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Ausgelöst hat die Debatte eine Warnung, die seit Ende Oktober die Runde macht: Wer sein Elektroauto zu Hause mit den üblichen elf Kilowatt lädt, könnte „mehrere hundert Euro“ im Jahr mehr an Netzgebühren zahlen. Die Initiative „Mein Auto“ kam in einem Rechenbeispiel, über das VOL.AT berichtete, auf rund 568 Euro Unterschied zwischen einem Haushalt mit 13 und einem mit 2 Kilowatt Spitze [6]. Dieses Beispiel bezieht sich allerdings auf die Endstufe des neuen Systems, die erst nach mehreren Jahresschritten erreicht wird. Was ab dem Umstieg tatsächlich gilt, steht im Tarifentwurf, den die E-Control am 29. Oktober in Begutachtung geschickt hat [1][2]. Wir haben ihn für jeden der 14 Netzbereiche durchgerechnet.
Wichtig vorab: Es geht hier nur um die Netzgebühr, also um das Netznutzungs- und das Netzverlustentgelt. Den Strom selbst bezahlt man getrennt beim Lieferanten, dazu kommen Abgaben. Den Netzbetreiber kann man, anders als den Lieferanten, nicht wechseln.
Netzentgelte 2027: zwei Tarife, und der Netzbetreiber bestimmt den Stichtag
Die E-Control hat für 2027 zwei Tarifsysteme nebeneinander festgelegt [1]. Im bisherigen System zahlen Haushalte einen Arbeitspreis je Kilowattstunde und eine fixe Pauschale. Diese steigt von 54 auf 82,80 Euro netto im Jahr, weil dafür das bisherige Messentgelt von bis zu 2,40 Euro im Monat wegfällt [2]. Im neuen System kommt ein Leistungspreis dazu: Er richtet sich nach der höchsten Viertelstunde, in der ein Haushalt im jeweiligen Monat Strom aus dem Netz bezieht. Der Smart Meter misst diesen Wert [3].
Wann ein Haushalt wechselt, entscheidet sein Netzbetreiber. Er muss der E-Control bis 11. November 2026 melden, wann er umstellen will. Möglich ist das frühestens am 1. Jänner 2027, spätestens gilt das neue System ab 1. Juli 2028; ohne eigene Festlegung greift der 1. Dezember 2027 [3][4]. Laut ORF planen die meisten Netzbetreiber den Umstieg erst 2028 [5].
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Für einen Durchschnittshaushalt mit 3.500 Kilowattstunden rechnet die E-Control 2027 mit sinkenden Kosten: minus 3,6 Prozent im alten System, minus 5,7 Prozent im neuen [1]. Regional gehen die Werte weit auseinander. In Niederösterreich sinkt die Netzgebühr im alten System um 12 Prozent, in Kärnten steigt sie um 9,6 Prozent [1]. Für ein E-Auto entscheidet aber weniger der Durchschnitt als die Frage, wie geladen wird.
Was 100 Kilometer Heimladen an Netzgebühr kosten
Unsere Rechnung geht von 20 Kilowattstunden aus dem Netz je 100 Kilometer aus, Ladeverluste eingerechnet; das entspricht gerundet dem mittleren Verbrauch von 19,6 kWh im Test des ADAC [7]. Gefahren werden 12.000 Kilometer im Jahr, alles zu Hause geladen. Alle Beträge enthalten 20 Prozent Umsatzsteuer und zeigen nur, was das Auto zusätzlich kostet: Die Pauschale beziehungsweise der Leistungspreis, den der Haushalt ohnehin zahlt, ist nicht eingerechnet.
| Netzbereich | Heute, Pauschale | Neu, gedrosselt | Neu, 11 kW voll |
|---|---|---|---|
| Vorarlberg | 1,13 € | 1,02 € | 3,18 € |
| Salzburg | 1,66 € | 1,36 € | 3,63 € |
| Graz | 1,47 € | 1,41 € | 3,87 € |
| Tirol | 1,73 € | 1,32 € | 3,97 € |
| Oberösterreich | 1,68 € | 1,43 € | 4,04 € |
| Linz | 1,51 € | 1,34 € | 4,12 € |
| Wien | 1,73 € | 1,48 € | 4,14 € |
| Klagenfurt | 1,66 € | 1,52 € | 4,22 € |
| Niederösterreich | 1,87 € | 1,53 € | 4,35 € |
| Steiermark | 2,08 € | 1,66 € | 5,13 € |
| Burgenland | 2,03 € | 1,58 € | 5,26 € |
| Innsbruck | 2,15 € | 1,77 € | 5,29 € |
| Kärnten | 2,70 € | 2,04 € | 5,83 € |
| Kleinwalsertal | 4,08 € | 2,75 € | 9,05 € |
Im heutigen System kostet das Heimladen damit zwischen 1,13 Euro je 100 Kilometer in Vorarlberg und 2,70 Euro in Kärnten; im kleinen Netzbereich Kleinwalsertal sind es 4,08 Euro. Im neuen System sinkt der Arbeitspreis überall. Wer so lädt, dass die höchste Viertelstunde des Monats nicht steigt, zahlt für das Auto deshalb weniger Netzgebühr als heute, in Wien 1,48 statt 1,73 Euro. Wer dagegen mit voller Leistung lädt, zahlt deutlich mehr: in Wien 4,14 Euro, also fast das Dreifache.

Der teure Ladefehler: eine Viertelstunde mit voller Wallbox-Leistung
Der Unterschied entsteht allein über den Leistungspreis. In Wien kostet laut Entwurf jedes Kilowatt der Monatsspitze 2,46 Euro netto im Monat, jedes Kilowatt über 10 kW das Eineinhalbfache, also 3,69 Euro [2]. Abgerechnet werden mindestens 2 kW [3]. Für den Durchschnittshaushalt legt die E-Control eine Spitze von 4 kW zugrunde [5]; das ist auch unser Ausgangswert für einen Haushalt ohne E-Auto.
Eine 11-kW-Wallbox hebt diese Spitze auf 12 kW, wenn nebenbei nur ein Kilowatt im Haus läuft, etwa Kühlschrank, Licht und Router. Dafür reicht schon eine einzige Viertelstunde im Monat. In Wien kostet das 26,57 Euro im Monat mehr, rund 319 Euro im Jahr. Österreichweit liegt dieser Aufschlag zwischen 259 Euro in Vorarlberg und 455 Euro in Kärnten. Fährt man weniger, verteilt er sich auf weniger Kilometer: Die Netzgebühr je 100 Kilometer steigt dann weiter.
Gegenüber dem Beispiel der Initiative fallen diese Beträge niedriger aus, weil sie auf den Preisen für den Umstieg beruhen: Der Entwurf sieht über 10 kW nicht den doppelten, sondern den 1,5-fachen Preis vor [2]. Die E-Control will das Verhältnis zwischen Arbeits- und Leistungspreis in drei Jahresschritten auf 50 zu 50 verschieben [4]. Das Gewicht der Spitze wird also eher noch wachsen.
Wie viel die eigene Ladeleistung im eigenen Netzbereich kostet, zeigt unser Rechner. Er nutzt dieselben Werte aus dem Entwurf.

So bleibt die Monatsspitze klein

Die gute Nachricht steckt in derselben Rechnung: Wer die Spitze nicht hebt, fährt im neuen System günstiger als heute. Dafür muss man nicht auf das E-Auto verzichten, sondern nur anders laden.
- Ladeleistung drosseln. Mit 3,7 kW lädt eine Wallbox in acht Nachtstunden knapp 30 Kilowattstunden, genug für rund 150 Kilometer. Bei 12.000 Kilometern im Jahr fährt man im Schnitt 33 Kilometer am Tag.
- Nicht gleichzeitig mit Herd, Wärmepumpe oder Sauna laden. Entscheidend ist die Summe im Haus. Ein Lastmanagement in der Wallbox kann die Ladeleistung automatisch zurücknehmen, wenn andere Geräte laufen.
- Den Winter-Nachttarif nutzen. Ab 1. Oktober 2027 kostet die Kilowattstunde von Oktober bis März zwischen 23 und 5 Uhr nur 80 Prozent des Arbeitspreises [2][3]. Das gilt nur, wenn der Smart Meter Viertelstundenwerte liefert und ausgelesen wird, und ohne frühere Opt-in-Erklärung nur mit Zustimmung des Kunden [2].
- Flexible Entnahme prüfen. Netzbetreiber müssen ab spätestens 1. Oktober 2027 auf Wunsch eine Vereinbarung anbieten, bei der sie einen Teil der Leistung, mindestens 4 kW, täglich in zwei Zeitfenstern zu je zwei Stunden sperren dürfen [3]. Dieser Teil kostet ein Viertel des Leistungspreises, in Wien 0,62 statt 2,46 Euro je kW und Monat [2]. Die Vereinbarung läuft in der Regel zehn Jahre [3]. Wer in einer Sperrzeit trotzdem mehr bezieht als vereinbart, zahlt für die Überschreitung zusätzlich den zehnfachen Leistungspreis, sofern der Netzbetreiber den Bezug nicht selbst technisch begrenzen kann [2][3].
Mit dem Leistungspreis bekommt auch die Wallbox-Einstellung ein Preisschild, das bisher keines hatte. Für die meisten Pendler ist die volle Ladeleistung zu Hause kein Gewinn an Alltagstauglichkeit, denn das Auto steht ohnehin die ganze Nacht. Was der Strom selbst je 100 Kilometer kostet, haben wir in einer eigenen Rechnung zu Akku und Ladekosten zusammengestellt.

Noch sind alle Beträge vorläufig. Die Begutachtung des Tarifentwurfs läuft bis 20. November 2026, die endgültigen Netzentgelte legt die E-Control danach fest [1]. Maßgeblich ist der Netzbereich, der auf der Stromrechnung steht: In Graz, Innsbruck, Klagenfurt und Linz gelten eigene Stadtnetz-Tarife, die sich vom übrigen Bundesland teils deutlich unterscheiden [2].
Quellen und Referenzen
[1] E-Control — Presseinformation: E-Control Regulierungskommission gibt neue Tarife für die Stromnetze ab 2027 in Begutachtung, 29. Oktober 2026
https://www.e-control.at/documents/d/guest/2026_10_28_stromnetzentgelte_begutachtung_final_final-pdf
[2] E-Control — Systemnutzungsentgelte-Tarife-Verordnung 2027 (SNE-T-V 2027), Begutachtungsentwurf samt Erläuterungen, §§ 2, 5, 10 und 11
https://www.e-control.at/documents/d/guest/snt-v-2027-begutachtungsentwurf-pdf
[3] RIS — Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V), BGBl. II Nr. 299/2026, 12. Oktober 2026, §§ 5, 6, 7, 10 und 32
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2026_II_299/BGBLA_2026_II_299.html
[4] E-Control — Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung: Systematik der neuen Entgelte, Präsentation, 14. Oktober 2026
https://www.e-control.at/documents/d/guest/20261014_systemnutzungsentgelte-grundsatzverordnung-pdf-pdf
[5] ORF — Netzentgelte für Strom sinken 2027 im Großteil des Landes, 29. Oktober 2026
https://orf.at/stories/3446525
[6] VOL.AT — E-Auto-Fahrer aufgepasst: Dieser Ladefehler könnte teuer zu stehen kommen, 30. Oktober 2026
https://www.vol.at/e-auto-fahrer-aufgepasst-dieser-ladefehler-koennte-teuer-zu-stehen-kommen/10594280
[7] ADAC — Test E-Autos: So hoch sind Reichweite und Verbrauch wirklich
https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/elektroauto/stromverbrauch-elektroautos-adac-test/




