Vor dem Hauptrennen in Mexiko-Stadt liegt ein feiner Nerv in der Luft – so dünn wie der Sauerstoff dort oben. Der Red-Bull-Boxenfunk klingt ruhig, aber die Gesten verraten’s: das Wochenende meint es nicht gemütlich mit Max Verstappen. Am Freitag noch souverän, der beste Wert im zweiten Freien Training – alles sah sauber, klar, kontrolliert aus. Doch im dritten Training begann der Wagen zu reden, und er flüsterte nichts Beruhigendes. Kleine Aussetzer im Rhythmus, ein Zucken in den Kurven, ein Auto, das nicht ganz in die Hand will. Das Qualifying hat’s bestätigt: nur Startplatz fünf. Kein Drama – aber auch kein Sprungbrett.
Der Reifenverschleiß wird entscheidend sein
Helmut Marko kennt den Ton, wenn ein Auto grantig wird. Er sagt es trocken, fast väterlich, aber ohne Lack: Ja, wir haben was gefunden, das Paket wirkt runder – und trotzdem bleiben im zweiten Sektor zwei Zehntel liegen. In zwei Ecken. Zwei. Das ist nicht die Welt, aber bei Renntempo fühlt sich so etwas an wie ein Stein im Schuh: klein, lästig, und er begleitet dich jede Runde. Es wird schwer, prophezeit er, der Blick auf die Reifen gerichtet. Der Abrieb wird der Richter sein. Wer sanft genug über den Asphalt streicht, aber hart genug zubeißt, nimmt das Feld an die Leine.
Und dann ist da die Fahrzeughöhe – in Mexiko immer ein Rechenspiel auf dünner Luft. Ein Tick zu hoch, und die Balance wandert in die falsche Richtung, vor allem in diesem zweiten Sektor, wo die Kurven den Wagen an der Hüfte packen. Vielleicht waren wir da ein bisserl überm Limit, sagt Marko sinngemäß. Aber: Wenn die Tanks voll sind und die Kurvengeschwindigkeiten natürlicher fallen, könnte sich das zurechtrücken. Der Wagen atmet dann tiefer, bewegt sich weniger nervös über die Kerbs, und das Set-up kommt zu sich – so der Plan. Klingt vernünftig. Aber die Strecke hat ihren eigenen Humor.
Verstappen bleibt im Titelgeschäft, auch wenn Startplatz fünf keine Einladung zum Durchmarsch ist. Vorn steht Lando Norris – Polesitter mit stiller Klinge. Und falls er heute mehr als 14 Punkte auf Oscar Piastri gutmacht, könnte er sich an die Spitze setzen. Reine Mathematik, gewiss. Aber Mathematik entscheidet am Ende genauso unromantisch wie abgefahrenes Gummi. Also: Blick nach vorn, Hände ruhig, Reifen im Fenster halten. Der Rest ist Gefühl – und ein bisschen Sturheit.
Kurz zusammengefasst
Vor dem Grand Prix von Mexiko zeigt sich Helmut Marko sichtlich besorgt: Nach einem holprigen dritten Training und nur Startplatz fünf im Qualifying wirkt Max Verstappen nicht im Fluss. Marko betont, dass der Reifenverschleiß der Schlüssel sein wird und die Wagenhöhe im zweiten Sektor wohl einen Tick zu hoch lag – mit vollen Tanks könnte sich das im Rennen beruhigen.

