Das Datenblatt verspricht 500, 600, manchmal fast 800 Kilometer. Im Alltag fährt kaum ein Elektroauto so weit, und das hat weniger mit der Batterie zu tun als mit dem Verbrauch. Der ADAC misst ihn für jedes getestete Modell auf dem Prüfstand, samt den Verlusten beim Laden. [1] Nimmt man diese Werte als Grundlage, lassen sich zwei Fragen beantworten, die sich vor dem Kauf fast jeder stellt: Wie groß muss der Akku für österreichische Strecken wirklich sein? Und was kostet der Strom dafür, je nachdem, wo man lädt?
Im Test brauchen E-Autos im Mittel 17 Prozent mehr Strom als laut Datenblatt
Die ADAC-Tabelle reicht von 13,4 kWh pro 100 Kilometer beim Mercedes CLA 250+ bis 29,7 kWh beim Citroën e-Spacetourer, einem Kleinbus. [1] Über alle 157 dort aufgeführten Modelle liegt der mittlere Wert, der Median, bei 19,6 kWh pro 100 Kilometer. Im Vergleich mit der Herstellerangabe nach WLTP liegt der Testwert im Median 17 Prozent höher, so unsere Auswertung der Tabelle. Bei den zwölf Modellen, die der ADAC seit Anfang 2026 nach einem leicht geänderten Verfahren prüft, ist der Abstand mit 24 Prozent noch größer: Der Kia EV5 kommt etwa auf 23,9 statt 17,8 kWh. [1]
Ein Teil der Differenz entsteht gar nicht beim Fahren. Strom aus der Steckdose muss für den Akku umgewandelt werden, dabei geht Energie verloren, die man trotzdem bezahlt. Um den nutzbaren Akku des BMW iX mit 94,8 kWh zu füllen, müssen laut ADAC 109,3 kWh geladen werden. [1] Darum sind die ADAC-Werte für die Kostenrechnung die ehrlichere Basis als der Bordcomputer.
Gerade aktuell
Dass die Werbung ein freundlicheres Bild zeichnet, ist kein Geheimnis. Die Frankfurter Allgemeine hat diese Woche ihre eigenen Fahrberichte ausgewertet und fasst es so zusammen: „Das Elektroauto fährt weit, verbraucht wenig, lädt schnell. In der Werbung, unter Idealbedingungen.“ [7] Ein Praxiswert bestätigt die Größenordnung des ADAC: Schmidtis Blog hat auf einer 3.600-Kilometer-Urlaubsfahrt durch Luxemburg, Belgien und Frankreich 750 kWh geladen, das sind rund 21 kWh pro 100 Kilometer auf der Langstrecke. [8]
Für den Alltag reicht schon ein kleiner Akku für mehrere Tage
An einem durchschnittlichen Werktag legen Österreicherinnen und Österreicher 36 Kilometer zurück, über alle Verkehrsmittel gerechnet. Das ist der Jahresschnitt der Mobilitätserhebung „Österreich unterwegs“ des Verkehrsministeriums. [6] Mit 19,6 kWh pro 100 Kilometer sind das gut 7 kWh am Tag.
Im Winter wird es mehr. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sinkt die Reichweite laut ÖAMTC im Durchschnitt um 15 bis 20 Prozent, vor allem weil Innenraum und Akku geheizt werden. [2] Rechnet man mit dem ungünstigen Wert, steigt der Tagesbedarf auf 8,8 kWh. Selbst ein Kleinwagen wie der Hyundai Inster mit 39 kWh nutzbarem Akku [1] hält damit rund vier Wintertage durch, bevor er bis auf 10 Prozent Rest leer ist. Eine 11-kW-Wallbox lädt diesen Tagesbedarf in weniger als einer Stunde nach.
Wien–Salzburg ohne Ladestopp: Im Winter braucht es über 80 kWh
Interessant wird die Akkugröße erst auf der Langstrecke. Wir haben für vier typische Fahrten ausgerechnet, wie viel nutzbare Kapazität ein Auto mit dem ADAC-Mittelwert braucht, um ohne Stopp anzukommen: Start mit vollem Akku, Ankunft mit 10 Prozent Reserve, im Winter 20 Prozent weniger Reichweite.
| Strecke | Sommer | Winter |
|---|---|---|
| Alltag, 36 km | 8 kWh | 10 kWh |
| Wien–Graz, rund 200 km | 44 kWh | 54 kWh |
| Wien–Salzburg, rund 300 km | 65 kWh | 82 kWh |
| Wien–Innsbruck, rund 475 km | 103 kWh | 129 kWh |
Ein Renault 5 mit 52 kWh nutzbarem Akku schafft Wien–Graz im Sommer am Stück, im Winter fehlen ihm dafür knapp 2 kWh. Für Wien–Salzburg bei Kälte reicht erst ein Akku in der Klasse des Mercedes CLA mit 85 kWh netto. [1] Wien–Innsbruck im Winter ohne Pause schafft kein Modell, das in der ADAC-Tabelle steht: Der größte nutzbare Akku dort, im Mercedes EQS 450+, hat 118 kWh. [1] Wer dauerhaft 130 km/h fährt, braucht zudem mehr als den gemischten Testwert.

Daraus folgt eine unbequeme Rechnung für den Autokauf. Ein großer Akku erspart einen Ladestopp auf den zwei, drei langen Fahrten im Jahr, wird aber an jedem Tag mitbezahlt und mitgeschleppt. Beim VW ID. Tiguan etwa kostet der Schritt vom 58- zum 77-kWh-Akku in der Ausstattung Life 4.400 Euro Aufpreis. Schmidtis Blog zieht aus seiner Urlaubsfahrt einen ähnlichen Schluss: Entscheidend sei, wie schnell ein Auto nachlädt, nicht wie weit es mit einer Ladung kommt. [8]

Was eine Akkuladung in Österreich kostet: von 4 bis fast 15 Euro je 100 Kilometer
Am günstigsten ist der Strom aus der eigenen Leitung. Die Regulierungsbehörde E-Control nennt für eine Kilowattstunde Haushaltsstrom, Netz und Abgaben inklusive, 25 bis 35 Cent für Bestandskunden der Landesversorger und 22 bis 28 Cent für Neukunden beim günstigsten Anbieter. [4] Bei 19,6 kWh kosten 100 Kilometer damit 4,31 bis 6,86 Euro.

Öffentlich wird es deutlich teurer, und die Spanne ist enorm. Wir haben den Ladetarifkalkulator der E-Control am 24. Oktober mit seinem Standardprofil abgefragt: 13.000 Kilometer im Jahr, ein Viertel davon öffentlich geladen, 18 kWh pro 100 Kilometer, also 585 kWh an öffentlichen Säulen. [3] Er listet 43 Ladekarten und Verträge:
- Am günstigsten: die Lidl Plus App mit 155,39 Euro im Jahr, das sind 4,78 Euro je 100 Kilometer, allerdings an nur 171 Stationen.
- Im Mittel: 380,29 Euro im Jahr. Umgerechnet zahlt man damit rund 65 Cent je Kilowattstunde, Grundgebühren eingerechnet.
- Große Netze: ÖAMTC ePower kostet 343,93 Euro bei 10.508 Stationen, EVN #Drive Smart 395,59 Euro bei 11.785 Stationen.
- Am teuersten: der Zeittarif Tanke ZEIT von Wien Energie mit 859,65 Euro, also 26,45 Euro je 100 Kilometer.
Wer ohne Vertrag mit Bankomat- oder Kreditkarte lädt, zahlt laut den Preismeldungen im Ladestellenverzeichnis der E-Control im Median 57 Cent an Wechselstromsäulen, 70 Cent an Schnellladern und 75 Cent ab 150 kW (Stand Jänner 2026). [5] Regional reicht der Median von 55 Cent in Salzburg und 56 in Wien bis 70 in Kärnten und 71 im Burgenland. [5] Am Ultraschnelllader kosten 100 Kilometer mit dem ADAC-Mittelwert damit 14,70 Euro, mehr als das Doppelte des Wallbox-Stroms.
Für Wien–Salzburg heißt das konkret: 58,8 kWh kosten zuhause geladen 17,64 Euro bei 30 Cent, komplett ad hoc am Ultraschnelllader 44,10 Euro. Mit 60 kWh nutzbarem Akku, voll losgefahren und nur den Rest unterwegs nachgeladen, landet man bei rund 19,80 Euro. Den eigenen Fall rechnet unser Rechner durch: Strecke, Verbrauch, Akku und Jahreszeit einstellen.
Der Ladeort entscheidet mehr als die Akkugröße
Die Zahlen zeigen, wo das Geld wirklich liegt. Zwischen einem Akku, der Wien–Salzburg im Sommer schafft, und einem, der es auch im Winter schafft, liegen rund 16 kWh nutzbare Kapazität, also ein Aufpreis, der einmal beim Kauf anfällt. Der Unterschied zwischen Wallbox und Ultraschnelllader fällt dagegen bei jedem Ladevorgang an: Am Ultraschnelllader kostet jeder Kilometer mehr als doppelt so viel. Wer überwiegend zuhause oder am Arbeitsplatz laden kann, kommt mit einem mittelgroßen Akku und einem Ladestopp auf der Fernfahrt am günstigsten weg. Wer auf öffentliche Säulen angewiesen ist, spart vor allem mit der Wahl der Ladekarte: Im E-Control-Vergleich liegen zwischen der günstigsten und der mittleren Karte rund 225 Euro im Jahr, und das schon bei nur einem Viertel öffentlich geladenem Strom. [3]
Quellen und Referenzen
[1] ADAC — Test E-Autos (2026): So hoch sind Reichweite und Verbrauch wirklich
https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/elektroauto/stromverbrauch-elektroautos-adac-test/
[2] ÖAMTC — E-Autos – auch im Winter keine Reichweiten-Angst
https://www.oeamtc.at/thema/elektromobilitaet/e-autos-auch-im-winter-keine-reichweiten-angst-76020005
[3] E-Control — Ladetarifkalkulator (Abfrage vom 24. Oktober 2026, Standardprofil 13.000 km, 25 % öffentlich, 18 kWh/100 km)
https://www.ladetarif.at/
[4] E-Control — Was kostet eine kWh Strom?
https://www.e-control.at/konsumenten/strom/strompreis/was-kostet-eine-kwh
[5] energiemagazin.at — Ladetarife in Österreich: Warum dieselbe Ladesäule das Zweieinhalbfache kosten kann (Auswertung der Preismeldungen im E-Control-Ladestellenverzeichnis, Jänner 2026)
https://www.energiemagazin.at/ladetarife-oesterreich-vergleich/
[6] Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur — Mobilität im Wandel der Zeit. Österreich unterwegs Teil 1
https://infothek.bmimi.gv.at/oesterreich-unterwegs-serie-mobilitaetsverhalten-familie-flink/
[7] Frankfurter Allgemeine Zeitung — Verbrauch, Reichweite und Ladeleistung von Elektroautos im Vergleich, 21. Oktober 2026
https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/elektromobilitaet/verbrauch-reichweite-und-ladeleistung-von-elektroautos-im-vergleich-201311776.html
[8] Schmidtis Blog — E-Auto auf Urlaubsreise: Sieben Ladefallen fressen 240 Euro Ersparnis auf, 20. Oktober 2026
https://www.schmidtisblog.de/e-auto-langstrecke-ladefallen-urlaub-1818880/



