Der Asphalt ist noch warm, die Boxengasse riecht nach Gummi und Bremsstaub – und doch spürt man es: Für die zwei McLaren-Piloten an der WM-Spitze rückt die Gefahr stille, aber bestimmt näher. Jonathan Wheatley hebt den Finger: McLaren soll die Augen offen halten. Immer.
Im Red‑Bull-Kosmos hält sich Laurent Mekies bedeckt: Der fünfte Titel von Max Verstappen? Intern kein Thema, sagt er, man nehme heuer jedes Rennen wie es kommt – eins nach dem anderen, ohne große Hymnen. Doch zwischen Kaffeeduft und Kompressorgeheul im Paddock kursiert eine andere Geschichte. Die jüngsten Siege des Niederländers haben die Stammtischrechnungen neu angefacht. Die Idee, Oscar Piastri vom Thron zu heben, wirkt plötzlich nicht mehr wie ein Tagtraum, sondern wie ein Plan mit Zündschlüssel. Drei Siege aus den letzten vier Grands Prix – solche Zahlen sprechen in der Sprache, die im Motorsport am besten verstanden wird.
Wäre ich McLaren, ich würd die Rückspiegel im Blick behalten
Wenn Oscar Piastri gerade nicht zündet und Max Verstappen die Form hat, die man eher von einer Startpistole kennt, dann darf man ein Szenario nicht vom Tisch wischen: Titel Nummer fünf. Sauber-Direktor Jonathan Wheatley hält das nicht für die wahrscheinlichste Variante – aber für eine, die man ernst nehmen muss. Sein Subtext klingt wie ein kurzer, klarer Funkspruch: Es passiert selten. Doch Verstappen hat ein Talent dafür, aus dem Reglement eine Einladung zu machen. Er hat das durch seine ganze Laufbahn hindurch gezeigt. In Whetleys Worten schwingt ein Augenzwinkern mit, aber keines, hinter dem man sich verstecken könnte: Wenn er McLaren wäre, würde er öfter einen Blick in die Rückspiegel werfen – und sie vorher gut putzen.
Nach dem Austin-GP, den Verstappen abgebrüht nach Hause gefahren hat, liegt zwischen dem Red‑Bull-Piloten und Piastri ein Polster von 40 Punkten. Fünf Rennen stehen heuer noch auf dem Zettel. Genug Strecke, um einen Vorsprung zu verwalten – oder ihn zu zerbröseln. Der Australier steckt in einer Delle, die sich auf dem Datenblatt trocken liest, im Cockpit aber wie Gegenwind klingt. Und genau dort, im Bereich zwischen Mut und Mathematik, fühlt sich ein vierfacher Weltmeister besonders wohl. Ein Comeback? Nicht die Norm. Aber in dieser WM – alles andere als ausgeschlossen.
Kurz zusammengefasst
Die Gefahr tastet sich an McLaren heran, auch wenn an der Spitze noch Sonnenschein herrscht. Jonathan Wheatley mahnt zur Wachsamkeit – denn Max Verstappen bleibt, Rennen für Rennen, die permanente Drohung im Rückspiegel.

