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Mercedes-Fahrer mit Ladevertrag zahlen an den früheren Mercedes-Ladeparks in Österreich seit dem Wechsel zu Electra bis zu 26 Prozent mehr pro Kilowattstunde

Seit 1. November betreibt der französische Schnellladeanbieter Electra die sechs Ladeparks, die Mercedes-Benz in Österreich gebaut hat. Für Mercedes-Fahrer mit einem MB.Charge-Vertrag fällt dort der Sonderpreis von 0,39 Euro je Kilowattstunde weg, wer spontan mit Karte zahlt, zahlt 0,69 Euro.

Text geprüft und freigegeben von Antoine BOUQUET
Was der Wechsel der Mercedes-Ladeparks zu Electra für Kunden mit MB.Charge-Vertrag kostet. Video: Motor News; Bilder: Mercedes-Benz Österreich, Storyblocks
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Die Mercedes-Sterne an den Säulen in Parndorf, Altlengbach oder Spittal an der Drau sind nur noch Dekoration. Noch im Sommer 2025 hatte Mercedes-Benz bei der Eröffnung in Parndorf angekündigt, binnen eines Jahres mindestens fünf weitere eigene Ladeparks in Österreich zu bauen [3]. Gut ein Jahr später gibt der Konzern sein gesamtes europäisches Schnellladenetz ab: 47 Ladeparks mit 374 Ladepunkten gehören seit dem Wochenende zum Netz des französischen Betreibers Electra [1].

Laden kann dort weiterhin jeder, mit jeder Automarke. Was sich ändert, ist der Preis, und zwar gerade für jene, die bisher am billigsten geladen haben: Mercedes-Fahrer mit einem Ladevertrag von MB.Charge Public, dem Ladedienst der Marke. Wir haben die Preislisten von vor und nach dem Wechsel nebeneinandergelegt.

Gerade aktuell

Mercedes-Ladeparks in Österreich: Diese Standorte betreibt jetzt Electra

Von den 47 Ladeparks liegen 31 in Deutschland und sechs in Österreich [1]. Mercedes hat sie seit Mitte 2025 eröffnet, darunter diese fünf an Autobahnen mit bis zu 300 oder 400 kW je Ladepunkt:

  • Parndorf (Burgenland, A4), beim Fashion Outlet, 10 Ladepunkte mit bis zu 400 kW, eröffnet am 30. Juni 2025 als erster österreichischer Standort [3].
  • Altlengbach (Niederösterreich, A1, Ausfahrt Altlengbach), Gewerbepark Nord, 12 Ladepunkte mit bis zu 300 kW [8].
  • Allhaming (Oberösterreich, A1), beim McDonald’s an der Ausfahrt [3][8].
  • Völkermarkt (Kärnten, A2), IGP Süd, 12 Ladepunkte mit bis zu 400 kW [3][9].
  • Spittal an der Drau (Kärnten, A10 Tauern Autobahn), 8 Ladepunkte mit bis zu 400 kW, seit Februar 2026 [4].

Technisch ist der Wechsel weitgehend vollzogen. Am Wochenende hat Electra die Säulen in sein System übernommen, in den nächsten Tagen tauscht das Unternehmen die Bezahlterminals für spontanes Laden und klebt die Säulen in seinen Farben um [7]. In Lade-Apps tragen die sechs österreichischen Standorte laut der Datenbank von GoingElectric bereits Electra-Kennungen, Stand 3. November [10].

Nächtlicher Ladepark mit vier hell beleuchteten Schnellladesäulen mit grünen Statuslichtern unter weißen Lichtmasten, rechts parkt eine schwarze Limousine an einer Säule, dahinter ein Zaun und ein kleines Betriebsgebäude.
Der Mercedes-Ladepark in Spittal an der Drau an der Tauern Autobahn bei Nacht, eröffnet im Februar 2026: Er gehört zu den sechs österreichischen Standorten, die jetzt Electra betreibt. Pressebild: Mercedes-Benz Österreich

Am Ablauf an der Säule ändert sich für Mercedes-Fahrer wenig. Sie starten weiterhin mit der MB.Charge-Ladekarte, der Mercedes-App oder per Plug & Charge, und die Reservierung eines Ladepunkts aus dem Auto heraus, bis zu 15 Minuten vor der geplanten Ankunft, bleibt erhalten [5]. Neu ist, dass sich diese Reservierung auch an den übrigen Electra-Standorten nutzen lässt [5]. Wer mit Bankomat- oder Kreditkarte zahlt, tut das künftig am Terminal von Electra.

Dunkelgraues Elektro-SUV lädt in der Abenddämmerung an einer Schnellladesäule einer verschneiten Autobahnraststation, dahinter schneebedeckte Berggipfel.

MB.Charge-Tarife: Was die Kilowattstunde vorher und nachher kostet

Bis Ende Oktober zahlten MB.Charge-Kunden in den Tarifen M und L an den Mercedes-eigenen Ladeparks einheitlich 0,39 Euro je Kilowattstunde [3][11]. In der neuen österreichischen Preisliste vom 2. November gibt es für das Mercedes-Ladenetz keine eigene Zeile mehr [2]. Die übernommenen Säulen fallen nun unter die Rubrik „Premium Partner“, in der Mercedes neben Ionity jetzt auch Electra führt [7]. Dort kostet die Kilowattstunde 0,49 Euro im Tarif M (Grundgebühr 4,90 Euro im Monat) und 0,45 Euro im Tarif L (9,90 Euro im Monat) [2].

An den früheren Mercedes-Säulen wird die Kilowattstunde für Vertragskunden damit im Tarif M um 26 Prozent teurer, im Tarif L um 15 Prozent. Auch wer ohne Vertrag mit Karte zahlt, legt drauf: Für die Mercedes-Säulen in Österreich waren im Ladestellenverzeichnis der E-Control ad hoc 58,8 Cent je Kilowattstunde gemeldet [9], Electra verlangt am Terminal 0,69 Euro [5][6].

Bezahlwegbis 31. Oktoberab 1. November50 kWh vorher → nachher
MB.Charge M (4,90 €/Monat)0,39 €/kWh0,49 €/kWh19,50 → 24,50 €
MB.Charge L (9,90 €/Monat)0,39 €/kWh0,45 €/kWh19,50 → 22,50 €
Bankomat- oder Kreditkarte0,588 €/kWh0,69 €/kWh29,40 → 34,50 €
Electra-App ohne Abo–0,54 €/kWh27,00 €

Für eine typische Ladung von 50 Kilowattstunden, etwa von 10 auf 80 Prozent bei einem Akku mit rund 70 kWh, zahlen MB.Charge-Kunden also 3 bis 5 Euro mehr als im Oktober [12]. Eine Einschränkung gilt: Die Preisliste nennt die Premium-Partner nicht namentlich, und Electra verweist MB.Charge-Kunden bei Fragen zum Tarif an Mercedes [2][5]. Verbindlich ist der Preis, den die Mercedes-App vor dem Ladestart anzeigt. Wer den kleinen Tarif S ohne Grundgebühr nutzt, zahlte schon bisher die flexiblen Preise des jeweiligen Betreibers [2].

Balkendiagramm, Kosten für 50 kWh: MB.Charge M von 19,50 auf 24,50 Euro (0,39 auf 0,49 Euro je kWh), MB.Charge L von 19,50 auf 22,50 Euro (0,39 auf 0,45), Kreditkarte am Terminal von 29,40 auf 34,50 Euro (0,588 auf 0,69), neu Electra-App 27,00 Euro (0,54) und Electra+ Smart 17,00 Euro (0,34). Darunter: Wer MB.Charge M behält und an Electra-Säulen mit Electra+ Smart lädt, holt die 4,99 Euro Abogebühr ab rund 33 kWh im Monat herein, gegenüber MB.Charge L ab rund 45 kWh.
Was eine Ladung mit 50 kWh an einem früheren Mercedes-Ladepark in Österreich kostet, bis 31. Oktober und ab 1. November 2026, ohne Grundgebühr. Infografik: Motor News, Daten MB.CHARGE Public, Mercedes-Benz Österreich, Electra und E-Control.

Der Gegenwert ist ein größeres Netz zum Vorzugspreis. Den Premium-Status mit den niedrigsten MB.Charge-Preisen nach den eigenen Parks hatte bisher nur Ionity, die übrigen Partner wie bp oder Shell kosten in Österreich 0,51 bis 0,57 Euro plus Minutengebühr nach 90 Minuten [2][7]. Jetzt kommen mehr als 800 Electra-Standorte mit über 5.000 Ladepunkten in zehn Ländern dazu, vor allem auf Fahrten durch Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz [1]. Für Urlaubsfahrten nach Süden oder Westen kann das mehr wiegen als die zehn Cent Aufschlag in Parndorf.

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Electra-App oder Mercedes-Vertrag: Was sich für Vielfahrer rechnet

Electra verkauft an den übernommenen Säulen auch eigene Tarife, und die sind teils günstiger als der Mercedes-Vertrag. In Österreich kostet die Kilowattstunde über die Electra-App 0,54 Euro, und zwar fix: Anders als in Frankreich oder Belgien schwankt der Preis hier nicht mit der Nachfrage [5][6]. Das Abo Electra+ Essential (1,99 Euro im Monat) senkt ihn um 10 Cent auf 0,44 Euro, Electra+ Smart (4,99 Euro im Monat) um 20 Cent auf 0,34 Euro [6].

Der Haken: Diese Preise gelten nur an Electra-Säulen. An Ladern der Partner aus der sogenannten ChargeLeague zahlen Smart-Kunden in Österreich 0,64 Euro, bei anderen Betreibern gilt der Abo-Rabatt nicht [6]. MB.Charge bleibt dagegen ein Vertrag für fast alle öffentlichen Säulen, mit Ionity zum festen Preis. Für Mercedes-Fahrer stellt sich deshalb eher die Frage, ob sich Electra+ Smart zusätzlich lohnt. Unsere Rechnung: Wer MB.Charge M behält und an Electra-Säulen künftig über die Electra-App mit Smart-Abo lädt, spart dort 15 Cent je Kilowattstunde. Die 4,99 Euro Abogebühr sind damit ab rund 33 kWh im Monat hereingeholt, also schon mit einer größeren Ladung an der Autobahn. Mit MB.Charge L liegt die Schwelle bei rund 45 kWh [12].

Warum Mercedes sein Ladenetz in Europa abgibt

Electra und Mercedes sprechen in ihrer gemeinsamen Mitteilung von einer „Premium-Partnerschaft“, das Wort Verkauf kommt darin nicht vor [1]. Er steht im Zwischenbericht von Mercedes zum dritten Quartal. Demnach hat der Vorstand im Juli 2026 beschlossen, das eigene Schnellladenetz in Europa zu veräußern, der Kaufvertrag wurde am 3. August unterschrieben [7]. Einen Preis nennen beide Unternehmen nicht. In der Bilanz standen die Ladeparks zuletzt mit Vermögenswerten von 99 Millionen Euro, darunter 73 Millionen Euro Sachanlagen, denen 21 Millionen Euro Schulden gegenüberstanden [7].

Das ist eine Kehrtwende. Mercedes wollte bis Ende des Jahrzehnts weltweit mehr als 10.000 eigene Schnellladepunkte betreiben und hatte noch 2025 angekündigt, sein Ladenetz auf bis zu acht weitere Länder auszurollen [3][7]. Electra-Deutschlandchef Paul Tonini nennt im Gespräch mit electrive den wirtschaftlichen Hintergrund: Schnellladenetze rechneten sich erst ab einer gewissen Größe, sonst wären „die Kosten einfach zu hoch für das, was ich damit an Erträgen erwirtschaften kann“ [7]. Electra selbst betreibt nach eigenen Angaben mehr als 800 Standorte, nennt eine Verfügbarkeit des Netzes von über 98,5 Prozent und will bis 2030 auf 15.000 Schnellladepunkte wachsen [1][7].

Hand in dunkler Winterjacke steckt einen schwarzen Ladestecker in die Ladebuchse eines weißen Elektroautos im Carport, das Kabel führt zu einer grauen Wallbox mit grünem Licht an der Hauswand, warm beleuchtetes Küchenfenster, kalte blaue Nacht.

In China und den USA betreibt Mercedes seine eigenen Ladeparks vorerst weiter [7]. In Europa setzt der Konzern auf Partner: auf Ionity, an dem er selbst beteiligt ist, und nun auf Electra. Wie lange die Premium-Partnerschaft mit Electra laufen soll, wollte das Unternehmen gegenüber electrive nicht sagen [7].

Quellen und Referenzen

[1] Electra / Mercedes-Benz — Electra und Mercedes-Benz bauen Premium-Schnellladeangebot in Europa aus, Pressemitteilung, Paris/Stuttgart, 3. November 2026
https://www.go-electra.com/de/newsroom/electra-and-mercedes-benz

[2] Digital Charging Solutions / Mercedes-Benz — MB.CHARGE Public, Preisliste Österreich, Fassung vom 2. November 2026
https://eu.charge.mercedes-benz.com/api/public/v1/AT/tariffs/pdf?locale=de_AT

[3] Mercedes-Benz Österreich — Mercedes-Benz expandiert eigenes Ladenetz nach Österreich: Erster Ladepark in Parndorf eröffnet, Presseinformation, 30. Juni 2025
https://presse.mercedes-benz.at/news-mercedes-benz-expandiert-eigenes-ladenetz-nach-oesterreich-erster-ladepark-in-parndorf-eroeffnet?id=219738&l=deutsch

[4] Mercedes-Benz Österreich — Mercedes-Benz eröffnet neuen Ladepark in Spittal an der Drau, Kärnten, Presseinformation, 27. Februar 2026
https://media.mercedes-benz.at/news-mercedes-benz-eroeffnet-neuen-ladepark-in-spittal-an-der-drau-kaernten?id=237776&l=deutsch&menueid=9661

[5] Electra-Hilfezentrum — Mercedes-Benz Ladestationen schließen sich dem Electra-Netzwerk an; Unsere Preisgestaltung (Österreich), November 2026
https://intercom.help/go-electra/de/articles/18172241-mercedes-benz-ladestationen-schliessen-sich-dem-electra-netzwerk-an
https://intercom.help/go-electra/de/articles/7987274-unsere-preisgestaltung

[6] Electra-Hilfezentrum — ELECTRA+ rates: Rabatt Essential und Smart, keine variablen Preise in Österreich, ChargeLeague-Preise
https://intercom.help/go-electra/en/articles/10749707-electra-rates

[7] electrive.net — Mercedes-Benz gibt Ladeparks in Europa auf – Electra übernimmt, 3. November 2026
https://www.electrive.net/2026/11/03/mercedes-benz-gibt-ladeparks-in-europa-auf-electra-uebernimmt/

[8] GoingElectric — Schnellladestationen an der A1 (Allhaming, Altlengbach), Stand 11. Oktober 2026
https://www.goingelectric.de/stromtankstellen/autobahn/at/a1?richtung=reverse

[9] Tanken24 — Mercedes-Benz Charging Hub Völkermarkt, Daten aus dem Ladestellenverzeichnis (12 Ladepunkte, 400 kW, ad hoc 58,8 ct/kWh)
https://www.tanken24.at/ladestellen/kaernten/voelkermarkt/mercedes-benz-charging-hub-voelkermarkt-9341

[10] GoingElectric — Mercedes-Benz: Electra kauft 47 Ladeparks in Europa, 3. November 2026
https://www.goingelectric.de/2026/11/03/news/mercedes-benz-electra-kauft-47-ladeparks-in-europa/

[11] heise autos — Electra integriert Mercedes-Schnellladeparks und öffnet Netz für MB.Charge, 3. November 2026
https://www.heise.de/news/Electra-integriert-Mercedes-Schnellladeparks-und-oeffnet-Netz-fuer-MB-Charge-11508156.html

[12] Berechnung Motor News: Kosten einer Ladung mit 50 kWh zu den Preisen laut [2], [3], [5] und [9]; Gewinnschwelle von Electra+ Smart = 4,99 Euro geteilt durch den Preisabstand je kWh

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