Sommerreifentest 2016

Der diesjährige Sommerreifentest des ADAC ist eine runde Sache: Von den 32 getesteten Modellen schnitten elf mit „gut“ ab, 18 mit „befriedigend“, zwei erhielten ein „ausreichend“ und eines ein „mangelhaft“. Diese Gesamtnoten errechnen sich aus den Einzelbewertungen in den Kategorien Verschleiß, Kraftstoffverbrauch, Geräusch und Verhalten auf trockener bzw. nasser Fahrbahn. Getestet wurde in den Dimensionen Kleinwagen sowie Mittelklasse bzw. untere Mittelklasse.

  • in der für die untere Mittelklasse geeigneten Dimension 225/45 R17 94 Y (16 Sommerreifenmodelle)
  • in der Kleinwagen – Dimension 185/65 R15 88 H (16 Sommerreifenmodelle)

Aus dem breiten Mittelfeld der guten und befriedigenden Reifen enttäuscht in der Kleinwagen-Dimension (185/65 R15) der Nankang Green-Sport-Eco2+, der neben dem höchsten Kraftstoffverbrauch auf nasser Fahrbahn nur eine schwache Leistung zeigt, die zum Urteil „ausreichend“ führt. Der GT Radials Champiro VP1 schneidet noch schlechter ab: Er zeigt schon auf trockener Fahrbahn deutliche Schwächen, auf nasser Fahrbahn ist der Reifen nicht wettbewerbsfähig, weshalb er als einziger ein „mangelhaft“ erhält. Schlusslicht in der größeren Dimension (225/45 R17) ist der Maxxis Victra Sport VS01, der wegen unbefriedigender Eigenschaften auf nasser Fahrbahn (und hier aufgrund schlechter Seitenführung) mit einem „ausreichend“ bewertet wird.

Spitzenreiter bei den „Kleinen“ ist der Vredestein Sportrac 5, der mit der Bestnote auf nasser Fahrbahn überzeugt. In der größeren Dimension führt der Continental ContiSportContact 5 die Liste an, der sowohl auf trockener wie auf nasser Fahrbahn mit Bestnoten glänzt.

Die Testergebnisse im Detail:

Methodik:
Die Eigenschaften von Reifen haben einen wichtigen Einfluss auf die Verkehrssicherheit. Außerdem spielen Reifen auch eine Rolle bei den Betriebskosten eines Autos. Der ADAC Reifentest berücksichtigt wichtige Kaufkriterien wie das Fahr- und Bremsverhalten der Pneus auf nasser und trockener Fahrbahn, bei Aquaplaning sowie hinsichtlich des Geräuschpegels, des Kraftstoffverbrauchs, der Höchstgeschwindigkeit und des Verschleißes.
Testdurchführung:
Die Durchführung des Tests findet auch auf Geländen von Herstellern statt. Dies hat vor allem zwei Gründe: Zum einen ist der Arbeitsschutz wichtig, da auf den Geländen ideale Voraussetzungen für die Tester gegeben sind. Zum Beispiel gibt es bei den Aquaplaningtests eine Sicherheits-Führungsschiene für das Fahrzeug, die auch bei einer Fehlreaktion des Testfahrers ein unkontrolliertes Ausbrechen des Fahrzeugs verhindert. Zum anderen entspricht der Asphalt auf den Testgeländen den in der EU-Verordnung (ECE-R 117) vorgeschriebenen Beschaffenheiten, was eine Vergleichbarkeit der Testergebnisse garantiert. Der eigentliche Test wird ausschließlich von ADAC Mitarbeitern und mit ADAC-Equipment durchgeführt. Dabei ist die Messtechnik in ADAC-Fahrzeugen verbaut, die Hersteller haben hier keinerlei Zugriff. Die Testreifen sind permanent unter Verschluss, werden nur zum Test auf das Fahrzeug aufgezogen. Der Testfahrer weiß nicht, welchen Reifensatz er testet, da alle Modelle mit Zahlencodes verschlüsselt sind. Allein der Projektleiter führt diese Zahlencodes nach Beendigung der Testreihe mit den Produktnamen zusammen. Die Nutzung von Herstellergeländen hat nachweislich keinen Einfluss auf die Testergebnisse, da beispielsweise Reifen von Continental, auf deren Firmengelände der ADAC die Nässetests durchführt, nicht immer beste Noten in dieser Kategorie erzielt haben.
Gewichtung:
Trockene Fahrbahn (20 Prozent/3 Prüfkriterien), nasse Fahrbahn (40 Prozent/5 Prüfkriterien), Geräusch (10 Prozent/2 Prüfkriterien), Schnelllauftest (bestanden, bedingt bestanden, nicht bestanden/ein Prüfkriterium), Kraftstoffverbrauch (10 Prozent/ein Prüfkriterium), Verschleiß (20 Prozent/ein Prüfkriterium). Viele Reifeneigenschaften sind nicht gleichzeitig und schon gar nicht exakt „gleich gut“ in einem Produkt realisierbar. Sie führen daher zu einem Zielkonflikt. So steht zum Beispiel ein guter Nassgriff im Konflikt mit der Abriebfestigkeit oder Geräuschverhalten mit Aquaplaningverhalten. Da ein guter Reifen ausgewogen sein muss, schlagen Schwächen in den Hauptkriterien auf das Gesamturteil durch. Einzelkriterien haben nur einen direkten Einfluss, wenn sie mit „mangelhaft“ (4,6 – 5,5) bewertet werden Bei der Auswertung der Ergebnisse des ADAC-Reifentests wird besonders auf die Ausgewogenheit des Reifens geachtet. Damit soll sichergestellt werden, dass nur Reifen ein gutes Urteil erreichen, die in allen Kriterien bestimmte, durchaus anspruchsvolle Mindestanforderungen erfüllen. Denn: Dem Autofahrer nutzen Reifen mit hervorragenden Einzeleigenschaften wenig, wenn diese Reifen gleichzeitig in anderen Kriterien relevante Schwächen aufweisen.
Qualitätssicherung:

Das Testkonsortium entscheidet über die Produkte und die Testmethodik. Dieses Konsortium besteht aus den europäischen Automobilclubs und Verbraucherschutzorganisationen (ICRT). Die Reifenhersteller sind nicht in diesem Konsortium.

Die zu testenden Reifendimensionen werden im Konsortium diskutiert und festgelegt. Dabei spielen Kriterien wie Marktstärke oder Aktualität eine wichtige Rolle. Die Entscheidung fällt mit Mehrheitsbeschluss aller anwesenden Testpartner. Die Testmethoden basieren auf einer über 40-jährigen Erfahrung des ADAC im Dienste der Sicherheit. Für Anpassungen in der Testmethodik gibt es eine langfristige Zeitplanung, die ebenfalls bei jedem Meeting vorgestellt und besprochen
wird. Auch hier entscheiden alle anwesenden Testpartner gemeinsam. Durch einen mehrstufigen
Einkaufsprozess und ein Qualitätsmanagement wird sichergestellt, dass die getesteten Reifen dem Serienstand entsprechen. Es werden 28 Reifen pro Modell im öffentlichen Handel bei verschiedenen Händlern eingekauft.

Für den Reifentest gibt es einen ADAC-Fachbeirat, in dem neben Experten aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und weiteren Organisationen auch Hersteller anwesend sind.
Hier werden das prinzipielle Testdesign und die Kriterien vorgestellt. Ziel ist es, sich zum aktuellen Stand
der Technik (Produktentwicklungen) und zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen auszutauschen. Der Fachbeirat, der einmal jährlich tagt, erhält keinerlei Informationen zu den Testprodukten, z. B. welche Dimensionen überprüft werden. Zur Qualitätssicherung werden sowohl Subjektiv- als auch Objektivbewertungen mehrfach und unabhängig voneinander durch unterschiedliche Testfahrer durchgeführt. Die Testfahrer stimmen sich regelmäßig in diversen Trainings untereinander und mit anderen Experten ab. Sämtliche Bewertungsmaßstäbe und Prüfmethoden werden durch Diskussionen mit weiteren Testpartnern (ICRT, ÖAMTC, TCS) abgesichert. Zusätzlich wird die Messmethodik jährlich
durch den oben genannten Fachbeirat mit Vertretern aus der Reifenindustrie besprochen. Vor Veröffentlichung des Tests wird jeder teilnehmende Reifenhersteller über die Ergebnisse seiner Produkte in Relation zum verwendeten und benannten Kontrollreifen informiert.

Übersicht der Prüf- und Qualitätssicherungsverfahren im Rahmen des Tests-Reifenprüfung basierend auf ECE-R30
  • Anonymisierung der Testmuster
  • Lasermessungen der Profiltiefe
  • Mehrfachbewertungen durch unabhängige Testfahrer
  • Korrektur der temperaturbedingten Streckeneinflüsse durch Referenzreifen
  • Mathematische Fehlerbetrachtungen
  • Plausibilitätsprüfung von Mehrfachtests
  • Fahrversuche auf regelkonformen Asphalt (ECE-R 117)
  • Geräuschmessung nach ISO 362
  • Schnelllauftest durch MPA-Darmstadt

Vorgehensweise und Angemessenheit der Testverfahren wurden durch den vereidigten Sachverständigen Prof. Dr.-Ing. Günter Willmerding im Jahr 2011 bestätigt.

Daneben unterstützt der ADAC uneingeschränkt die vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) vorgelegten „Regeln der guten fachlichen Praxis des Testens“.

© ADAC / Sommerreifentest 2016

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