Allrad | AWD‑Disconnect (Vorderachse mechanisch entkoppelt) |
Mehr als eine Modellpflege: ein Wink an die ganze E‑Branche
Dass Maserati diesen Weg geht, ist kein Laune‑Italiens, sondern ein Zeichen der Zeit. Die Batteriechemie stößt an Grenzen – physisch, preislich, ökologisch. Also rücken die Stellschrauben in den Vordergrund, die oft unterschätzt werden: glattere Aerodynamik, weniger Gewicht, klügere Rekuperation beim Verzögern – und jetzt: ein Allradsystem, das nur dann mitarbeitet, wenn es wirklich gebraucht wird.
Der Charme des AWD‑Disconnect? Er lässt sich auf bestehende Architekturen legen, ohne die Plattform neu zu zeichnen. Ein mechanischer Kunstgriff, eine schlaue Steuerung, fertig. Entwicklungskosten: überschaubar. Nutzen: sofort spürbar. Für Premium‑Marken mit Allrad‑Anspruch ist das eine Einladung, die Reichweitenfrage nicht nur mit Zellen zu beantworten, sondern mit Hirn und Feinsinn.
Und ja, dahinter steckt eine Haltung. Käuferinnen und Käufer im oberen Segment wollen nicht die letzte Zehntelsekunde am Stammtisch – sie wollen die entspannte Gelassenheit am langen Reisetag. Reichweite, die sich auf der rechten Spur genauso heimisch fühlt wie auf der linken. Der Grecale Folgore 2026 liefert genau das: Er bleibt ein Maserati – sportlich im Wesen, direkt im Feedback – und wird gleichzeitig erwachsener in seiner Energiekultur.
Am Ende dieses Regens, irgendwo zwischen Kilometerstein und Kaffeeduft im Innenraum, bleibt ein Eindruck: Der Folgore prahlt nicht mit einer größeren Batterie. Er prahlt mit weniger Widerstand. Und das ist, Hand aufs Lenkrad, die schönste Form von Fortschritt.
