Die Neonreklamen flimmern, der Asphalt ist noch kühl, und doch brüllt das Tempo schon zwischen den Leitplanken: Mercedes fährt im zweiten Freien Training in Las Vegas satt in die Top 10 — und nimmt die Ruhe mit ins restliche Wochenende. Kimi Antonelli, noch neu im Zirkus, staubt unter Flutlicht eine schnelle zweite Zeit ab. George Russell parkt auf Rang sieben. Keine Jubelposen, kein Drama. Nur dieses nüchterne, zuversichtliche Nicken: passt schon, wir sind dabei.
Vertrauen, das leise brummt
Es war ein Tag mit zwei Gesichtern. Zuerst die rutschige Ernüchterung — wie frischer Belag, der sich weigert, zu halten. Dann, in FT2, öffnet sich die Strecke, der Grip kommt wie ein Espresso, der endlich wirkt. Antonelli stellt das Auto hin, tastet sich hinein, und plötzlich trägt ihn die Linie. Er staunt selbst über den Sprung zwischen den Sessions: Von vorsichtig zu zupackend, vom Zweifel zur klaren Hand am Volant. Die Aufgabe für morgen? Mit dem wachsenden Grip mitwachsen, Setup feinjustieren, der Piste zuhören. Und in der Quali das Timing treffen. Am liebsten als Letzter raus, wenn der Asphalt am besten klebt — eh klar. Nur: Rote Flaggen machen diesen Plan gern zum Kartenhaus. Also Kompromiss suchen, Kälte im Kopf, Wärme in den Reifen.
Russell blickt derweil durch die Las-Vegas-Show und bleibt britisch-nüchtern, mit einem Schuss Wiener Hausverstand. Das Paket ist besser als im Vorjahr, keine Frage — Mercedes hat heuer viel geschraubt, geschliffen, gelernt. Aber Fortschritt heißt nicht automatisch, dass man hier sofort wieder die Speerspitze ist. Das Feld klebt beinander, die Abstände sind dünn wie Zigarettenpapier. Lando war da, Verstappen sowieso, Leclerc im Rückspiegel und manchmal davor. Und ja: Antonelli mischt auf, als hätte er die Strecke seit Jahren im Navi. Genau deswegen bleibt die Laune fokussiert, nicht überdreht. Wir sind im Spiel, sagt Russell zwischen den Zeilen, doch das Spiel ist eng. Morgen zählt das feine Händchen — und ein bisschen Glück, wenn die Ampeln wieder einmal zu früh rot sehen.
So klingt ein Freitag, der mehr verspricht, als er verrät. Ein Auto, das nicht prahlt, aber zubeißt, wenn man’s richtig anfasst. Ein Rookie, der sich traut. Ein Team, das die Stirn nicht runzelt, sondern die Schultern lockert. Las Vegas mag glitzern — die Arbeit passiert im Schatten der Lichter. Und genau dort fühlt sich Mercedes heute erstaunlich wohl.
Kurz gefasst
Starkes zweites Freies Training: Mercedes mit zwei Autos in den Top 10, Antonelli auf P2, Russell auf P7. Das Vertrauen sitzt — mit Blick auf die Quali, auf den wachsenden Grip und ein Feld, das morgen auf Messers Schneide zusammenrücken wird.

