Was für ein Anblick! Wahrscheinlich eine der begehrenswertesten, und sie weiß es. Ein wenig Technik möchte ich zwar streifen, doch nicht zu viel. Auch wenn das für manche enttäuschend sein mag.
Es gibt automobile Meisterwerke, die versuchen, das Rad neu zu erfinden, und solche, die sich einfach durch ein ansprechenderes Design hervorheben. Der neue Maserati MCPura gehört eindeutig zur zweiten Gruppe. Faktisch handelt es sich um ein stilvolles Facelift des MC20. In der Welt der Supersportwagen ist jedoch manchmal ein kleiner Federstrich genug, um den Wunsch zu wecken. Maserati ist sich dem bewusst und präsentiert diese Variante mit einer Selbstsicherheit, die fast unverschämt wirkt, als würde ein schickeres Outfit eine Revolution auslösen. Man könnte es als Täuschung betrachten, jedoch sehen wir es eher als Bestätigung: Schönheit bleibt bei Maserati eine mächtige Waffe der Verführung.
Der MCPura strahlt aus verschiedenen Blickwinkeln eine offensichtliche Faszination aus: Vielleicht ist er der schönste Supersportwagen seiner Art, eine rollende Skulptur. Die Veränderungen sind subtil, aber wirkungsvoll. Die Front bekommt durch eine „Shark Nose“-Form und neu gestaltete Embleme vorne und hinten mehr Charakter. Weitere technische Entwicklungen sind nicht zu erwarten; viel mehr zählt das Gesamtbild, die Haltung und dieser Eindruck, dass er tief durchatmet, um mit neuem Selbstbewusstsein aufzutreten. Wird das ausreichen, um dem noch frischen MC20 neues Leben einzuhauchen? Vielleicht. Denn Stil gehört seit jeher zum Maserati-Versprechen, fast so sicher wie das ikonische Dreizack-Logo. Doch ein Maserati lässt sich nicht nur auf dem eleganten Parkplatz eines Palastes beurteilen; er muss sich auch auf der Straße bewähren, und hier wird es differenziert.

Nettuno
Unter der Haube bleibt alles beim Alten. Der 3.0-Liter V6 Biturbo „Nettuno“ hat seinen Platz verteidigt, was wohl eine gute Entscheidung ist. Mit seinen beeindruckenden 630 PS katapultiert er den MCPura förmlich wie eine Rakete, verbindet Brutalität mit einer gewissen Eleganz. Der Motor bringt eine immense Kraft auf, und das Ansprechverhalten fesselt den Fahrer: Jede Beschleunigung fühlt sich an wie ein unerhörter Sturm. Doch trotz seiner Leistung und der mechanischen Aggression fehlt etwas Entscheidendes. Der Klang.
Dieser leistungsstarke V6 hat, so anspruchsvoll er ist, nicht die klangliche Poesie, die man von einem Maserati erwartet. Der Sound wirkt eher technisch und metallisch, während die melodischen Nuancen beinahe verschwunden sind. Man hört deutlich das Pfeifen der Wastegates, fast so, als wolle die Mechanik uns daran erinnern, dass alles funktioniert, dass dieser Wagen eine Turbine ist. Doch die klangliche Sinnlichkeit, die früher jede Maserati-Fahrt zum Kunstwerk machte, bleibt auf der Strecke. Der Klang ist nicht unangenehm, sogar faszinierend, doch der Funke der Emotion, der jede Fahrt in eine italienische Arie verwandelte, fehlt. Das Grollen bleibt eindrucksvoll, jedoch emotionlos. Auch das Abnehmen des Daches der Cielo-Variante ändert daran nicht viel; stark, kraftvoll, furchteinflößend, aber ohne Seele.

Der GT-Supersportwagen
Das Fahrgefühl erzählt eine ganz andere Geschichte. Der MCPura spielt niemals den Ungehorsamen. Er präsentiert sich geduldig, ausgewogen, nahezu brav. In der Kategorie der über 600 PS starken Supersportwagen lässt er sich mit erstaunlicher Leichtigkeit beherrschen. Die Lenkung ist präzis, doch schmerzlich ohne das nötige Feedback. Schade. Das Chassis kommuniziert klarer, und die Balance vermittelt Vertrauen. Doch auch hier ist Kritik angebracht. Wer nach der Rasanz eines Ferraris sucht oder der Agilität einer Ballerina, die mit jeder Lenkbewegung tanzend reagiert, wird enttäuscht sein. Und auch auf der Suche nach dem scharfen Skalpell eines McLaren wird man auf der Strecke bleiben.
Maserati verfolgt einen anderen Ansatz: den des luxuriösen Langstreckenreisenden, eines GT, der sich geschickt als Supersportler tarnt, ohne dabei seine italienische Fahrzeuggene zu verleugnen. Kilometer für Kilometer schluckt er entspannt, und obwohl die Ingenieure beim MCPura nicht darauf ausgelegt haben, alles noch straffer zu machen, bleibt die Fahrt überraschend weich und hat – selbst im Sportmodus – auf groben Straßen nicht die nötige Autorität.

Supersportwagen für jeden Tag, oder fast
Doch genau darin könnte der größte Reiz liegen. In einer Welt der Supersportwagen, wo jede Marke mit Radikalität, Brutalität und Rennstreckenfokus konkurriert, wagt Maserati, etwas Einzigartiges anzubieten: einen Wagen, der ebenso komfortabel wie aufregend ist. Der MCPura ist ohne Zweifel der bequemste und geräumigste in seinem Segment. Man sitzt darin wie in einem Luxus-GT, hat eine gute Sicht und kann in einer weniger engen Fahrposition Platz nehmen als in seinen Konkurrenten. Es ist ein Supersportwagen für den Alltag, oder zumindest fast, ein Begleiter, der den Herausforderungen des Stadtverkehrs trotzt, bevor er auf einer verlassenen Straße zum Leben erwacht.
Diese seltene Vielseitigkeit verleiht ihm das gewisse Etwas. Es ist ein Auto, das mehr durch seine Ausstrahlung als durch Leistungsdaten besticht, das durch seine Leichtigkeit bezaubert und durch seine Kraft beeindruckt, aber niemals überfordert. Sicher, man könnte sein metallisches Geräusch und das etwas zu gesichtete Verhalten im Vergleich zu überdrehten Italienern oder britischen Präzisionsmaschinen kritisieren. Dennoch müssen wir zugeben, dass diese eigenwillige Persönlichkeit seine größte Stärke ist. Ist das in einer Welt voller Maschinen, die einem das Letzte abverlangen, nicht das größte Kompliment?

Unser Urteil
Er ist nicht der beliebteste. Und an einem Track Day könnte man ihn vergeblich suchen. Maserati hat klare Entscheidungen hinsichtlich dieses Supersportwagens getroffen. Möglicherweise hat es seinen Preis. Doch wir können ihm nicht vorwerfen, ihm nacheifern zu wollen. Schließlich hat er einen V6 in prachtvoller Verkleidung – das allein sollte bereits Eindruck schinden. Ein sehr subjektives Gesamterlebnis.
Das gefällt uns +:
- Wunderschöne Linienführung
- Leistungsentfaltung und Charakter des V6 3.0
- Komfort und Raumangebot
Das gefällt uns -:
- Metallischer Klang
- Effizienz für einen Supersportwagen
- Einfach gehaltenes Interieur

Technische Daten des Maserati MCPura Cielo
KAUFEN
Getestete Variante: 263.550 €
Durchschnittlicher Verbrauch des Herstellers/während der Testfahrt (l/100 km): 11,7/16
CO2 (g/km)/Strafe: 265 €/70.000
Steuerleistung: nc
Herkunftsfertigung: Italien
Verfügbare Modelle:
MCPura Coupé, 228.350 €
FAHREN
Motor: zentral-mittige Positionierung, längs, Twin-Turbo-V6, 24 Ventile, Direkteinspritzung mit 3000-cm3-Verbrennungsvorkammer
Getriebe: Hinterradantrieb, 8-Gang-Automatik
Maximale Leistung bei U/min (PS): 630 bis 7500
Maximales Drehmoment bei U/min (Nm): 730 bis 3000
Leergewicht (kg): 1560
Maße (L x B x H): 4,67 x 1,97 x 1,21
Radstand (m): 2,70
Tankinhalt (l): 60
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 320
Von 0 auf 100 km/h: 2“9
Standardbereifung: 245/35 R20; 305/30 R20
Testbereifung: Bridgestone Potenza Sport
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Kofferraum (l): 100 + 50 l