Dacia legt sich nicht fest, ab wann die Marke nur noch Elektroautos verkauft. „Wir haben kein fixes Datum, ab dem wir hundertprozentig elektrisch sein müssen“, sagte Dacia-Chefin Katrin Adt am Rande des Pariser Autosalons vor Journalisten aus Deutschland und Österreich. [1] Verbrenner und Hybride bleiben im Programm, „solange es die Gesetzgebung erlaubt – und vor allem: solange die Kunden es wollen“. [1] Für Käufer in Österreich ist das keine abstrakte Strategiefrage. Es bedeutet, dass das Angebot zweigeteilt bleibt: ein einziges Elektroauto, der neue Spring ab 17.990 Euro, und daneben Benzin, Mild-Hybrid und Vollhybrid. [8] Was das beim Händler konkret heißt und wo die Marke beim E-Auto noch steht.
„Solange die Kunden es wollen“: was Katrin Adt genau gesagt hat
Die Managerin, die seit September 2025 an der Spitze von Dacia steht und zuvor bei Smart den kompletten Umstieg auf Elektroantrieb begleitet hat, begründet die Zurückhaltung mit der eigenen Kundschaft. [3] „Viele unserer Kunden sind Privatkäufer, die ihr hart verdientes Geld investieren. Sie brauchen bezahlbare, langstreckentaugliche Hauptfahrzeuge im Haushalt“, sagte sie auf eine Frage des Portals Edison. [1] Gemeint ist das eine Auto der Familie, mit dem man in die Arbeit und in den Urlaub fährt, nicht der Zweitwagen für die Stadt.
Ein Rückzug vom Elektroauto ist das nicht. Bis 2030 will Dacia vier Elektromodelle auf den Markt bringen, und zwar von unten nach oben: „Wir fangen mit der Elektrifizierung im A-Segment an, wo die Autos leicht sind und man keine Riesen-Batterien für Fahrten zur Oma nach Italien braucht.“ [1] Parallel elektrifiziert die Marke die ganze Palette mit Hybriden, wie Adt im Interview mit dem ÖAMTC-Magazin auto touring erklärte: „Wir gehen klar den Weg der Elektrifizierung – aber so, dass sich unsere Kunden diese leisten können.“ [3]

Dass Adt die Gesetzgebung als Bedingung nennt, hat einen aktuellen Hintergrund. Die EU-Kommission hat Ende 2025 vorgeschlagen, das Ziel für 2035 von 100 auf 90 Prozent weniger CO₂ bei Neuwagen abzuschwächen. Am 23. Oktober haben der Industrie- und der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments einer Lockerung zugestimmt, beschlossen ist sie aber erst nach einem Kompromiss mit den EU-Staaten. [5] Ein festes Enddatum für Verbrenner, auf das sich Dacia ausrichten könnte, gibt es damit derzeit schlicht nicht.
Gerade aktuell
Der neue Spring: Dacias einziges Elektroauto in Österreich
Das Elektroangebot der Marke besteht in Österreich aus einem Modell. Der Spring der zweiten Generation wurde am 8. September vorgestellt und ist komplett neu: Er steht auf der Plattform des elektrischen Renault Twingo und läuft wie dieser im slowenischen Werk Novo Mesto vom Band. [6] [2] Der Motor leistet 60 kW (82 PS), die LFP-Batterie hat 27,5 kWh nutzbare Kapazität und reicht laut WLTP für bis zu 250 Kilometer. [6] [7] Auf dacia.at startet der Spring Expression Electric 80 bei 17.990 Euro, die ganze Modellreihe soll unter 20.000 Euro bleiben. [8] [6]
Für Pendler ist das mehr, als die Zahl auf dem Papier vermuten lässt. Fahrerinnen und Fahrer des alten Spring legen laut Dacia im Schnitt 34 Kilometer am Tag zurück und laden in drei von vier Fällen zuhause. [6] An der Haushaltssteckdose dauert das Laden von 15 auf 80 Prozent rund neun Stunden. Mit dem optionalen Schnellladepaket sind es an einer 11-kW-Wallbox 1 Stunde 55 Minuten und am 50-kW-Schnelllader 28 Minuten. [6] Wie weit man mit einem kleinen Akku im österreichischen Alltag tatsächlich kommt, haben wir hier mit den ADAC-Verbrauchswerten nachgerechnet.

Mit Geld vom Staat können Käufer dabei nicht rechnen. Das letzte Bundesprogramm „E-Mobilität 2025“ förderte nur noch einspurige E-Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur und ist laut ÖAMTC am 31. März 2026 ausgelaufen. [9] Einen Vorteil hat der Spring trotzdem: Als E-Auto mit 0 g/km CO₂ fällt für ihn keine Normverbrauchsabgabe (NoVA) an, die bei Benzinern und Hybriden im Listenpreis steckt. Beim Bigster liegt sie je nach Version zwischen 3 und 8 Prozent. [10]

Eine Konkurrenz im eigenen Haus sieht Adt im Twingo nicht, obwohl beide Autos dieselbe Technik und dasselbe Werk teilen: „Haben Sie den Twingo gesehen? Haben Sie den Spring gesehen? Das sind doch zwei sehr unterschiedliche Fahrzeuge!“ [1]
Alle anderen Modelle: Hybrid, Mild-Hybrid oder Benzin
Wer bei Dacia kein Elektroauto will oder braucht, wählt in Österreich zwischen Benzinern, Mild-Hybriden und Vollhybriden. Seit August ist der Vollhybrid auch im Sandero bestellbar, damit hat jedes Dacia-Modell eine elektrifizierte Version. [11] Laut Renault Österreich, dem Importeur der Marke, ist schon jede dritte Dacia-Neuzulassung in Österreich elektrifiziert, gemeint sind Hybride, nicht reine E-Autos. [11] So sehen die Einstiegspreise aus:
| Modell | Einstieg in Österreich | Antrieb |
|---|---|---|
| Sandero | 13.490 € | Benzin TCe 100, auch als Vollhybrid |
| Spring | 17.990 € | Elektro, 60 kW, bis 250 km WLTP |
| Jogger | 18.990 € | Benzin TCe 110, auch als Vollhybrid |
| Duster | 21.490 € | Mild-Hybrid 140, auch als Vollhybrid |
| Bigster | 24.790 € | Mild-Hybrid 140; Vollhybrid ab 28.790 € |
| Striker | 26.990 € | Vollhybrid 155, 4×4 ab 28.790 € |
Die Preise sind unverbindliche Listenpreise inklusive NoVA, ohne Aktionen und zuzüglich Auslieferungspauschale. [8] [10] [12] Der Vollhybrid kombiniert im Sandero einen 1,8-Liter-Benziner mit zwei Elektromotoren und einer kleinen Batterie von 1,4 kWh, die sich beim Bremsen selbst lädt. In der Stadt soll er bis zu 80 Prozent der Fahrzeit elektrisch fahren, der Normverbrauch liegt ab 4,2 Litern. [11] Laden muss man ihn nie, und genau darauf zielt Adts Argument vom „Hauptfahrzeug im Haushalt“.

Beim Preis lohnt der Blick auf die NoVA. Im Bigster Expression zahlt der Vollhybrid 155 nur 3 Prozent, der Mild-Hybrid 140 dagegen 6 Prozent und der Allrad-Hybrid 7 Prozent. [10] Vom Nettopreis gerechnet sind das beim Vollhybrid rund 710 Euro, beim Mild-Hybrid rund 1.200 Euro, so unsere Rechnung nach der Preisliste. Die niedrigere Steuer gleicht also einen kleinen Teil des Aufpreises von 4.000 Euro wieder aus. Den Tribrid, den Adt als Beispiel für Dacias Kombinationstechnik nennt, eine Mischung aus Verbrenner, Elektromotor, Flüssiggas und Allrad, bietet Dacia in Österreich nicht an. [3]

Was Österreichs Zulassungszahlen über Dacia und das E-Auto zeigen
Der Markt bewegt sich schneller, als Dacias Programm vermuten lässt. Von Jänner bis September wurden in Österreich 241.108 neue Pkw zugelassen, 26,2 Prozent davon rein elektrisch und 40,6 Prozent mit Hybridantrieb. Im September war mit 33,6 Prozent schon jedes dritte neue Auto ein Elektroauto. [13] Die beliebtesten E-Marken waren BMW, Skoda, Tesla, BYD und VW. [13]
Dacia kam im selben Zeitraum auf 8.465 neue Pkw und damit auf einen Marktanteil von 3,5 Prozent. [14] Wie klein der Elektroanteil der Marke ist, lässt sich aus der Statistik ablesen: Statistik Austria weist den durchschnittlichen CO₂-Wert jeder Marke einmal mit und einmal ohne E-Autos aus. Bei Dacia liegt er in beiden Fällen bei 121 g/km. Rechnerisch waren damit weniger als ein Prozent der neuen Dacia elektrisch, so unsere Auswertung. [14] Die Zahlen reichen bis September, der neue Spring wurde erst Anfang September vorgestellt.
Österreich nennt Adt „einen wichtigen Markt“, mit gutem Marktanteil und „einer unglaublich guten Markenpositionierung“. [3] Sie erklärt im selben Interview auch, warum der Kurs vorsichtig bleibt. Die Benzinkrise nach der Sperre der Straße von Hormus habe Dacia-Kunden mit knappem Mobilitätsbudget besonders getroffen, viele hätten den Autokauf aufgeschoben. In großen Märkten wie Deutschland und Frankreich hätten Kaufprämien die Nachfrage zudem stärker Richtung Elektroauto verschoben. [3] In Österreich fällt dieser Hebel weg, hier bleibt der Listenpreis das wichtigste Argument. Und der steigt: Laut Adt ist der Neuwagenpreis in den vergangenen acht Jahren um 40 Prozent gestiegen, vor allem wegen EU-Vorgaben, für die Dacia derzeit 25 Prozent seines Entwicklungsbudgets aufwendet. [3]
Bildergalerie: der neue Dacia Spring
12 Fotos · wischen











Hipster und Range Extender: was bei Dacia noch offen ist
Das kleinste Elektroprojekt der Marke wartet auf Brüssel. Das Hipster Concept, ein nur drei Meter langer Elektro-Kleinwagen mit vier Sitzen, wurde im Herbst 2025 gezeigt. Ob und wann er kommt, hängt davon ab, welche EU-Regeln künftig für solche Fahrzeuge gelten, und darüber ist noch nicht entschieden. [1] „Wir haben inzwischen weitergearbeitet und nicht aufgehört – wir können zwar noch nichts offiziell verkünden, sind aber voller guter Hoffnung“, sagt Adt. [1]

Auch beim neuen Striker, den es vorerst nur als Hybrid gibt, ist eine Elektroversion in Vorbereitung. Zusätzlich denkt Dacia über einen Range Extender nach, also einen Elektroantrieb mit kleinem Verbrenner, der unterwegs Strom erzeugt. [1] Ob der Striker diese Technik bekommt, ist noch offen. [4] Adt nennt das „eine irre attraktive Idee: Unter der Woche elektrisch fahren, und für die Langstrecke verlängert man die Reichweite“. Ob es klappt, hängt für sie am Preis: „Wir müssen schauen, ob wir das technologisch so hinbekommen, dass es für unsere Kunden bezahlbar bleibt.“ [1] Der Mutterkonzern ist hier schon weiter: Renault hat für seine neue Elektroplattform ab 2028 eine Range-Extender-Version angekündigt.

Einen Termin für einen elektrischen Striker oder einen Range Extender hat Dacia nicht genannt, ebenso wenig einen österreichischen Marktstart für das zweite der vier geplanten Elektromodelle.
Quellen und Referenzen
[1] EDISON — Dacia – das IKEA-Prinzip auf Rädern, 15. Oktober 2026
https://edison.media/unternehmen/dacia-das-ikea-prinzip-auf-raedern/25273114/
[2] ecomento.de — Dacia: Kein fixes Datum für „hundertprozentig elektrisch“, 21. Oktober 2026
https://ecomento.de/2026/10/21/dacia-kein-fixes-datum-fuer-hundertprozentig-elektrisch/
[3] ÖAMTC auto touring — Dacia-CEO Katrin Adt im Interview, 14. Oktober 2026
https://www.oeamtc.at/autotouring/menschen/dacia-ceo-katrin-adt-im-interview-90008401
[4] GIGA — Nur noch E-Autos? Dacia-Chefin macht klare Ansage, 21. Oktober 2026
https://www.giga.de/tech/nur-noch-e-autos-dacia-chefin-macht-klare-ansage--01M5F04Y0FXBF4Z0X7BG4EJ591
[5] ecomento.de — EU-Parlament: Erste Ausschüsse stimmen für Aufweichung des Verbrenner-Aus, 23. Oktober 2026
https://ecomento.de/2026/10/23/eu-parlament-erste-ausschuesse-stimmen-fuer-aufweichung-des-verbrenner-aus/
[6] Renault Österreich — Neuer Dacia Spring: 100 % elektrisch, 100 % Dacia, 8. September 2026
https://media.renault.at/12/article/2909
[7] Dacia — New Dacia Spring: 100 % electric, 100 % Dacia, Pressemappe, 8. September 2026
https://media.dacia.com/new-dacia-spring-100-per-cent-electric-100-per-cent-dacia/?lang=eng
[8] Dacia Österreich — Modellübersicht und Preise, abgerufen am 26. Oktober 2026
https://www.dacia.at/
[9] ÖAMTC — Förderungen von E-Fahrzeugen für Privatpersonen in Österreich
https://www.oeamtc.at/thema/elektromobilitaet/foerderungen-von-e-fahrzeugen-fuer-privatpersonen-in-oesterreich-43021895
[10] Dacia Österreich — Preisliste Bigster, Datenstand 12. Oktober 2026
https://cdn.group.renault.com/dac/at/downloadcenter/Bigster/bigster-preisliste.pdf
[11] Renault Österreich — Dacia erweitert sein elektrifiziertes Angebot: Sandero jetzt auch als Vollhybrid, 19. August 2026
https://media.renault.at/12/article/2904
[12] Renault Österreich — Dacia Striker: Bestellstart und Preise ab 26.990 Euro, 20. Oktober 2026
https://media.renault.at/12/article/2925
[13] Statistik Austria — Zwischen Jänner und September 2026 um 12,1 % mehr neue Pkw in Österreich zugelassen, 9. Oktober 2026
https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2026/10/20261009KfzNeuzulassungenSeptember2026.pdf
[14] Statistik Austria — Pkw-Neuzulassungen Jänner bis September 2026 nach Marken, CO2-Emissionen und Verbrauch
https://www.statistik.at/fileadmin/pages/77/DE1_NeuzulassungenPkwJaennerBisSeptember2026NachMarkenCO2.ods






