Der Flur riecht nach Gummi, irgendwo hustet ein Prüfstand. In Zuffenhausen sortiert man schon die Schlüssel: Ab Jänner 2026 übernimmt Michael Leiters das Lenkrad bei Porsche und löst Oliver Blume ab. Kein Paukenschlag, eher ein sauberer Gangwechsel – aber einer, der viel verrät. Die Marke steht im Gegenwind: Elektro-Verkäufe, die nicht zünden, Projekte auf Eis, eine Kundschaft, die noch mit einem Fuß im Benzin steht. Und da kommt einer daher, der nicht nur Lebenslauf, sondern auch Benzin im Blut und Strom im Kopf hat: Ingenieur, 25 Jahre Automobil, der erste Cayenne Hybrid auf seinem Konto – und später bei Ferrari die Hybrid-Kultur auf Renntempo getrimmt. Das klingt nicht nach Zufall. Das klingt nach Kurskorrektur.
Staffelübergabe nach harten Bremsmanövern
Oliver Blume gibt den Porsche-Chefsessel ab und bleibt gleichzeitig am Steuer des Volkswagen-Konzerns. Zwei Hüte, ein Kopf – das hat man ihm oft vorgehalten. Ein Fondsvertreter spottete einmal, das wirke wie Chefen “auf halber Flamme”. Nett formuliert, bissig gemeint. Fakt ist: Die Lage ist angespannt. Die Gewinne dünner, der Puls in China flacher. Der Premium-Markt schnalzt nicht mehr bei jedem neuen Stromer, jedenfalls nicht automatisch.
Dazu kommt: Porsche hat Elektro-Projekte verschoben oder gestrichen – mit einem Preisschild von 2,1 Milliarden Dollar. Autsch. Das ist nicht nur Buchhaltung, das sind verpasste Kilometer. Es zeigt brutal ehrlich, wie zäh der Hochpreissektor beim Wechsel auf reinen Strom geworden ist. Selbst eine Ikone wie Porsche muss erklären, warum leise plötzlich besser sein soll als laut.
Michael Leiters: der Hybridflüsterer mit Stallgeruch
Leiters ist in Zuffenhausen kein Fremder, eher ein Heimkehrer. 2000 steigt er als Projektleiter ein, 2006 übernimmt er die Verantwortung für den ersten Cayenne Hybrid. 2010 rollt das Auto zum Kunden – ein dicker SUV, der zeigt, dass man Kraft beherrschen kann, statt sie nur zu zeigen. Danach verantwortet er den Cayenne insgesamt, nicht nur als Bauteile-Dirigent, sondern als Charakter-Architekt. Das prägt.
Dann Maranello. Von 2014 bis 2022 ist Leiters Technikchef bei Ferrari. Er bringt die SF90 Stradale auf die Straße – der erste Plug-in mit Pferd im Wappen – und die 296 GTB hinterher. Zwei Autos, die atmen wie Athleten: elektrische Präzision im Antritt, V8- oder V6-Gesang darüber. Hybrid klingt da nicht nach Verzicht, sondern nach zweiter Lunge. Genau diese Balance – Leistung ohne Reue – macht ihn interessant für eine Marke, die Motorsport im Pass hat.
Woking im Rückspiegel: Technikglanz, Zahlenfrost
Seit 2022 führt Leiters McLaren. Er räumt auf, ohne großes Theater: Fertigungsqualität rauf, typische Kinderkrankheiten runter. Die Artura, ein Hybrid mit Talent, bekommt die nötige Medizin – Software-Probleme ausgemerzt, Produktions-Takt gestrafft. Das ist nicht glamourös, aber es ist Handwerk, wie eine perfekt eingestellte Lenkung: man merkt es, wenn es fehlt.
Im April war Schluss – die Marke fusioniert mit dem E-Auto-Start-up Forseven, die Karten werden neu gemischt. Finanziell ist McLaren unter ihm nicht zur eiernden Goldmine geworden. Aber: technisch hinterlässt er Ordnung, Prozesse, eine Mannschaft, die weiß, wo vorn ist. In stürmischer See ist ein stabiler Kurs oft die halbe Rettung.
Porsche zieht die Hybridlinie nach: weniger Dogma, mehr Drehmoment
Mit Leiters an Bord richtet sich Porsche spürbar auf Hybrid-Technik aus. Kein Kotau, eher Pragmatismus mit Sportsgeist. Der Markt im Premiumsegment liebt Übergänge – Zwischenlösungen, die Alltag und Lust vereinen. Und Leiters, der beides sprechen kann, Strom und Sprit, passt da hinein wie ein präziser Gang ins Sintermetall.
Die To-Do-Liste ist lang, aber nicht unleserlich:
- China wieder zum Lächeln bringen – mit Produkten, die nicht nur schnell, sondern sinnvoll wirken.
- US-Zölle abfedern, ohne die Marge zu ertränken.
- Eine Hybrid-Palette bauen, die nicht wie ein Kompromiss wirkt, sondern wie ein Upgrade.
- Das Sport-DNA bewahren – Lenkgefühl, Bremsbiss, Chassis-Charakter – auch wenn’s unter der Haube summt.
Wer ihn kennt, sagt: Er verhandelt mit der Technik wie ein guter Barkeeper mit einem Freitagabend – ruhig, präzise, nix verschütten. Genau das braucht die Branche jetzt. Elektromobilität ist kein Sprint mehr, sondern ein langes Rennen, mit Boxenstopps, Reifentaktik und Wetterwechseln. Da zählen Chefs, die nicht nur die PowerPoint, sondern auch die Pedale verstehen.
Am Ende steht eine Wette: Porsche setzt auf einen Hybrid-Spezialisten, weil der Premium-Markt erwachsen geworden ist. Nicht jedes Volt ist eine Wahrheit, nicht jeder Zylinder ein Verbrechen. Mit Leiters dürfte Stuttgart zu den technischen Grundtugenden zurückkehren – saubere Lösungen, ehrliche Performance – und dabei das Versprechen halten, das diese Marke groß gemacht hat: Sportwagen-Seele, ohne Ausrede. Der Motor bleibt das Herz, der Strom die Lunge — und Leiters der ruhige Puls dazwischen.
