Der Peugeot E-408: Ein Elektro Gesamtkunstwerk auf der Straße
Der Peugeot E-408 feierte seine Premiere im Oktober 2024 auf dem Pariser Autosalon und trat fast ein Jahr später relativ leise seine Fahrt auf. Doch überzeugt dieser neue, 100 % elektrische Antrieb, der sich mit dem DS N°4 die Technik teilt, auch in der Sochaux-Limousine?
Der 2022 mit konventionellen und Plug-in-Hybrid-Varianten eingeführte Peugeot 408 erhielt im Oktober 2024 anlässlich des Pariser Autosalons erste Verstärkung durch eine voll elektrische Ausführung. Doch bis die ersten Modelle im Sommer 2025 von den Produktionsbändern in Mulhouse kamen, war eine geduldige Wartezeit notwendig. Ein recht wichtiger Zeitpunkt, denn der Erfolg dieses Crossover-Modells hielt sich 2025 in Europa mit nur 12.695 ausgelieferten Fahrzeugen in den ersten acht Monaten in Grenzen. Könnte die Einführung der vollelektrischen Variante der Karriere des 408 einen merklichen Schub geben? Um diese Frage zu klären, sprangen wir hinter das Steuer des neuen E-408 in der luxuriösen GT-Ausstattung.
Der Peugeot E-408 ist eng verwandt mit dem Peugeot 308 (4,37 m in der Limousine), misst jetzt 4,69 m und soll mehr Platz für die Familie bieten. Er steht stilistisch zwischen einer klassischen Limousine und einem SUV und zeigt sich mit einem leicht abenteuerlichen Touch. Seine ausgefallene Formgebung mit scharfen Linien und stilvollen Details sorgt jedoch für geteilte Meinungen, wie wir während unserer Testfahrten in der Region Paris feststellen konnten. Vor allem die Farbvariante „Obsession Blue“ mit schimmernden grünen Glitzerpartikeln erregte viel Aufmerksamkeit.

Diese 100 % elektrische Variante kommt zwar etwas verspätet in die 408-Baureihe, doch sie unterscheidet sich rein äußerlich kaum von ihren Geschwistern: Ein dezent platziertes „E-408“-Emblem findet sich nur an der linken Seite der Heckklappe, während die Standardfelgen von 17 bis 19 Zoll variieren. Ansonsten präsentiert sich der E-408 so, wie wir ihn seit 2022 kennen. Der Innenraum, geteilt mit dem 308, fasziniert mit einer gelungenen Anordnung der Bedienelemente, dem i-Cockpit (kleines Lenkrad und vertikale digitale Anzeigen) und anpassbaren digitalen Verbindungen über die i-Toggles direkt unter dem zentralen 10-Zoll-Display.
Ergonomie und Raumangebot im Fokus
Die ergonomische Gestaltung des Innenraums fällt positiv auf, ergänzt durch eine Reihe physischer Tasten, darunter eine praktische Kombination zum Deaktivieren der Fahrhilfen mit nur einem langen Druck auf das Auto-Symbol. Auf der anderen Seite muss das Multimediasystem kritisiert werden, da es im Vergleich zur Konkurrenz oft viel zu langsam und veraltet wirkt. Die Animationen zwischen den verschiedenen Menüs (Klimaanlage, Navigation, Audio) wirken ruckelig, und der Bildschirm friert gelegentlich ein oder das CarPlay-System zeigt Störungen. Der Routenplaner ist, im Gegensatz zu den angenehmeren Google Maps beim Rivalen Renault, weniger benutzerfreundlich. Auch das Menü zum Laden der Batterie enttäuscht etwas – keine Diagramme oder Statistiken zu vorherigen Ladevorgängen. Und zu allem Überfluss zeigen die Messgeräte während des Ladevorgangs die Ladeleistung in km/h an, statt in kW, was wenig aussagekräftig ist. An bestimmten Ladesäulen haben wir über 336 km/h gesehen, was wenig Aussagekraft hat…
Der Innenraum punktet zudem mit zahlreichen Ablagemöglichkeiten, sei es auf der Mittelkonsole mit einem induktiven Ladegerät für Smartphones, versteckten Getränkehaltern unter einer Schiebetür oder einem Ablagefach nahe der Armlehne. Der Platz in der zweiten Reihe ist großzügig bemessen, bietet mehr Komfort für zwei Passagiere statt für drei, da der schmale Mittelsitz einfach in eine Armlehne mit Getränkehaltern umgewandelt werden kann. Enttäuschend hingegen sind die Kunststoffe an den hinteren Türen, die eine durchschnittliche Qualität aufweisen. Der Kofferraum des E-408 bietet je nach Sitzkonfiguration zwischen 468 und 1.542 Litern (mit dem optionalen Focal-Audiosystem von 454 bis 1.528 Litern). Das ist weniger als bei der 145 PS starken Micro-Hybrid-Variante (536 l bis 1.611 l), aber besser als beim PHEV (415 l bis 1.483 l), da der Platz für das Hybridsystem unter dem Boden hier besser genutzt werden kann.

Um mehr Vielseitigkeit zu bieten als der E-308 mit von Haus aus begrenzten 156 PS und einer 54 kWh Bruttobatterie, hat Peugeot bei dieser flexiblen Multi-Energie-Plattform, die für thermische, hybride und elektrische Anwendungen konzipiert wurde, die Messlatte höher gelegt. Der Elektromotor, der 210 PS liefert und dessen Technik vom Peugeot E-3008 und E-5008 übernommen wurde, arbeitet makellos, jedoch ist die Bordbatterie im Vergleich zu diesen beiden SUV-Modellen weniger leistungsstark. Im Detail zeigt das NMC-Zellenpaket 61 Brutto-kWh (58 nutzbare kWh), während die elektrischen Modelle 3008 und 5008 mit 73 kWh oder sogar 98 kWh auftrumpfen können.
Schnell unterwegs? Eingeschränkte Reichweite!
Mit dieser Batterie zwischen zwei Stühlen bleibt die E-408 in der Reichweitenfrage zurückhaltend. So wie der neu gestaltete DS N°4, mit dem er sich das Motor-Batterie-Duo teilt, gibt Peugeot eine theoretische Reichweite von 453 km im WLTP-Mischzyklus an… in der Realität dürfte es jedoch weniger sein. Bei unserem mehrtägigen Test mit innerstädtischen Strecken, Nebenstraßen mit 80 km/h sowie kurzen Autobahnabschnitten mit 130 km/h stellten wir einen Durchschnittsverbrauch von 17,4 kWh pro 100 km fest. Ein Wert, der an sich in Ordnung ist, jedoch schnell durch die begrenzte Akkuleistung gehemmt werden kann. In der Summe bleibt die Reichweite bei etwa 333 km. Für den Alltagsgebrauch mag dies ausreichend sein, aber auf langen Strecken wird es schnell eng…
Was die Flexibilität auf langen Reisen anbelangt, so ist die Ladeleistung des E-408 limitiert. Mit nur 120 kW DC-Leistung (und 11 kW AC) dauert das Aufladen an einer Schnelladestation 30 bis 40 Minuten, um von 10 % auf 80 % aufzuladen. Die maximale Ladeleistung fällt jedoch rasant ab — ganz im Gegensatz zu manch anderen Elektromodellen, die bei maximaler Ladeleistung ein langanhaltendes Plateau halten. Ab etwa 50 % sinkt die Ladeleistung spürbar, selbst wenn kein anderes Fahrzeug am Terminal angeschlossen ist. Betrachtet man den höheren Verbrauch auf der Autobahn (ca. 21 kWh/100 km), was durch eine verbesserte Aerodynamik erklärbar ist, wären die Distanzen zwischen zwei Ladevorgängen bei unter 200 km, vorausgesetzt, das Laden zwischen 10 % und 80 % gestaltet sich am effizientesten. Das kann angesichts des familiären Anspruchs des Fahrzeugs schnell frustrierend sein.
Komfort in jedem Detail
Schade, denn der E-408 hat das Potenzial, das erste Auto eines Haushalts zu sein, vor allem in dieser bemerkenswert komfortablen Version. Die Federung ist straffer, um das zusätzliche Gewicht des Elektromotors (1.804 kg) zu kompensieren, und das Fahrverhalten bleibt auch auf schlechten Straßen, speziell hinten, beruhigend stabil. Es fühlt sich fast angenehmer an als bei den thermischen Varianten, die beim Gangwechsel oder beim Übergang in den elektrischen Betrieb hin und wieder ruckeln. Die AGR-Fahrersitze (eine deutsche Organisation zur Bekämpfung von Rückenschmerzen) bieten ausgezeichneten Halt und vermindern Muskelermüdung erheblich. Auch bei hohen Geschwindigkeiten werden die Luftgeräusche effektiv gedämpft.

Wie beim E-3008 mit identischem Antriebsstrang zeigt sich der Motor nicht als wildes Biest, die Abstimmung ist eher auf Komfort ausgerichtet. Besonders im Normalmodus (190 PS und 300 Nm) zeigt das Fahrzeug eine linearere Leistungsentwicklung als im Sport Modus (210 PS und 345 Nm). Die Höchstgeschwindigkeit wird auf 160 km/h limitiert, die 100 km/h Marke wird in 7,2 Sekunden erreicht. Dank der im Unterboden positionierten Batterie bleibt der Schwerpunkt tief, was ein gutes Fahrgefühl vermittelt, das durch das kompakte Lenkrad noch verstärkt wird. Auch wenn die digitalen Anzeigen (die in 3D angezeigt werden können) in Abhängigkeit von der Fahrposition des Fahrers manchmal schwer zu sehen sind, hat man das Gefühl, ein agileres und kompakteres Auto zu lenken.
In der Stadt punktet der E-408 mit Flexibilität und Fahrvergnügen. Das Bremspedal ist einfach zu bedienen und äußerst intuitiv. Der Crossover bietet drei verschiedene Einstellungen für die regenerativen Bremsen, gesteuert über Paddel am Lenkrad, die äußerst praktisch sind. Dies reicht von einer völligen Freilauf-Option bis hin zu einem Modus, der dem Ein-Pedal-Fahren nahekommt, jedoch nicht bis zum vollständigen Stillstand reicht.
Günstiger als das Plug-in-Hybrid-Modell!
Der E-408 präsentiert sich in drei Ausführungen: Allure, GT und GT Exclusive, beginnend bei 42.700 € und steigt bis auf 47.600 €. Damit ist er günstiger als die 225 PS starke PHEV-Version, die zwischen 43.900 und 49.700 Euro verlangt. Die Allure- und GT-Varianten des E-408, die unter 47.000 Euro kosten und von der Produktion in Frankreich profitieren, erhalten aufgrund eines guten Öko-Scores das CEE-Coup-de-Pouce-Bonus, der seit Juli 2025 den Öko-Bonus ersetzt. Dieser variiert je nach Einkommen zwischen 3.100 und 4.200 Euro. Bemerkenswert ist, dass die Wärmepumpe, die die Reichweite verbessert, für 550 € optional erhältlich ist — außer beim GT Exclusive, wo sie serienmäßig dabei ist.
Mit seiner Positionierung, die zwischen Limousine und SUV-Coupé liegt, sieht sich der 408 einer Vielzahl von Konkurrenten gegenüber. Im Limousinenbereich kann man das Tesla Model 3 erwähnen, das günstiger ist, jedoch in Frankreich nicht für den Bonus in Frage kommt, oder den neuen Mercedes CLA, der mit deutlich mehr Leistung aufwartet (800 V, bis zu 792 km Reichweite), jedoch auch einen höheren Preis hat. Auch der Kia EV6, der stilistisch zwischen den beiden Welten steht, ist in der gleichen Preisklasse erhältlich. Hier gibt es viele Varianten und Batteriekapazitäten, zudem bietet er viel schnellere Ladezeiten dank 800V! Und schließlich gibt es auch interne Konkurrenz: Der E-3008 und der E-5008 sind nahezu im gleichen Preissegment angesiedelt, verfügen jedoch über leistungsfähigere Batterien und können eine Reichweite von 700 km erreichen. Schwergewichtige Käufer werden mutmaßlich eher zu Letzteren tendieren.

Unser Fazit
Urteil:
Mit seiner ruhigen Laufruhe und dem spürbaren Komfort ist der Peugeot E-408 durchaus empfehlenswert. Jetzt bleibt nur noch die Herausforderung, sich mit der Reichweite und der Ladeleistung auseinanderzusetzen, die trotz solider Handhabung auf der Straße etwas bescheiden erscheinen. Für Vielfahrer sind der E-3008 und E-5008 wahrscheinlich die bessere Wahl für längere Reisen.
Was uns gefällt:
- Gut gelungene Präsentation
- Angenehmer Federungskomfort
- Sanfter Betrieb und Fahrfreude
Was uns weniger überzeugt:
- Zu langsames Multimediasystem mit häufigen Fehlern
- Reduzierte Akkukapazität für moderate Reichweite
- Durchschnittliche Ladeleistung
Technische Daten des Peugeot E-408
Kauf
Peugeot E-408 GT
Getestete Version: 49.450 €
Ab 42.700 €
Durchschnittlicher Herstellerverbrauch während des Tests (kWh/100 km): 15,1 / 17,4
Herstellerreichweite während des Tests (km): 453 / 333
CO2 (g/km)/Bonus: 0 / 4.200 €
Steuerleistung: 7 PS
Fertigung: Frankreich
Garantie: 2 Jahre / 8 Jahre – 160.000 km bei Wartung im Netzwerk
VORGESCHLAGENE VARIANTEN:
Micro-Hybrid-Benziner 145 PS (ab 38.500 €), PHEV 225 PS (ab 43.900 €, Elektro 210 PS / 58 kWh (ab 42.700 €)
Zum Fahren
Motor: Permanenterregter Synchronmotor
Getriebe: 1-Gang-Getriebe
Leistung (PS): 210
Drehmoment (Nm):
Batterie: NMC
Brutto-/Netto-Kapazität (kWh): 61 / 58
Entladezeit:
11kW 3h 35m
Schnellladung 30-40 Min
Leergewicht (kg): 1804
Maße (Länge x Breite x Höhe): 4,69 x 1,85 x 1,75
Radstand (m): 2,79
Drehdurchmesser (m): 11,2
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 160 (elektronisch begrenzt)
0 bis 100 km/h (s): 7,2
Standardbereifung: 225/50 R19
Testreifen: Michelin e-Primacy
Live
5/2 Kofferraum (l): 468/1.542 Liter (454 bis 1.528 l mit Focal Audiopaket)
EMPFOHLENE OPTIONEN
- Schiebedachpaket: 1.100 €
- Focal 10HP Premium Hi-Fi-Paket: 850 €
- Wärmepumpe: 550 € (außer im GT Exclusive)
- 360°-Vision-Paket: 800 €
Hauptkonkurrenten
- Kia EV6 4×2, 170 oder 229 PS, ab 43.950 €
- Mercedes CLA, 272 PS, ab 52.900 €
- Peugeot 3008, 210 PS, ab 45.090 €
- Tesla Model 3, 285 PS*, ab 39.990 €
Fotos: Motornews
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