Invitiert von Jos Verstappen, seinen Unmut über die angebliche Behandlung bei McLaren lautstark rauszulassen, hat Oscar Piastri keine Zeit verloren – und gleich den Helm aufgelassen. Der Asphalt noch warm, die Boxengasse riecht nach Bremsstaub und Espresso, und mitten in diesem Summen stellt sich der Australier hin und sagt: Ruhig bleiben. Nicht nachtreten. Fahren.
Am Donnerstag, am Rand des Großen Preises von Brasilien, hat Jos Verstappen wieder einmal den Vergaser aufgedreht. Mehrere Themen, ein roter Faden: das Duell Piastri gegen Norris. Piastri, heuer lange vorn im Klassement, ist in den letzten Wochen ins Rutschen gekommen – so wie ein Satz Mediums, der plötzlich zu warm wird –, und in Mexiko hat Lando Norris die Führung übernommen. Für den Vater von Max ist das schwer goutierbar. Er fordert den McLaren-Piloten auf, sich härter zu behaupten, die Ellbogen zu zeigen, wenn’s eng wird.
Die Antwort von Oscar Piastri kam ohne Verzögerung, aber mit klarer Kante. Kein Favorisieren zugunsten von Lando, sagt er – das Gerücht sei eines, die Realität etwas anderes. „Wir zwei reden offen. Was fair war, was nicht, welche Entscheidungen gepasst haben – das legen wir auf den Tisch. Und wenn’s einmal hakt, verteidigen wir unsere Sicht. Damit fühl ich mich wohl,“ erklärt er, die Stimme ruhig wie ein gut abgestimmtes Chassis bei 280 km/h. McLaren, so Piastri, ermuntere beide Fahrer ausdrücklich, ihre Standpunkte einzubringen – ohne Hinterzimmer, ohne Zwinkern.
Einigkeit ist gut – aber Reibung gehört zum Tempo
„Wenn zwei Autos derselben Mannschaft auf denselben Titel zustürmen, nur dass ihn am Ende eben nur einer holt, dann knistert’s. Das ist normal. Und ja, das ist schwer zu managen,“ meint Piastri, fast so, als würde er übers Reifenfenster sprechen. „Trotzdem: Ich schätze die Art, wie das Team uns die Chance gibt, wirklich um die Fahrerkrone zu fahren. Ich will das Ding aus eigener Kraft holen – mit dem, was in meinem rechten Fuß und im Kopf steckt. Wählt man im Team eine klare Nummer eins, steht die Münze in der Luft: fünfzig Prozent, dass sie auf der falschen Seite landet. Deshalb werden wir eh schon stark angehalten, unsere Interessen zu vertreten. Aus meiner Sicht muss da nichts geändert werden.“
Kurz gesagt
Jos Verstappen drängt, Oscar Piastri winkt ab – freundlich, aber bestimmt. Keine Beschwerde-Eskapaden, kein Theater: Er sieht bei McLaren kein Bevorzugen von Lando Norris und vertraut auf offene Worte im Team. Beide jagen denselben Titel, das Reiben ist unvermeidlich, bleibt aber sauber. Eine Konkurrenz, die knistert – und trotzdem sauber durch die Kurve kommt.

