Seit einigen Tagen macht in Österreich und Deutschland eine Rechnung die Runde: Plug-in-Hybride sollen künftig nur noch 15 Liter Sprit tanken dürfen, und wer nie lädt, müsste dann 57-mal im Jahr zur Tankstelle statt 17-mal [3]. Als „Mini-Tank-Plan der EU“ verbreitet, stammt die Idee aber nicht aus Brüssel. Sie steht in einem Bericht der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) vom Oktober 2025, als eine von vier Empfehlungen [1][2].
Was Plug-in-Fahrer tatsächlich spüren werden, ist eine unscheinbare EU-Rechenformel, der Utility Factor. Sie legt fest, wie viel Prozent ihrer Strecke ein Plug-in-Hybrid auf dem Papier elektrisch fährt, und sie wird ab 2027 ein zweites Mal verschärft [4][5]. In Österreich hängt am Ergebnis bares Geld, vor allem die motorbezogene Versicherungssteuer, die mit der Haftpflichtprämie bezahlt wird [7].
Woher der 15-Liter-Tank für Plug-in-Hybride kommt
T&E ist ein Brüsseler Verband von Umweltorganisationen, der sich für einen schnellen Umstieg auf E-Autos einsetzt. Im Bericht „Smoke screen“ vom 16. Oktober 2025 schlägt er vor, Plug-in-Hybride bei Regeln und Steuervorteilen nur noch zu bevorzugen, wenn sie vier Kriterien erfüllen [1]:
- ein Elektromotor mit mindestens der dreifachen Leistung des Verbrenners, damit das Auto in jeder Lage elektrisch fahren kann;
- mindestens 200 Kilometer elektrische Reichweite im Alltag bis 2030;
- Schnellladen mit Gleichstrom über 100 Kilowatt;
- ein Kraftstofftank mit höchstens 15 Litern.
Die Tankgrenze begründet T&E mit den großen Tanks der chinesischen Range-Extender-Modelle, die mit leerem Akku 900 Kilometer weit kommen. Der durchschnittliche Plug-in-Hybrid hat laut dem Bericht rund 51 Liter, genug für etwa 730 Kilometer nach Norm [1]. Mit 15 Litern und 6,7 Litern Verbrauch, dem Wert, den T&E für chinesische Range-Extender mit leerem Akku errechnet hat, wären es 224 Kilometer. Daraus stammt die Rechnung der österreichischen Plattform Exxpress: Wer 12.730 Kilometer im Jahr fährt und nie lädt, verbraucht rund 853 Liter und müsste 57-mal statt 17-mal tanken [3]. Die Rechnung stimmt, sie setzt aber voraus, dass der Akku nie geladen wird.
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Ein Gesetz ist daraus nicht geworden. AUTO BILD hat den Vorschlag eingeordnet: keine EU-Verordnung, kein konkreter Plan, und schon ein Jahr alt [2]. Plug-in-Hybride werden auch nicht verboten. In der laufenden Reform der CO₂-Flottenziele geht es im Gegenteil darum, ob sie über 2035 hinaus verkauft werden dürfen [10].
Was wirklich kommt: Die EU-Formel rechnet mit seltenerem Laden
Im Prüfzyklus WLTP wird ein Plug-in-Hybrid zweimal gemessen, einmal mit vollem Akku, der fast nur elektrisch fährt, und einmal mit leerem Akku als normaler Hybrid. Der Utility Factor gewichtet beide Werte zu dem CO₂-Wert, der im Typenschein steht. Je höher der angenommene Elektroanteil, desto niedriger der Normwert [5].
Die Formel steht in der Verordnung (EU) 2023/443. Ihre Stellschraube ist eine Normierungsdistanz, die die Kommission in zwei Schritten anhebt: von 800 auf 2.200 Kilometer mit der Abgasstufe Euro 6e-bis, die seit 2025 für neue Typen und seit 1. Jänner 2026 für alle Neuzulassungen gilt, und auf 4.260 Kilometer mit Euro 6e-bis-FCM, ab 1. Jänner 2027 für neue Typen und ab 1. Jänner 2028 für alle neu zugelassenen Plug-in-Hybride [4][5]. Bei einem Auto mit 60 Kilometern elektrischer Reichweite sinkt der angenommene Elektroanteil damit von rund 80 auf 50 und dann auf 30 Prozent; das hat der deutsche Herstellerverband VDA vorgerechnet und die Redaktion mit der Formel nachgerechnet [5].
Der Grund für die Korrektur sind die Verbrauchsmesser, die seit 2021 in jedem Neuwagen stecken. Laut der Auswertung von T&E fuhren Plug-in-Hybride der Zulassungsjahre 2021 bis 2023 nur 27 Prozent ihrer Strecke rein elektrisch, die alte Formel hatte 84 Prozent angenommen. Der reale CO₂-Ausstoß der 2023 zugelassenen Autos lag beim knapp Fünffachen des Normwerts [1]. Auch nach der zweiten Stufe bleibe er laut T&E noch 18 Prozent darüber [1].
Politisch ist dieser zweite Schritt umstritten. Der VDA verlangt, die Verschärfung auszusetzen [5], die Regierungsfraktionen in Berlin haben sich Ende August dieser Forderung angeschlossen [10]. Nach geltendem Recht tritt sie in Kraft, beschlossen ist eine Verschiebung bisher nicht.
Gleiches Auto, neuer Normwert: das Beispiel Peugeot 3008
Wie viel die Formel ausmacht, zeigt ein gängiges Modell. Der Peugeot 3008 Plug-in Hybrid 225 hat einen Benziner mit 110 kW, einen 55-Liter-Tank und kommt laut österreichischer Preisliste vom 16. Oktober 2026 auf 54 bis 56 Gramm CO₂ pro Kilometer; die NoVA beträgt null Prozent [9]. Mit leerem Akku verbraucht er laut Peugeot 6,1 bis 6,2 Liter auf 100 Kilometer [9]. Setzt man diesen Hybridwert in die drei Fassungen der Formel ein, kommt die Redaktion auf folgende Normwerte:
| Formel | angenommener Elektroanteil | CO₂-Normwert |
|---|---|---|
| bis 2024 (800 km) | 88 % | rund 17 g/km |
| Euro 6e-bis, seit 2025/26 (2.200 km) | 60 % | 55 g/km (Preisliste: 54–56) |
| Euro 6e-bis-FCM, ab 2027/28 (4.260 km) | 39 % | rund 84 g/km |
Das Auto ändert sich dabei um keine Schraube. Die Werte für 2024 und 2027/28 sind eine Näherung der Redaktion; der tatsächliche Wert entsteht erst bei der neuen Typprüfung, und Hersteller können mit größeren Akkus gegensteuern.

Was das in Österreich kostet: Versicherungssteuer statt NoVA
Bei der Normverbrauchsabgabe bleiben die meisten Plug-in-Hybride vorerst verschont. Der Steuersatz errechnet sich aus dem CO₂-Wert minus einem Abzugsbetrag, geteilt durch fünf. Der Abzugsbetrag liegt 2026 bei 91 Gramm und sinkt jedes Jahr um 3 Gramm, auf 85 Gramm im Jahr 2028 [6]. Der 3008 läge mit rund 84 Gramm auch dann noch knapp darunter. Jedes Modell, das nach der neuen Formel 5 Gramm über dem Abzugsbetrag landet, zahlt dagegen 1 Prozent NoVA auf den Nettopreis, abzüglich 350 Euro [6].
Spürbar wird die Formel bei der motorbezogenen Versicherungssteuer. Für Plug-in-Hybride, die seit Oktober 2020 zugelassen werden, kostet sie 0,72 Euro pro Monat für jedes Kilowatt des Verbrenners über einem Abzugsbetrag, dazu 0,72 Euro für jedes Gramm CO₂ über einem zweiten Abzugsbetrag. Jedes Gramm macht also 8,64 Euro im Jahr aus [7]. Der Gesetzgeber hat den CO₂-Abzug für Plug-in-Hybride bereits angepasst: Er stieg von 12 Gramm für 2025 auf 24 Gramm für 2026 und steigt auf 36 Gramm für Zulassungen ab 2028 [7].
Für den Peugeot 3008 ergibt das nach Rechnung der Redaktion 708 Euro im Jahr bei einer Zulassung 2026 und 874 Euro bei einer Zulassung 2028 mit dem höheren Normwert, also 166 Euro mehr, jedes Jahr, solange das Auto angemeldet ist. Allein die neue Formel macht bei gleichem Zulassungsjahr 252 Euro im Jahr aus; dass unterm Strich 166 Euro bleiben, liegt am höheren Abzug für 2028. Teurer würde ein ganz neuer Typ, der schon 2027 nach der strengeren Formel geprüft und im selben Jahr zugelassen wird: Dann gilt noch der Abzug von 24 Gramm, und die Steuer läge bei 969 Euro [7].
Wer heute schon einen Plug-in-Hybrid fährt, ist davon nicht betroffen. Maßgeblich ist der CO₂-Wert im Typenschein, und der bleibt für ein zugelassenes Auto gleich [6][7]. Auch beim Dienstwagen ändert sich wenig: Der Sachbezug von 1,5 statt 2 Prozent gilt bis 126 Gramm, der 3008 bliebe auch mit rund 84 Gramm deutlich darunter. Für E-Autos fällt ab 2027 dagegen erstmals ein Sachbezug von 0,375 Prozent an, höchstens 180 Euro im Monat [8].


Was Plug-in-Fahrer, die nie laden, schon heute an der Zapfsäule zahlen
Die größte Rechnung bezahlen Plug-in-Fahrer, die selten laden, schon jetzt an der Zapfsäule. Die 853 Liter aus der Exxpress-Rechnung kosten beim österreichischen Super-Preis vom 26. Oktober von 1,772 Euro je Liter rund 1.511 Euro im Jahr [11]. T&E beziffert die Mehrkosten gegenüber dem, was die Normwerte versprechen, auf über 500 Euro pro Jahr, Ladestrom eingerechnet [1]. Ein Teil davon fällt sogar im Elektromodus an, weil dort bei Steigungen oder starkem Beschleunigen der Benziner mitläuft; T&E rechnet mit rund 250 Euro im Jahr [1].

Ein Mini-Tank würde diese Fahrer zum Laden zwingen, der Utility Factor tut es nicht. Er ändert nur, was auf dem Papier steht, und damit die Steuer beim nächsten Neuwagen. Der Peugeot 3008 kommt mit seinem 55-Liter-Tank bei den 6,7 Litern der Exxpress-Rechnung rund 820 Kilometer weit und müsste bei 12.730 Kilometern ohne Laden etwa 15- bis 16-mal im Jahr an die Säule, ganz gleich, welche Formel gerade gilt.
Quellen und Referenzen
[1] Transport & Environment (T&E) — Smoke screen: the growing PHEV emissions scandal, Bericht, 16. Oktober 2025
https://www.transportenvironment.org/articles/smoke-screen-the-growing-phev-emissions-scandal
https://uploads.transportenvironment.org/production/files/2025_10_PHEV_smoke_screen_report.pdf.pdf
[2] AUTO BILD — Was ist dran am Gerücht über kleine Tanks in Plug-in-Hybriden?, 31. Oktober 2026
https://www.autobild.de/artikel/angebliche-eu-plaene-15-liter-tanks-fuer-phev-28873411.html
[3] Exxpress — Nur 15 Liter: EU-geförderte Öko-Lobby will Mini-Tanks für Hybridautos, 30. Oktober 2026
https://exxpress.at/economy/nur-15-liter-eu-gefoerderte-oeko-lobby-will-mini-tanks-fuer-hybridautos/
[4] Verordnung (EU) 2023/443 der Kommission vom 8. Februar 2023 zur Änderung der Verordnung (EU) 2017/1151 (Emissionstypgenehmigung, Utility-Factor-Formel)
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32023R0443
[5] Verband der Automobilindustrie (VDA) — Aussetzen der Verschärfung des PHEV Utility Factor, Positionspapier, Mai 2025
https://www.vda.de/dam/jcr:2603246a-96be-4c6a-892c-acd84c2aebd6/VDA%20Position_PHEV%20Utility%20Factor.pdf
[6] RIS — Normverbrauchsabgabegesetz (NoVAG 1991) § 6, Fassung vom 31. Oktober 2026
https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10004698&Paragraf=6
[7] RIS — Versicherungssteuergesetz 1953 § 6 (motorbezogene Versicherungssteuer), Fassung vom 31. Oktober 2026
https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10003834&Paragraf=6
[8] RIS — Sachbezugswerteverordnung § 4 und Änderung BGBl. II Nr. 272/2026
https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20001641&Paragraf=4
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2026_II_272/BGBLA_2026_II_272.html
[9] Peugeot Austria — Preisliste PEUGEOT 3008, Stand 16. Oktober 2026; Stellantis Media — Zukünftige Euro-7-Norm: PEUGEOT passt Modellbezeichnungen seiner Plug-In Hybride an, 21. April 2026
https://www.peugeot.at/content/dam/peugeot/austria/downloads/preisliste/Preisliste_3008.pdf
https://www.media.stellantis.com/de-de/peugeot/press/zukuenftige-euro-7-norm-peugeot-passt-modellbezeichnungen-seiner-plug-in-hybride-an
[10] electrive — „Made in EU“-Regel für E-Auto-Förderung soll kommen, 31. August 2026; Auto-Paket: EU-Ausschüsse votieren für Lockerung der CO2-Regeln, 23. Oktober 2026
https://www.electrive.net/2026/08/31/made-in-eu-regel-fuer-e-auto-foerderung/
https://www.electrive.net/2026/10/23/auto-paket-eu-ausschuesse-votieren-fuer-lockerung-der-co2-regeln/
[11] Europäische Kommission — Weekly Oil Bulletin, Preise inkl. Steuern für Österreich, Stand 26. Oktober 2026
https://energy.ec.europa.eu/data-and-analysis/weekly-oil-bulletin_en



