HomeElektroautoTesla Roadster: Selbst der OpenAI-Chef bekommt sein Geld nicht zurück

Tesla Roadster: Selbst der OpenAI-Chef bekommt sein Geld nicht zurück

Die Szene ist schnell erzählt: eine leere Garage, ein Kontoauszug, der noch immer die gleiche Anzahlung zeigt, und ein Versprechen, das seit Jahren im Leerlauf tuckert. Ausgerechnet Sam Altman, OpenAI-Chef und bekennender Technikromantiker, hat den Scheinwerfer dorthin gedreht, wo es wehtut: Viele, die früh auf den Tesla Roadster gewettet haben, bekommen ihre Kaution nicht zurück. Der Reifen quietscht nicht, er pfeift—und die Geduld gleich mit.

Als Tesla 2017 den neuen Roadster aus dem Hut zauberte, roch es nach Revolution. 0 auf 100 km/h in 1,9 Sekunden, über 1.000 Kilometer Reichweite—Zahlen, die die Luft kühlen, bevor der Fahrtwind überhaupt ansetzt. Die Euphorie war echt, die Reservierungen flossen. 50.000 Dollar Anzahlung für die “normale” Ausgabe, bis zu 250.000 Dollar für die Founders Series. Ein Handschlag auf die Zukunft, bar bezahlt.

Acht Jahre Versprechen, aber kein Auslieferungsschlüssel

Elon Musk kündigte den Produktionsstart ursprünglich für 2020 an. Seitdem: Jahr für Jahr neue Zielmarken, neue Tweets, neue Verschiebungen. Ein Running Gag, der keiner mehr sein will—und doch immer wieder auf die Bühne gebeten wird. In der Branche nickt man mittlerweile wissend; zwischen Bewunderung für den Mut und Augenrollen ob der Taktik.

Die Gründe? Es sind viele, und sie greifen ineinander wie Zahnräder, die ein wenig zu trocken laufen. Tesla hat die großen Volumenmodelle vorgezogen—Model Y, dann der Cybertruck. Der Roadster musste zurück in die Boxengasse. Dazu kommen echte Engineering-Hürden: Hochleistungsbatterien, die nicht nur sprinten, sondern durchhalten sollen. Und diese angekündigten SpaceX-Schubdüsen—klingt nach Rakete, fährt sich aber nur, wenn Integration und Thermik brav mitspielen. So ein Auto ist kein Pitchdeck, es ist ein Organismus. Er reagiert, er bockt, er verlangt Respekt.

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Sam Altman hat 2018 reserviert. Heuer wollte er den Stecker ziehen. Auf X schrieb er sinngemäß: Er sei enorm heiß auf den Wagen gewesen—Verzögerungen könne man ja verstehen—aber 7,5 Jahre Warten seien dann doch eine lange Gerade ohne Überholmöglichkeit. Der Beitrag ging herum, über 5 Millionen Aufrufe. Weil viele das kennen: Vorfreude, die zu Warteschleife wird. Und irgendwann zur Frage nach dem Geld.

Der X-Post von Sam Altman (30. Oktober 2025): drei Bilder, eine Geschichte—und viel Resonanz. Link: https://twitter.com/sama/status/1984023663642087831

Stornieren? Möglich. Doch der Weg dorthin ist absichtlich holprig

Je länger man hinhört, desto öfter klingt es gleich: Wer seine Anzahlung zurückhaben möchte, landet in einem Slalom aus Kontaktadressen, die nicht antworten, und Hotlines, die wie eine Geisterbahn enden—mit Ausgang, aber ohne Fahrt. Das wirkt nicht zufällig vertrackt. Denn diese Reservierungen sind für Tesla liquide Luft zum Atmen, ohne Zinsen, ohne Bank.

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Was Betroffene immer wieder berichten:

  • E‑Mails an die zuständigen Adressen versanden ohne Reaktion
  • Telefonnummern für den “Roadster‑Service” sind nicht erreichbar oder führen ins Nichts
  • Man wird auf Kanäle verwiesen, die es so nicht (mehr) gibt
  • Bearbeitungszeiten, die länger sind als so mancher Leasingvertrag

Da stellt sich die Rechtsfrage. In einigen Ländern gilt: Hält man Anzahlungen über ein “angemessenes” Zeitfenster hinweg, ohne zu liefern oder sauber zu erstatten, kann das als unlautere Geschäftspraxis gewertet werden. Konsumentenschutz ist kein Feigenblatt in der Werbung; immer mehr spezialisierte Juristen schauen da inzwischen sehr genau hin. Und wenn sie genauer schauen, wird der Ton schnell ernster.

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Das Geld dahinter: warum Verzögerungen Kassa machen

Man muss es so nüchtern sagen, wie ein kühler Morgenstart: Diese Anzahlungen sind für Tesla eine günstige Finanzquelle. Kein Kredit, keine Zinsen—aber verlässlich auf dem Konto. Bei tausenden Reservierungen à 50.000 Dollar ergibt sich eine Summe, die in die hunderten Millionen geht. Gerade in ruppigen Zeiten—denken wir an die Hochlauf-Dramen der Model‑3‑Fertigung—war das ein Polster, das mitgeholfen hat, die Drehzahl oben zu halten.

Daraus erklärt sich, warum Rückzahlungen offenbar ungern flott gemacht werden. Jeder Storno ist eine Kassenlade, die aufgeht, und Geld, das hinausspaziert—während gleichzeitig Milliarden in neue Träume fließen: der humanoide Roboter Optimus, die Vollautonomie, noch eine Fabrik, noch ein Anlauf. Investitionsjahr ist bei Tesla irgendwie immer. Und Cash bleibt König, auch wenn er manchmal schweigsam ist.

Variante Erforderliche Anzahlung Angekündigter Preis Versprochene Fahrleistungen
Roadster Standard 50.000 $ 200.000 $ 0–100 km/h in 1,9 s
Founders Series 250.000 $ Nicht genannt Exklusive Optionen

Was das mit dem Tesla‑Image macht

Bei all der Faszination für Zahlen, Technik und Mondschüsse bleibt ein simpler Punkt: Wer im Supercar‑Segment fischt, muss liefern wie im Fünf‑Sterne‑Haus. Kunden, die 200.000 Dollar als Eintrittskarte hinlegen, erwarten nicht nur Tempo, sondern Haltung—ein Kundendienst, der anruft, bevor man ihn sucht. Die Realität wirkt derzeit anders. Und das kratzt an der Marke: Der Lack blättert nicht, aber er reißt feine Linien.

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Würze bekommt die Sache durch die persönliche Konstellation. Elon Musk und Sam Altman, zwei Schwergewichte der KI‑Debatte—und plötzlich wird aus einer Rückerstattung ein medialer Boxenfunk. Altman, als Liebhaber schneller Dinge mit großem Megaphon, braucht keine PR‑Abteilung, um Gehör zu finden. Ein Post, drei Bilder, Millionen Augen. Der Rest ergibt sich fast von selbst.

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Und jetzt? Es gibt Signale, dass der Roadster nicht nur ein Poster an der Werkstattwand bleibt. Stellenausschreibungen speziell für die Roadster‑Batteriefertigung sind aufgetaucht, und Musk hat—wieder einmal—eine Vorführung “noch vor Jahresende” in Aussicht gestellt. Heuer, wohlgemerkt. Die Beobachter bleiben cool, wie man es nach so vielen Ansagen eben bleibt. Die Szene kennt den Takt: Trommelwirbel, Scheinwerfer, nächster Teaser.

Für alle mit bestehender Reservierung heißt das: weiter warten. Weiter hoffen. Vielleicht auch weiter nachfragen, hartnäckig, höflich, dokumentiert. Die Straße ist lang, die Geduld kürzer geworden. Wenn der Roadster am Ende tatsächlich vor der Tür steht und so fährt, wie versprochen—dann verzeiht man viel. Bis dahin ist er vor allem eines: ein sehr lautes Flüstern im Rückspiegel.

antoine Bouquet
antoine Bouquet
Antoine Bouquet ist Redakteur bei MotorNews, wo er seine Leidenschaft für Autos mit seinen soliden journalistischen Fähigkeiten verbindet, die er sich im Laufe seiner akademischen Laufbahn angeeignet hat. Er hat an der Universität Paris-Sorbonne einen Master in Journalismus und Kommunikation absolviert und sich an der Journalistenschule in Lille auf Automobiljournalismus spezialisiert, wodurch er in seinen Texten journalistische Genauigkeit und technisches Fachwissen vereinen kann. Mit seiner mehrjährigen Erfahrung in der Fachpresse ist Antoine für seine Fähigkeit bekannt, die neuesten Innovationen in der Automobilbranche gründlich zu analysieren und diese Informationen gleichzeitig für ein breites Publikum zugänglich und interessant zu machen. Seine Arbeit deckt ein breites Themenspektrum ab, das von Fahrzeugtests über neue Technologien bis hin zu Marktentwicklungen und Umweltfragen der Branche reicht. Für weitere Fragen oder eine Zusammenarbeit können Sie ihn per E-Mail kontaktieren : antoine.bouquet@motornews.fr
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