Erst war’s nur ein Schatten in einem Prüfbericht, ein kleiner Ausrutscher bei EuroNCAP. Jetzt steht er im Rampenlicht: der MGS6 EV. Keine Geheimniskrämerei mehr, nur noch nackte Technik, frische Formen – und ein Starttermin, der greifbar wird. Anfang 2026 rollt er an. Bis dahin sprechen wir nicht über Prospekte. Wir sprechen über Haltung, über Reichweite, über den Charakter hinter den Zahlen.
Der chinesisch-britische Hersteller hebt den Vorhang ohne großes Pathos. Und doch hat der MGS6 EV diesen Blick – vertraut, aber selbstbewusst. Wer den MGS5 EV kennt, erkennt sofort die Familie. Nur eben größer, kräftiger in der Präsenz: 4,71 Meter Länge, sauber proportioniert, auf der modularen MSP-Architektur, die er sich mit dem MG4 Electric teilt. Die Linien fließen, nichts schreit, alles atmet. Hinten ein durchgehendes Leuchtenband, vorne zweigeteilte Scheinwerfer wie Augenlider kurz vor dem Blinzeln. Die Räder? Bis zu 20 Zoll, die Radläufe füllen sie ohne Krawall. Und dann diese Farben: sieben Lacktöne, darunter neu ein Stratford Gold mit Champagner-Schimmer. Klingt nach Feierlaune, wirkt in echt angenehm leise.

Innen setzt der Familien-Stromer auf die bekannte Architektur des kleineren Bruders. Zentral ein 12,8-Zoll-Touchscreen, der nicht nur schaut, sondern auch reagiert – zügig, ohne Zicken, mit kabellosem Apple CarPlay und Android Auto, wie es 2026 sein muss. In Frankreich gesellt sich ein Soundsystem mit 11 Lautsprechern dazu, das die Stille des Elektroantriebs mit feiner Kante füllt. Vor dem Fahrer ein 10,25-Zoll-Instrument, drei Layouts, drei Stimmungen – nüchtern, lebhaft, nachtauglich. Die Materialien? Weich dort, wo Hände landen. Wertig, ohne zu posieren. Zwei Welten zur Auswahl: graues Leder mit Alcantara und Einsätzen in Carbonoptik – sportlich, aber nicht laut. Oder beigees Leder, kombiniert mit Alcantara und Dekoren in hellem Holzlook – hell, freundlich, ein Wohnzimmer auf Rädern. Reihe zwei empfängt ohne Murren: Platz für Knie, Luft für Köpfe. Und wenn der Alltag ruft: 493 Liter im Heck stehen parat, dazu 102 Liter vorn im sogenannten Frunk – ein idealer Ort für Kabel und Kleinkram, der sonst im Weg ist.
Zwei Antriebsvarianten, bis zu 361 PS!
Frankreich bekommt mit dem MGS6 EV sein siebentes rein elektrisches MG-Modell – und die Auswahl ist so simpel, dass man sie sich beim Kaffee merkt. Variante eins: Heckantrieb, 244 PS. Leichtfüßig, effizient, der klassische Zug von hinten. Variante zwei: Dual Motor, also Allrad mit zwei E-Maschinen, zusammen 361 PS. Der Tritt ins Pedal? Spürbar. 540 Nm hängen an, von 0 auf 100 km/h in 5,1 Sekunden – kurz und bündig. Die Basis für beide ist ident: eine 77-kWh-Batterie mit NMC-Chemie. An der Schnellladesäule saugt der MGS6 EV mit bis zu 144 kW Gleichstrom; von 10 auf 80 Prozent vergehen laut Werk 38 Minuten. Ein Espresso mehr, kein Mittagessen. Bei der Reichweite trennt sich die Fahrdynamik von der Vernunft: Die heckgetriebene Version verspricht bis zu 530 Kilometer, der Allradler 485 Kilometer – ein Tribut an den Punch der zwei Motoren. Und wenn’s nicht um Zeiten geht: Der Einsteiger sprintet in 7,3 Sekunden auf 100 und legt 350 Nm an die Welle. Genug, um zügig einzufädeln, ohne Dramatik.

Was kostet der Spaß? MG hält sich offiziell noch bedeckt. Doch der Blick zur Preisliste des MGS5 EV hilft beim Raten: Der startet derzeit ab 35.990 € (ohne Aktionen). Will der MGS6 EV im Feld vorne mitfahren, muss er wohl unter 40.000 € einparken. Klingt nach fair. Vorausgesetzt, die Ausstattung bleibt so großzügig, wie sie hier aussieht – und die Ladeperformance hält, was die Zahlen versprechen.
Fotos: Motornews
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