In Brackley sitzt die Erinnerung wie ein Stein im Schuh. 2021 tut bei Mercedes noch immer weh. Susie Wolff sagt’s ohne Pathos, aber mit diesem leisen Zittern, das man kennt, wenn ein Motor kalt anspringt: Damals ist etwas verrutscht. In jener Nacht, in der Lewis Hamilton um den achten Stern fuhr – und ihn verlor.
Am 12. Dezember 2021, Yas Marina, Flutlicht über heißem Asphalt: Die Luft vibrierte, als ob das Rennen selbst atmen würde. Max Verstappen und Lewis Hamilton, zwei Linien, die sich Runde für Runde kreuzten, mal zart, mal mit Ellbogen. Dann die Entscheidungen der Rennleitung – Michael Masi am Funk, Sekunden, die nach Ewigkeiten schmeckten. Ein Safety Car, das wie ein gelbes Komma im Satz des Jahres stand, und Regeln, die plötzlich biegsam wirkten. Ein kurzer Moment, der das große Bild verschob: Hamiltons achter Titel rückte außer Reichweite, Verstappen holte seinen ersten – jung, wild, verdient, mit einem Triumph, der in die Nacht hinein klang. Später nahm die FIA Masi aus dem Amt; kein böses Spiel, sagten sie, aber Fehler, die Gewicht haben. So ist Motorsport: schnell, schön, manchmal gnadenlos.
„Ich hab nichts gegen Verstappen“
Vier Jahre danach: Der Film läuft weiter. Leiser vielleicht, aber er läuft. Bei Mercedes hat sich das Gefühl eingegraben wie Reifenspuren im warmen Bitumen. Susie Wolff, an der Seite von Toto, spricht ohne Bitterkeit, doch der Unterton ist eindeutig – präzise wie eine gut eingestellte Lenkung. Nicht Max ist das Problem, betont sie, mit einem kleinen Schulterzucken, das man durch den Satz hindurch hört. „Abu Dhabi hat mich tief enttäuscht. Nicht, weil Max gewonnen hat – den Titel hat er sich erarbeitet, keine Frage. Es war die Art, wie alles zusammengefallen ist. An diesem Tag hat Lewis so viel davongetragen… und am Ende doch nichts.” Man spürt: Es geht um Fairness, ums Gleichmaß, um das Vertrauen, dass die Ziellinie für alle am selben Ort steht. Diese Sachen, die man nicht sieht, aber die man fühlt, wenn man schnell fährt.
Kurz gefasst
Die Wunde von 2021 ist bei Mercedes noch nicht zu. Susie Wolff denkt oft an jene Nacht, in der Hamiltons achter Titel entglitt, und sagt klar: Ihr Groll gilt nicht Max Verstappen. Was sie stört, ist die Kette der Entscheidungen, die den Titelkampf in Abu Dhabi endgültig kippte. Technik, Tempo, Tragweite – und ein Echo, das einfach nicht verstummt.

