Sie steht da wie ein Farbtupfer im Nieselregen von Tokio. Die neue Mini-Edition, signiert Paul Smith, blinzelt mit grünem Dach, als würde sie Ihnen zuzwinkern: Komm, fahren wir. Heuer trifft die britische Modeikone den kleinen Engländer wieder – und ja, es knistert. Nicht laut, sondern elegant. Wie guter Stoff, der beim Anfassen raschelt.
Mini nutzt das Japan Mobility Show als Bühne, Paul Smith bringt seine Handschrift – im Wortsinn. Wer seine Streifen kennt, kennt seinen Humor: bunt, aber nie schrill; präzise, aber nie pedantisch. Diese Zusammenarbeit hat Geschichte. 1998 begann sie mit einem Blau, das man noch heute im Rückspiegel erkennt. 1999 folgte ein Einzelstück, 86 Streifen, 26 Farben, eine rollende Geburtstagstorte zum 40er der britischen Ikone. Dann, über Jahre, Kleidungsstücke im Mini-Geist der 50er – Textil statt Zylinder. 2021 wurde es radikal: Mini Strip. Rohblech statt Lack, sichtbare Schrauben, Armaturenträger und Türtafeln aus recyceltem Kork, Aero-Felgen – ein Auto wie ein ehrliches Gespräch. Kein Zierrat. Nur Substanz.
Jetzt also die nächste Runde. Keine limitierte Kleinserie fürs Archiv, sondern eine echte Edition für die Straße. Bald im regulären Programm: Cooper 3-Türer, 5-Türer und Cabrio. Elektrisch wie thermisch. Die Strom-Variante “J01”, gefertigt auf chinesischer Basis in Kooperation mit Great Wall, trifft auf die Verbrenner “F66” aus Oxford – technisch eine sorgfältig weiterentwickelte Evolution der Generation seit 2014. Zwei Charaktere, eine Attitüde: britisch mit Augenzwinkern.

Cooper mit neuer Garderobe: drei frische Außenfarben, kombiniert mit einem neu aufgelegten grünen Dach – oder schwarz mit feinen Streifen.
Bunt, aber mit Haltung
Die Edition spielt nicht das ganze Farbkastl, sondern drei Töne – zwei davon neu. “Statement Grey” zitiert die Austin Seven von 1959, aber zeitgemäß: ein helles Grau mit einem Hauch Blau, wie der erste Morgendunst über nasser Landstraße. “Inspired White” verneigt sich vor dem ursprünglichen Beige der frühen Minis – warmer Ton, weich, fast wie ein Cappuccino mit zu viel Milchschaum. Beide werden mit Details in “Nottingham-Grün” kombiniert – Paul Smiths Heimatstadt grinst zwischen Dach, Spiegelkappen, Kühlergrill-Einfassung und Nabenkappen hervor. Darf’s weniger grün sein? Optional gibt’s ein schwarzes Dach. Beim Cabrio bleibt die Stoffmütze konsequent schwarz, nicht grün – guter Stil ist auch Zurückhaltung.
Auf der Fahrerseite des grünen Dachs sitzt – sehr britisch, sehr diskret – ein kleines Badge mit den berühmten mehrfarbigen Paul-Smith-Streifen. Beim schwarzen Dach übernehmen matte und glänzende Bänder die Rolle, subtil wie ein gut gebundener Schlips. Das ganze Auto tritt auf 18-Zoll-Zweifarb-Felgen an, die Markenlogos zeigen sich erstmals in Blau-Schwarz – kleiner Schritt auf dem Papier, großer Effekt fürs Auge. Und hinten: die Querleiste zwischen den Leuchten trägt einen handschriftlichen “Paul Smith”-Schriftzug. Kein Geschrei. Ein Signet.

Das neue Grün krönt die Silhouette – dazu ein kleines, farbiges Grußwort in Streifen auf der Fahrerseite. Wer Schwarz wählt, bekommt feine Bänder in matt und glänzend.
Die Farben wirken nicht wie Lackflächen, sondern wie Laune. Das Statement Grey lässt die Karosserie breiter wirken, das Inspired White macht sie leichtfüßig, fast frech. Und dieses Nottingham-Grün? Es erdet. Gibt Tiefe. Im Spiegel blitzt es kurz auf – und dann will man doch noch eine Ausfahrt dranhängen.
Innen: feine Unterschiede, deutlich spürbar
Drinnen erzählt die Edition die gleiche Geschichte – nur leiser. Die Armaturentafel trägt einen schwarzen, fein gestreiften Stoff: griffig, sachlich, britisch. Die Sitze: mitternachtsblaues Vescin, also hochwertiges, tierfreies Material, das sich anfühlt wie eine frisch gewachste Ledertasche – kühl, dann warm. Oben am Lehnenkopf ziehen sich vertikale blaue Streifen entlang, ein Augenzwinkern in Richtung Schneideratelier. Auf dem Lenkrad eine zierliche Zierleiste in Paul-Smith-Multicolor – gerade genug, um die Fingerkuppen neugierig zu machen. Die Nähte? Ein leuchtendes Blau, klar wie die Erinnerung an die Paul-Smith-Mini von 1998. Bodenmatten mit Stickerei, Türschweller im Aluminium-Look mit der handschriftlichen Mahnung: “Every day is a new beginning!” – klingt abgedroschen, fühlt sich aber, nach der ersten Kurve, erstaunlich richtig an.
Auch die digitale Welt trägt das Kostüm: eigene Hintergründe, eigene Menü-Grafiken. Selbst der Empfang ist persönlich – ein “Hello” in Handschrift leuchtet unterm Außenspiegel auf den Asphalt, wenn man ans Auto tritt. Kleine Geste, große Wirkung. Man lächelt zurück. Passiert einfach.

Mitternachtsblau und Streifen mit Understatement: eigene Bezüge, eigenständige Details, eigenwilliger Charme – inklusive gravierter Einstiegsleisten.
Enthüllt wurde die Edition in Tokio, zwischen 30. Oktober und 9. November – Neonlicht, polierter Boden, viel ehrliches Staunen. Bestellbar ist der Elektro-Cooper schon jetzt: als Cooper E mit 184 PS ab 37.350 € (für Frankreich angegeben) oder als Cooper SE mit 218 PS ab 41.150 €. Die Benziner – 3-Türer, 5-Türer und Cabrio – folgen etwas später. Zwei Welten, eine Haltung: Stil ohne Lärm.
Fotos: Hersteller
Am Ende bleibt das Gefühl, das zählt. Der Motor – ob summend oder schnurrend – wacht auf, die Lenkung spannt an, das Auto richtet sich auf. Und die Farben? Sie erzählen, wer hier am Steuer sitzt. Nicht lauter. Nur sicherer. Genau richtig für einen Mini, der nicht grölt: Er grüßt. Und fährt.
