Die Saison läuft aus wie ein letzter Stint auf weichen Reifen: die Sonne tief, die Boxengasse riecht nach warmen Bremsen, und im Funk knistert schon das Wort “nächstes Jahr”. Alan Permane, der Chef bei den Racing Bulls, schaut nicht mehr nur in den Rückspiegel. Er blickt auf 2026 – und auf die Menschen im Cockpit. Denn am Ende entscheidet nicht nur die Aerodynamik. Sondern das Paar Hände, das sie spürt.
Erfahrene Hände für 2026
Die zweite Halbzeit des Jahres war für die Racing Bulls kein Sonntagsausflug. Seit Baku hat das Team keinen Zähler mehr geholt, und Rang fünf in der Konstrukteurswertung wirkt plötzlich weiter weg als gedacht – 39 Punkte Distanz zu Williams, das ist im dichtesten Mittelfeld seit Jahren ein kleiner Graben. In so einem Feld reicht ein Hauch. Ein Zehntel fehlt – zack, auf der falschen Seite der Gruppe. Und wer dort landet, arbeitet sich im Rennen nur mühsam wieder nach vorne. Das ist kein Drama. Das ist Mathematik, die man in den Handflächen spürt.
Permane klingt dabei weder ratlos noch pathetisch, eher wie ein Mechaniker, der das Werkzeug sortiert. Es gebe keinen durchgängigen Fehler, keine dunkle Wolke, die alle Wochenenden überschattet, sagt er sinngemäß. In Singapur? Ein technischer Haker, der sie den sicheren Punkterang gekostet habe. In Mexiko? Die Abstimmung hat sich nicht so gesetzt, wie es das Auto verlangt hätte – dieses feine Klicken, wenn Fahrwerk, Reifen und Temperatur zusammenfinden. Fehlt das, fehlt der Biss in der Kurvenmitte, und schon rutscht man vom vorderen Drittel ans hintere Ende des Pulks. Es ist eng. Brutal eng. Und wer im Qualifying die Linie um eine Handbreit verpasst, bezahlt am Sonntag an der Kasse.
Darum, sagt Permane, richtet man den Blick jetzt nicht mehr auf die Jagd nach Platz fünf, sondern auf das, was man beeinflussen kann: ein Auto, das verlässlich ins Fenster kommt – und Piloten, die es lesen können wie eine gute Straße. Das Team arbeite daran, jedes Wochenende die sauberste Abstimmung zu finden, die Fahrer sollen alles herausatmen, was im Paket steckt. Wenn das gelingt, kommen die Punkte von selbst. Nicht als Geschenk, sondern als Ergebnis eines Plans, der hält. Mehr verlangen kann man nicht – nicht von den Leuten an der Mauer, nicht von jenen im Cockpit.
Währenddessen bleibt das Fahrerkarussell bemerkenswert still. Red Bull und die Racing Bulls sind die einzigen, die ihr Aufgebot fürs kommende Jahr noch nicht offiziell gemacht haben. Der nächste Zug? Hängt an den Leistungen von Yuki Tsunoda und Isack Hadjar, heißt es im Umfeld. Und da lauert eine Versuchung, die jeder Renningenieur kennt: Stabilität. Ein Kader, der sich kennt, der dieselben Vokabeln für Grip, Untersteuern, Einlenken benutzt – Isack Hadjar und Liam Lawson wären genau so ein Duo. In einem Reglementwechsel zahlt sich Konstanz oft aus wie ein gut gesetzter Undercut: unspektakulär im Moment, mächtig über die Distanz.
Trotzdem bleibt eine Konstante, die Permane leise, aber deutlich betont: Mindestens ein Routinier muss an Bord sein. Erfahrung ist in diesem Sport kein Zierleisten-Chrom, sondern ein Drehmoment-Schlüssel. Wenn das Auto zickt, beruhigt sie. Wenn es beißt, hält sie stand. Und wenn das Mittelfeld wieder zum Beutefeld wird, zeigt sie, wo die Lücke aufgeht. Man hört förmlich, wie die Garage nickt.
Kurz zusammengefasst
Die F1-Saison neigt sich dem Ende zu, und Alan Permane skizziert bei den Racing Bulls bereits die Linie für 2026: ein Paket, das sauber ins Arbeitsfenster fällt – und Piloten mit Stallgeruch, mindestens einer mit reichlich Routine. Nach Punkten seit Baku Fehlanzeige, 39 Zähler hinter Williams wirkt Rang fünf weit weg. Also Fokus auf Abstimmung, Ausführung, Selbstvertrauen. Die Fahrerfrage fürs nächste Jahr bleibt bei Red Bull wie bei den Racing Bulls offen; viel hängt an Tsunoda und Hadjar. Stabilität mit Hadjar und Lawson wäre verlockend, und ja – die Blicke schweifen auch Richtung erfahrene Kräfte, möglicherweise sogar aus dem Williams-Umfeld. Denn wer das Reglement von morgen meistern will, braucht heute Ruhe im Lenkrad und Gefühl im Gasfuß.

