Eine Batterie in derselben Zeit laden wie einen Tank mit fossilen Brennstoffen … Dieses ehrgeizige Ziel verfolgt ein neu aufstrebender chinesischer Hersteller. Doch das ist längst nicht alles.
Sobald das glatte Lenkrad in unseren Händen liegt, verspüren wir ein leichtes Kribbeln der Vorfreude. Doch dann – der digitale Bildschirm zeigt erschreckende 37 Prozent an. Was soll ich sagen? Es ist fast schon ironisch. Tatsächlich könnte die Situation kaum besser sein.

Es ist nicht alltäglich, dass ein Hersteller bei einem ersten Test solch ein Risiko eingeht, und einem Auto mit unvollständiger Batterieleistung, ein wenig der Presse anzuvertrauen. Gibt es da eine gewisse Elektroangst bei den Herstellern im Vergleich zu uns Journalisten?
Doch das junge Unternehmen, 2014 in Kanton gegründet und in Teilen im Besitz von Volkswagen, wagt das Ungewöhnliche. Und unser Interesse ist geweckt. Denn sein G6, ein SUV, das gut 4,80 Meter misst, bringt nicht nur eine bemerkenswerte Reichweite mit, sondern zeigt auch mit dieser Aktualisierung sein bemerkenswertes Ladevermögen. Genauer gesagt, der G6 soll in nur 12 Minuten von 10 auf 80 % seiner nutzbaren 80 kWh aufladen. Ziemlich beeindruckend! Es ist jedoch entscheidend, ein Terminal zu finden, das die nötigen 450 kW liefern kann – und die gibt es heutzutage noch wenige.
Wagen wir den Schritt an die Ionity-Station in einem Vorort von München. Nach einigen Dutzend Kilometern auf der Autobahn, wo die Ergonomie des Multimedia-Interfaces nicht ganz ohne Fragen bleibt, sind die Zahlen verblüffend. Nach einem Höhepunkt von 325 kW vermindert die Leistung bei 60 % nur geringfügig und pendelt sich bei knapp … 300 kW ein!

Zusammengefasst kommt unser Modell nach 14 Minuten Ladezeit, bei einer durchschnittlichen Leistung von etwas über 220 kW, von 25 auf 90 %. So eine Leistung findet man kaum besser, auch wenn die Frage der Alterung des Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus bei solch hohen Ladegeschwindigkeiten aufwirft.
Nachdem der G6 diese Energie blitzschnell gespeichert hat, gibt er sie ebenso effizient wieder ab. Trotz der fett geladenen 485 PS, die von zwei Motoren, einschließlich eines Induktionsmotors an der Vorderachse, erzeugt werden, bleibt unser Verbrauch laut Bordcomputer nach circa 150 km unter 20 kWh/100 km. Und das, obwohl wir mehrmals kontrolliert haben, ob die elektronische Waage nicht doch bei 200 km/h eingreift. Genügend Potenzial, um eine Gesamtreichweite von fast 400 km zu erzielen, ohne als besonders sanfter Gaspedal-Fahrer zu gelten.

Bei solchen Eigenschaften scheint die chinesische Automobilindustrie den etablierten Herstellern überlegene Fähigkeiten vorauszuhaben. Und das erst recht, wenn wir das enorme Niveau der Ausstattung in dieser hochpreisigen Variante berücksichtigen. Der Platz drinnen ist tadellos, und der Kofferraum bietet mehr als genug Platz für eine Reise zu viert oder fünft – und das alles für einen Preis von um die 51.000 Euro.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Gewisse Mängel zeigen bedauerlicherweise die Unreife dieser neuen Akteure, wozu auch Xpeng gehört. Besonders in der Fahrdynamik. Der G6 hat mit einem entsetzlich ruhigen Fahrverhalten zu kämpfen – die hohe Masse verrät sich leider. Es fällt der Lenkunterstützung schwer, einen angemessenen Kompromiss zwischen übertriebener Leichtigkeit und straffem Feedback zu finden.
Und diese Kalibrierung, die gefühlvoller hätte sein können, beeinflusst auch die Reaktionsfreudigkeit des Gaspedals, was die Dosierung sowohl beim Gasgeben als auch beim Bremsen anspruchsvoll macht. Aktiviert man den „Xpedal“-Modus, der die maximale Rekuperation erfordert, kann man sicher sein, dass die Insassen etwas unbehaglich reagieren werden.
Deshalb ist es nicht gerade einfach, hinter dem Lenkrad Freude zu erleben. Natürlich kommen da noch ein paar Flüche hinzu, wie bei jedem Elektroauto. Aber das ist ein ganz anderes Thema.
Unser Urteil
Der G6 kann sich einer durchgehend gelungenen Elektrifizierung rühmen. Jetzt muss er nur noch seine Fahrdynamik verbessern.
Was uns gefällt
- Hohe Ladeleistung
- Angemessener Verbrauch
- Allgemeiner Komfort
Weniger gefällt uns
- Ergonomie des Touchscreens
- Unsichere Fahrdynamik
- Kalibrierung von Lenkung und Gaspedal

Technische Daten des Xpeng G6
KAUFEN
- Getestete Version: 50.990 €
- Ab 50.990 €
- Durchschnittlicher Verbrauch/Während des Tests (kWh/100 km): 18,4/19,4
- CO2 (g/km)/Bonus: 0/0 €
- Steuerklasse: 12
- Herstellungsland: China
Verfügbare Modelle
- Elektrisch mit 250 bis 485 PS, ab 46.990 € bis 50.990 €
FAHREN
- Motor: Permanentmagnet-Synchronmotor hinten und Induktionsmotor vorne
- Getriebe: Allrad, 1-Gang-Automatik
- Maximale Leistung (PS): 485
- Maximales Drehmoment (Nm): 660
- Leergewicht (kg): 2.220
- Maße (Länge x Breite x Höhe, m): 4,76 x 1,92 x 1,65
- Radstand (m): 2,89
- Batteriekapazität (kWh, netto): 80
- Höchstgeschwindigkeit (km/h): 200 (begrenzt)
- 0 auf 100 km/h: 4“1
- Standardreifen: 255/45 R20
- Testreifen: Michelin Pilot Sport EV
INNEN
- Ellbogenbreite vorne/hinten: 154/151
- Hinterbeinlänge: 79
- 5/2 Kofferraum (l): 571/1.374
OPTIONENSCHLAG
- Einziehbare Anhängerkupplung: 1.190 €
Hauptkonkurrenten
- Peugeot 3008 Dual Motor, ab 53.990 €
- Skoda Enyaq RS, ab 54.890 €
- Tesla Model Y Long Autonomy, Integral, ab 52.990 €