HomeAuto-TestRenault Trafic elektrisch: neuartige 800-Volt-Plattform

Renault Trafic elektrisch: neuartige 800-Volt-Plattform

Die Hallen von Solutrans riechen nach Gummi und Kaffee, die Luft vibriert leise – und mittendrin steht er: der neue Trafic. Kein Auspuff mehr, kein Schnauben beim Kaltstart. Nur ein stilles Nicken in Richtung Zukunft. Vierte Generation, rein elektrisch, auf einer frischen Skateboard-Plattform mit 800-Volt-Architektur. Auf dem Papier klingt das nach Technikbroschüre. Auf der Messe fühlt es sich an wie ein Versprechen: schnell laden, sauber arbeiten, ohne Theater.

Renault rollt damit den Auftakt seiner neuen Elektro-Nutzfahrzeugfamilie auf die Bühne. Der Stil war früh bekannt, die Technik jetzt offiziell. Die Franzosen haben dem Trafic eine andere Körpersprache gegeben: frontaler Blick, klare Linien, null Effekthascherei – und doch blitzt da etwas Selbstbewusstes, das man im Lieferalltag gut brauchen kann.

Die Nase trägt einen schwarz glänzenden Grill, mit feinen, lasergravierten Details – wie ein gut geschnittener Anzug mit unauffälligem Muster. Die Tagfahrlichter ziehen sich bis an den unteren Scheibenrand, die Hauptscheinwerfer sitzen tief – dicht beim grob strukturierten, schwarzen Kunststoffstoßfänger, der im Alltag gern Fehler verzeiht. Die Frontscheibe streckt sich weiter, flankiert von zwei anschließenden Seitenscheiben – fast wie eine Schirmkappe über den Augen. Hinten dann der Aha-Moment: vertikale 3D-Leuchtsignatur, die im Rückspiegel auffällt, ohne zu schreien. Auf dem linken Flügel der Hecktüre ein neues Trafic‑Schriftbild – kleine Geste, klare Botschaft: frische Generation, neues Kapitel.

Ein schicker, smarter Lastenträger

Drinnen ist der Ton leise, aber bestimmt. Die Armaturentafel wirkt wie ein sauber verlegtes Rohr – rund, stabil, mit cleveren Fächern, die den Kleinkram des Tages aufsaugen: Zollstock, Stifte, Spesenbeleg. Hinter dem Lenkrad leuchtet ein 10‑Zoll‑Kombi – scharf, schnell, ohne große Eitelkeiten. Der Wählhebel sitzt griffbereit am Lenkradträger, wie bei R5, Austral oder Scénic E‑Tech – ein kleiner Klick, und der Wagen „atmet ein“. Vorne in der Mitte ein 12‑Zoll‑OpenR‑Link‑Bildschirm, leicht fahrerorientiert. Google steckt drin, Android Automotive ist die Bühne, und bei Bedarf legt der Flottenbesitzer noch seine eigene Maske darüber. So sollte Bordsoftware 2025 aussehen: verlässlich, erweiterbar, ohne Bastelmenüs.

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Spannend ist, was man nicht sieht: SDV – Software Defined Vehicle. Entwickelt bei Flexis, einer eigenständigen Gemeinschaft von Renault Group, Volvo Group und den Containerprofis von CMA CGM. Das heißt: nicht mehr dutzende Steuergeräte, die miteinander palavern, sondern ein starker Zentralrechner, der die Fäden zieht. Over‑the‑Air‑Updates? Ja. Neue Funktionen nachreichen, Fehler ausbügeln, Routenlogik schärfen? Ebenfalls ja. Das Auto wird nicht älter – es reift.

Die Navigation denkt mit. Und nicht nur in schönen Farben. Sie kennt Länge und Höhe des Trafic, sie weiß, ob er schwer beladen ist, und plant die Etappen samt Ladestopps, als würde sie selbst Termine haben. Künstliche Intelligenz als Tourenplaner – nicht als Showeffekt, sondern als stiller Helfer, der Staus, Höhenbeschränkungen und Ladestrategie zusammenbringt. Man merkt: Hier hat jemand den Montagmorgen im Kastenwagen ernst genommen.

Bei den Maßen bleibt der Trafic handfest: zwei Längen, 4,87 Meter oder 5,27 Meter – je nach Job. Die Höhe: 1,90 Meter. Parkgarage? Rein damit. Mit 1,92 Meter Breite bleibt er zivil im Stadtverkehr. Der Laderaum spannt 5,1 bis 5,8 Kubikmeter, je nach Version. Hinten geht weit auf, seitlich hilft eine Schiebetür. Euro‑Paletten? Kein Drama, eher Routine. Die Anhängelast: bis zu 2 Tonnen. Die Zuladung: 1,25 Tonnen – vorbehaltlich Homologation. Zahlen, die im Alltag keine Schlagzeile machen, aber dafür den Arbeitstag retten.

Und nein, das ist kein rollender Tablet‑Ständer. Das Interieur ist robust, aber nicht grob – die Oberflächen fühlen sich vertraut an, die Ablagen klicken mit ehrlichem Klang. Die Sitzposition ist aufrecht, die Sicht frei. Du greifst ins Lenkrad, und der Wagen antwortet präzise – nicht nervös, eher loyal. So muss ein Werkzeug sein.

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Ein Motor, zwei Batterien

Hinten arbeitet ein E‑Motor. 204 PS, 345 Nm. Hinterradantrieb – der Trafic schiebt, statt zu ziehen. Das merkt man beim Einfädeln, beim Rangieren, beim flotten Hopser aus der Seitenstraße. Keine große Dramatik, kein egozentrisches Zucken. Er macht einfach. Und deutlich kräftiger als der alte Elektro‑Trafic, der mit 120 PS oft mehr Geduld als Laune brauchte.

Die Akkufrage ist eine Charakterfrage. Option eins: 60 kWh LFP – Lithium‑Eisenphosphat, robust im Alltag, nicht empfindlich, gemacht für Städte und kurze Umläufe. Rund 350 Kilometer WLTP stehen im Raum – mehr, als der Vorgänger jemals zuverlässig angezeigt hat. Option zwei: 81 kWh NMC – Nickel‑Mangan‑Kobalt, energie‑dicht und tourenfest. 450 Kilometer WLTP, wenn die Route lang wird und die Termine eng. Zwei Wege zum selben Ziel: Ruhe im Kopf.

Das Laden? Endlich Renault mit 800‑Volt‑System. Das ist nicht nur ein Zahlenspiel, das ist Taktgefühl an der Säule. Von 15 auf 80 Prozent in etwa 20 Minuten – ungefähr 260 Kilometer wieder im Akku. Die genaue DC‑Leistung verrät man noch nicht, aber das Tempo spricht für sich. Zwischen zwei Kundenstopps reicht ein Espresso, kein Picknick. Und wenn auf der Baustelle der Strom fehlt, springt der Trafic ein: V2L speist Werkzeuge oder Laptop, V2G kann – mit bidirektionalem Lader – Energie ins Heimnetz zurückgeben. Ein Auto, das arbeitet, wenn es steht.

Auf der Straße fühlt er sich erwachsen an. Der Schwerpunkt ist tief, die Karosserie ruhiger als so manche Diesel‑Variante, die wir kennen. Über Querrillen federt er trocken‑ehrlich, ohne zu poltern. In der Stadt ist er leise genug, dass du dein eigenes Denken hörst; am Landstraßenbogen bleibt das Heck gelassen, weil der Schub von hinten lenkfrei anpackt. Kein Theater. Nur Grip.

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Gebaut wird er in Sandouville. Neben dem noch laufenden Vorgänger, der als Verbrenner die Kundschaft bei Laune hält, die Strom noch nicht ins Pflichtenheft schreiben kann. Auslieferungen des neuen E‑Trafic starten gegen Ende 2026. Preise? Noch kein Zettel am Fenster. Varianten? Kommen. Kipper, Pritsche, Fahrgestell. Und die Traditionsnamen Goélette und Estafette stehen ebenfalls auf der Roadmap. Renault kennt seine Kundschaft – die mag Auswahl, nicht Ausreden.

Fotos: Hersteller

Kurz gesagt

Früh im Jahr 2025 angekündigt, jetzt auf der Nutzfahrzeug‑Messe Solutrans offiziell enthüllt: der neue Renault Trafic. Vierte Generation, ausschließlich elektrisch, auf einer neuen Skateboard‑Plattform mit 800‑Volt‑Technik für schnelles Laden. Zwei Längen (4,87 m und 5,27 m), 1,90 m hoch, 1,92 m breit, 5,1 bis 5,8 m³ Laderaum, bis zu 2 t Anhängelast und 1,25 t Zuladung (vorbehaltlich Homologation). Innen moderne Bedienung mit 10‑Zoll‑Kombi und 12‑Zoll‑OpenR‑Link auf Google‑Basis; Navigation berücksichtigt Fahrzeugmaße und Beladung, KI hilft bei der Routen- und Ladestrategie. SDV‑Architektur von Flexis mit zentralem Rechner und Over‑the‑Air‑Updates. Hinten treibt ein 204‑PS‑E‑Motor mit 345 Nm an, dazu zwei Batterien: 60‑kWh‑LFP für rund 350 km WLTP oder 81‑kWh‑NMC für etwa 450 km. Dank 800‑Volt lädt er von 15 auf 80 Prozent in rund 20 Minuten – etwa 260 km Reichweite zurück. V2L und V2G sind vorgesehen. Produktion in Sandouville, Marktstart mit Auslieferungen ab Ende 2026, Preise folgen. Später kommen weitere Aufbauten – inklusive der Namen Goélette und Estafette. Ein Arbeitskollege, der nicht laut ist – nur gut.

Otto
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Otto ist Chefredakteur von MotorNews, wo er seine umfassende Erfahrung im Automobiljournalismus einbringt. Mit seiner Leidenschaft für die Welt der Autos und neuen Technologien leitet Konrad seit über 15 Jahren Redaktionsteams bei Fachpublikationen. Seine Fachkenntnisse reichen von Fahrzeugtests über Markttrends und technische Innovationen bis hin zu den ökologischen Herausforderungen der Automobilbranche. Mit einem scharfen Sinn für Analyse und einem präzisen Schreibstil sorgt er dafür, dass die Gemeinschaft der Autofans mit qualitativ hochwertigen Inhalten versorgt wird, während er die Herausforderungen der Zukunft der Mobilität erforscht. Konrad beaufsichtigt den redaktionellen Prozess und sorgt für eine umfassende und fesselnde Berichterstattung über das aktuelle Geschehen in der Automobilbranche. Für Fragen oder eine Zusammenarbeit können Sie ihn per E-Mail kontaktieren : otto@motornews.fr
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