Ein gebrauchter BYD war in Österreich vor drei Jahren eine Rarität. Von Jänner bis September 2023 wurden laut Statistik Austria 56 Stück umgemeldet, im selben Zeitraum 2026 waren es 2.618. [1] Auch MG legt zu, obwohl der Gebrauchtwagenmarkt insgesamt schrumpft. In Deutschland misst die Plattform mobile.de denselben Trend: Die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos chinesischer Marken ist seit Jahresbeginn um knapp 60 Prozent gestiegen. [2] [4] Der Grund ist vor allem der Preis. Die Kehrseite: Kaum ein Auto verliert so schnell an Wert. Für Käufer ist das eine Chance, wenn sie wissen, was sie prüfen müssen.
Gebrauchte BYD haben sich in Österreich mehr als verdoppelt
Die Zahlen der Statistik Austria zählen jede Ummeldung eines gebrauchten Pkw nach Marke. Von Jänner bis September 2026 kamen BYD auf 2.618 Gebrauchtzulassungen, nach 1.021 im Vorjahreszeitraum, ein Plus von 156 Prozent. MG wuchs von 2.650 auf 3.186, also um 20 Prozent. Der gesamte Gebrauchtwagenmarkt ging im selben Zeitraum um 2,9 Prozent auf 614.321 Autos zurück. [1]
Auf den Gesamtmarkt gerechnet bleiben beide Marken klein: Zusammen kommen sie auf knapp ein Prozent aller Gebrauchtzulassungen, vor einem Jahr waren es 0,6 Prozent. Die Statistik unterscheidet nach Marke, nicht nach Antrieb. Bei MG stecken darin auch Benziner und Hybride wie der ZS, bei BYD auch Plug-in-Hybride. [1] Der Trend ist trotzdem eindeutig. Vieles spricht dafür, dass hier die Neuwagen von vor zwei, drei Jahren nachrücken; auch mobile.de nennt Leasingrückläufer aus Flotten als Treiber des wachsenden Angebots an gebrauchten E-Autos. [2]

Nach drei Jahren 43 Prozent unter Neupreis
Wie groß der Preisvorteil ist, zeigen die Daten von mobile.de für Deutschland. Im August wurden gebrauchte E-Autos chinesischer Hersteller im Schnitt 24 Prozent günstiger angeboten als vergleichbare europäische Modelle. [2] [3] Unter den gefragten Modellen kostete ein MG4 im Schnitt 24.302 Euro, ein BYD Atto 3 33.822 Euro und ein BYD Seal 38.587 Euro. [3]
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Der niedrige Preis hat eine Ursache, die Käufer kennen sollten: Chinesische E-Autos verlieren schneller an Wert. Nach zwei Jahren lagen sie laut mobile.de im Schnitt 21,4 Prozent unter ihrem Neupreisniveau, europäische Modelle 18,4 Prozent. Nach drei Jahren sind es 42,9 gegen 36,2 Prozent. [3] mobile.de nennt im Händlerreport einen Grund dafür: Die chinesischen Hersteller bringen neue Modelle, Facelifts und Software-Updates in kurzer Folge, und jedes neue Modell drückt den Preis der Gebrauchten. [2]
Wer heute kauft, profitiert davon. Er sollte aber damit rechnen, dass auch sein Auto beim Wiederverkauf schneller an Wert verliert als ein vergleichbarer VW oder Škoda. In der mobile.de-Umfrage sehen die Befragten europäische Marken bei Qualität, Sicherheit und Wertstabilität weiterhin vorne, chinesische bei Preis-Leistung und Innovation. [3]
Noch günstigere Angebote kommen direkt aus China. Der Händler China EV Marketplace verkauft nach eigenen Angaben junge Gebrauchte mit rund 6.000 Kilometern etwa 40 Prozent unter ihrem ursprünglichen chinesischen Listenpreis; von Jänner bis September stiegen seine Verkäufe gebrauchter Autos an Kunden in der EU um 280 Prozent auf 7.900. Der Hintergrund: Die EU-Zusatzzölle von bis zu 45,3 Prozent gelten für neue chinesische Elektroautos, nicht für gebrauchte. [5] Bei solchen Direktimporten aus China sollten sich Käufer vor dem Kauf schriftlich bestätigen lassen, welche Garantie gilt.
Garantie: 7 Jahre bei MG, 8 Jahre auf den BYD-Akku
Bei Autos, die über die europäischen Händler verkauft wurden, ist die Herstellergarantie das stärkste Argument für einen jungen Gebrauchten. MG gibt seit 2021 7 Jahre oder 150.000 Kilometer auf das ganze Auto, ausdrücklich einschließlich Lithium-Ionen-Akku und Elektromotor. Die Garantie geht laut MG auf den nächsten Besitzer über. [6] Ein MG4 aus dem Jahr 2022, der erst 60.000 Kilometer gelaufen hat, ist damit noch bis 2029 abgedeckt.
BYD trennt die Bauteile: 6 Jahre oder 150.000 Kilometer auf das Fahrzeug, 8 Jahre oder 150.000 Kilometer auf den Elektroantrieb und 8 Jahre oder 250.000 Kilometer auf die Blade-Batterie, die bis dahin mindestens 70 Prozent ihres ursprünglichen Gesundheitszustands behalten muss. [7] [8] Die höhere Kilometergrenze gilt seit Jänner 2026 auch rückwirkend für alle BYD, die in Europa bereits zugelassen sind, Österreich eingeschlossen. Ausgenommen sind Autos aus Mobilitätsdiensten und mit eigenen Flottenverträgen. [8] Wer einen ehemaligen Miet- oder Carsharing-Wagen ansieht, sollte also nachfragen.
Mit unserem Rechner sehen Sie, wie viel Herstellergarantie ein inserierter MG oder BYD laut den Bedingungen noch hat:
Akku-Check: Was der ÖAMTC-Test in drei Minuten zeigt
Die wichtigste Frage bei jedem gebrauchten Elektroauto steht in keinem Fahrzeugschein: Wie gut ist der Akku noch? Gemeint ist der Gesundheitszustand, kurz SoH (State of Health), also wie viel Kapazität die Batterie im Vergleich zum Neuzustand noch hat. [9] Der Ladestand in der App oder im Cockpit verrät darüber nichts.

Seit 1. September 2026 bietet der ÖAMTC an fast allen Stützpunkten einen Flash-Test an. Er dauert rund drei Minuten, das Auto muss weder geladen noch gefahren werden: Die Batteriedaten werden ausgelesen und vom Partner Aviloo bewertet. Das Ergebnis ist ein Zertifikat mit einer Einschätzung des Gesundheitszustands. [9] Dazu kommt eine Batterie-Garantie von Aviloo mit einem garantierten SoH-Wert: Liegt ein späterer Flash-Test innerhalb der vorgegebenen Frist und Kilometergrenze darunter, kann man einen Anspruch bei Aviloo geltend machen. Der ÖAMTC selbst ist nicht Garantiegeber. [9]
Gründlicher ist der Premium-Test. Dafür baut ein ÖAMTC-Techniker ein Messgerät ein, der Besitzer fährt den voll geladenen Akku innerhalb von sieben Tagen ohne Zwischenladen auf etwa 10 Prozent herunter. [9] Für eine Kaufentscheidung ist das vor allem dann sinnvoll, wenn der Flash-Test auffällig war und der Verkäufer mitspielt. Welche Modelle sich prüfen lassen, steht in der Fahrzeugliste von Aviloo. [9]

Große Angst vor dem Akku muss man laut ÖAMTC meist nicht haben: Eine Auswertung von über 1.200 Batterietests im Clubmagazin auto touring zeigte, dass die befürchteten großen Kapazitätsverluste ausbleiben. [10] Ein eigenes Thema ist der Winter. Das Thermomanagement des Akkus ist in günstigeren Autos oft weniger ausgefeilt, bei Eiseskälte sinkt die Reichweite dann besonders. [10]

Was beim Besichtigen außerdem zählt
Abseits des Akkus nennt der ÖAMTC einige Punkte, die bei Elektroautos anders sind als bei Verbrennern: [10]
- Bremsen: Weil E-Autos vor allem über den Motor bremsen (Rekuperation), neigen die Bremsscheiben zu Rost.
- Serviceheft: Ein vollständiges Serviceheft einer Vertragswerkstätte ist Pflicht, weil es zeigt, dass Software-Updates aufgespielt und Rückrufe erledigt wurden.
- Ladetechnik: Der Schnellladestandard CHAdeMO läuft in Europa aus; Typ-2- und CCS-Stecker sind zukunftssicher.
- Ladetarife: Schon vor dem Kauf klären, wo und zu welchem Tarif man laden wird.
- Kaufüberprüfung: Die ÖAMTC-Kaufüberprüfung prüft das ganze Auto und enthält bei E-Autos einen Batterie-Flash-Test.

ÖAMTC-Techniker Christian Klejna rät außerdem, nicht mehr als acht Jahre zurückzugehen: Ältere Akkus sind deutlich schwächer, Ersatzteile werden rar, und die übliche Akku-Garantie endet meist nach acht Jahren. Vor der Suche sollte man die eigene Lage klären: „Wie weit will ich fahren, wie groß soll das Auto sein, welche Lademöglichkeiten habe ich zu Hause oder in der Nähe?“ [10]

Bildergalerie: der MG4 Electric im Detail
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Werkstatt in der Nähe? Vor dem Kauf nachsehen
Ein Nachteil, den der Preis nicht zeigt: Viele chinesische Hersteller sind laut AUTO BILD erst seit Kurzem auf dem deutschen Markt und haben ein dünneres Händler- und Werkstattnetz als die etablierten Marken. Das kann längere Wartezeiten beim Service, weite Anfahrten zur Inspektion und eine langsamere Ersatzteilversorgung bedeuten. [3] Laut einer Untersuchung von AUTO BILD unterscheiden sich die Marken dabei deutlich: Einige nutzen das Netz europäischer Partner, andere betreiben eigene Teilelager in Europa. [3] Bevor man für einen gebrauchten BYD oder MG weit fährt, lohnt deshalb ein Blick in die Händlersuche der Marke, wo die nächste Werkstatt liegt.
Quellen und Referenzen
[1] Statistik Austria — Pkw-Gebrauchtzulassungen nach Marken ab Jänner 2000 (Open Data, Stand 14. Oktober 2026), eigene Auswertung Jänner bis September
https://data.statistik.gv.at/ogd/json?dataset=OGD_f0760ext_OD_PkwGZL_1
[2] mobile.de — m.Q Der Datenreport von mobile.de, Oktober 2026
https://promo.mobile.de/b2b/wp-content/uploads/m.Q-Der-Datenreport-von-mobile.de-Oktober-2026.pdf
[3] AUTO BILD — Gebrauchtwagen: Immer mehr günstige China-Elektroautos verfügbar, 16. Oktober 2026
https://www.autobild.de/artikel/guenstige-elektro-gebrauchtwagen-aus-china-28856157.html
[4] WirtschaftsWoche — BYD, MG4 und Co.: Chinesische E-Autos als Gebrauchtwagen immer beliebter, 20. Oktober 2026
https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/byd-mg4-und-co.-chinesische-e-autos-als-gebrauchtwagen-immer-beliebter/100263448.html
[5] tuningblog — Gebrauchte E-Autos aus China boomen in Europa: teils 40 Prozent unter Listenpreis, 22. Oktober 2026
https://www.tuningblog.eu/kredit-finanzierung-leasing-co/gebrauchte-e-autos-china-europa-808182/
[6] MG Motor Österreich — Sorglos fahren: MG bietet eine der besten Garantiebedingungen
https://news.mgmotor.eu/at/sorglos-fahren-mg-bietet-eine-der-besten-garantiebedingungen/
[7] BYD Austria — Service & Garantie
https://www.bydauto.at/service-garantie
[8] BYD — Garantie der Blade-Batterie auf acht Jahre oder 250.000 km erweitert, 19. Jänner 2026
https://media.byd.com/byd-etend-la-garantie-de-sa-batterie-blade-a-huit-ans-ou-250-000-km/
[9] ÖAMTC — ÖAMTC Batterie-Diagnose für E-Autos
https://www.oeamtc.at/mitgliedschaft/pruefdienst-leistungen/oeamtc-batterie-diagnose-fuer-e-autos-44341749
[10] ÖAMTC auto touring — E-Auto gebraucht kaufen
https://www.oeamtc.at/autotouring/auto/e-auto-gebraucht-kaufen-87037776




