Die Luft über Mexiko-Stadt ist dünn, und rund um Yuki Tsunoda wird sie am Ende der heurigen Saison noch dünner. Sein Platz im Red-Bull-Kosmos? Nicht fix, nicht verloren — eine Warteschleife mit Puls. Und doch, ausgerechnet an diesem staubtrockenen Nachmittag bekam der Japaner etwas, das härter wiegt als jede Punktetafel: warme Worte von Laurent Mekies. Kein Blumenstrauß, eher ein Handdruck — ehrlich, knapp, präzise. Worte, die man mitnimmt wie ein gutes Gefühl am Lenkrad.
Nach dem Grand Prix von Mexiko trat Mekies bei Canal+ vor die Mikrofone und legte die Karten auf den Tisch: Die Entscheidung über Tsunodas Zukunft wird abermals vertagt. Für den Fahrer klingt das wie ein weiterer langer Stint auf abgefahrenen Pneus — zäh, nervenaufreibend. Er selbst sprach von Frust, von einer Chance, die sich verflüchtigt hat, wie Turbo-Pfeifen in der Abendluft. Im Team aber sieht die Sache anders aus. Dort zählt, wie sich ein Auto über den Curb atmet, wie ruhig die Hände werden, wenn es zählt. Und da, sagt Mekies, war dieses Wochenende Tsunodas bislang rundestes im Jahr. Vielleicht überhaupt sein bestes seit einer ganzen Weile.
Yuki hat sein stärkstes Wochenende seit Langem abgeliefert
Mekies blieb sachlich, aber man hörte die Anerkennung zwischen den Zeilen. Im Qualifying klebte Yuki an Max — zwei Zehntel in Q2, so nah, dass man die Hitze aus dessen Abgasstrahl spürt. Kein Zufall, kein Ausreißer. Am Sonntag dann der erste Stint: sauber, konstant, bissig, ohne zu verkrampfen. Zwei, drei Zehntel pro Runde hinter Max, auf gleicher Distanz, auf denselben Medium-Reifen — wie ein Läufer, der das Tempo kennt und die Lunge im Griff hat.
Die Box entschied, ihn länger draußen zu lassen. Strategisch sinnvoll, sagt Mekies, weil sich das Fenster nach hinten öffnete und der Verkehr davor zerfiel. Man kann das mögen oder nicht — es war der Plan. Dann der Haken: ein zu langer Boxenstopp. Kein Drama, aber diese extra Sekunden fressen an der Bilanz wie Sand im Getriebe. Punkte, die griffbereit waren, rutschten durch wie eine kalte Münze aus der Handfläche. „Verdient hätt’ er sie gehabt“, lässt Mekies durchblicken. Und genau das bleibt hängen: Hier fuhr einer auf Augenhöhe, nicht im Spiegel. Der Fahrer machte den Unterschied, nicht die Ausrede.
Vielleicht ist das der eigentliche Fortschritt: Weniger Zucken am Lenkrad, mehr Ruhe in der Bewegung. Tsunoda wirkt, als hätte er das Auto nicht nur verstanden, sondern gezähmt — ohne ihm die Laune zu nehmen. Er bellt nicht mehr in jeder Kurve. Er beißt dort, wo’s zählt.
Kurz gefasst
Yuki Tsunodas Zukunft im Red-Bull-System bleibt heuer weiter offen, doch Laurent Mekies lobt ihn nach dem Grand Prix von Mexiko ausdrücklich: sehr nah an Max im Qualifying, ein starker erster Stint auf Medium, nur wenige Zehntel zurück, dann eine lange Phase auf der Strecke und ein zu ausgedehnter Boxenstopp, der mögliche Punkte kostete. Fürs Team war es dennoch sein stimmigstes Wochenende seit Langem — und vielleicht genau das, was man hören will, wenn es um den Sitz fürs nächste Jahr geht.

