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Bestätigt hat die Pläne das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) selbst: Im Herbst hat es eine Vorlage für Tempo 80 auf den Schweizer Autobahnen anderen Bundesämtern zur Stellungnahme vorgelegt, damit die Maßnahme „auf dem heutigen Stand vorbereitet“ ist [3][4]. Sie würde laut BWL bei einer schweren Mangellage die Bezüge aus den Pflichtlagern begleiten und zusätzlich Treibstoff sparen [3]. Der Bundesrat könnte sie dann selbst anordnen.
So weit ist es nicht. Laut dem Delegierten für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister, wäre Tempo 80 erst ein Thema, wenn ein substanzieller Teil der Pflichtlager aufgebraucht ist und freiwilliges Sparen nicht reicht [2]. Bis dahin bleibt es bei Freigaben aus den Lagern. Für Autofahrer aus Österreich lohnt sich der Blick auf die Details trotzdem: Die Schweizer Strafen hängen davon ab, wie viel man über dem Limit liegt, und mit einem neuen Limit verschieben sich alle Schwellen.
Tempo 80 in der Schweiz: Warum der Diesel knapp wird
Die Ursachen liegen zum Teil weit weg, zum Teil am Rhein. Seit dem Iran-Krieg sind die internationalen Ölmärkte angespannt. Dazu kommt das anhaltende Niedrigwasser: Benzin und Heizöl gelangen normalerweise per Schiff über Rotterdam nach Basel, doch der Rhein ist seit Langem kaum schiffbar [1][2]. Weiter fließt Rohöl per Pipeline von Marseille zur Raffinerie Cressier, fertiger Treibstoff kommt per Bahn, etwa aus Ingolstadt [2].

Als Starkregen in Südfrankreich Pumpstationen überflutete und die Pipeline-Lieferungen verzögerte, wurde Diesel kurzfristig knapp. Das BWL erlaubt deshalb vom 23. Oktober bis 22. November 2026 Bezüge von bis zu 45.000 Kubikmetern Diesel aus den Pflichtlagern, knapp vier Prozent der vorhandenen Menge [1]. Beim Flugtreibstoff wurden Bezüge bis 1. November bewilligt, die Versorgung mit Benzin und Heizöl gilt als gesichert [1].
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Wie ernst die Lage ist, wird in der Schweiz unterschiedlich bewertet. Pfister sieht in einem Tempolimit neben der Ersparnis „ein sehr starkes Signal an die Bevölkerung“ [2]. Der Transportunternehmer und SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner hält die Debatte für verfrüht: Die Lager würden beim heutigen Abbau über 24 Monate reichen, und auf der Autobahn fahre man „schon heute mehrheitlich nicht mehr mit 120“ [2]. Einig sind sich beide Seiten, dass die Versorgung angespannt ist, ein dramatischer Mangel aber derzeit nicht besteht [2].
Was eine Radarkontrolle bei Tempo 80 kosten würde
Die Schweiz misst Tempoverstöße in Kilometern pro Stunde über dem Limit, und zwar nach einem fixen Sicherheitsabzug: Bei Radarmessungen werden bis 100 km/h 5 km/h abgezogen, von 101 bis 150 km/h 6 km/h, darüber 7 km/h [8]. Auf der Autobahn gibt es bis 25 km/h netto zu schnell eine Ordnungsbusse von 20 bis 260 Franken [9]. Darüber folgt eine Anzeige, und die Behörden ordnen zusätzlich Maßnahmen an: ab 26 km/h eine Verwarnung, ab 31 km/h mindestens einen Monat Ausweisentzug, ab 35 km/h mindestens drei Monate [6][7].
Diese Stufen gelten nach heutiger Praxis für alle Autobahnen, also auch dort, wo ein tieferes Limit signalisiert ist [5][7]. Gilt Tempo 80, rutscht man deshalb viel schneller in die schweren Kategorien. Wir haben für typische Tachowerte nachgerechnet, was eine Radarmessung heute und bei Tempo 80 bedeuten würde.
| Gemessen | Heute, Tempo 120 | Bei Tempo 80 |
|---|---|---|
| 110 km/h | straffrei | 260 Franken Ordnungsbusse |
| 120 km/h | straffrei | Anzeige, mind. 1 Monat Entzug bzw. Fahrverbot |
| 130 km/h | 20 Franken Ordnungsbusse | Anzeige, mind. 3 Monate Entzug bzw. Fahrverbot |
| 140 km/h | 120 Franken Ordnungsbusse | Anzeige, mind. 3 Monate Entzug bzw. Fahrverbot |
| 150 km/h | 260 Franken Ordnungsbusse | Raserdelikt |
Wer wie gewohnt mit 120 km/h fährt, wäre unter dem Krisenlimit nach Abzug 34 km/h zu schnell. Das ist eine mittelschwere Widerhandlung mit mindestens einem Monat Entzug. Bei 130 km/h, dem Limit auf Österreichs Autobahnen, sind es 44 km/h und damit mindestens drei Monate. Lenker mit österreichischem Führerschein verlieren diesen nicht, die Schweiz kann ihnen aber für diese Zeit das Fahren auf Schweizer Gebiet verbieten [5].

Am stärksten verschiebt sich der Raserartikel. Er greift, wenn man mindestens 80 km/h zu schnell ist, wo mehr als 80 km/h erlaubt sind, aber schon ab 60 km/h zu viel, wo höchstens 80 km/h gelten [7]. Heute wird man auf der Autobahn erst mit einer Radarmessung von 207 km/h zum Raser, bei Tempo 80 schon mit 146 km/h. Raser werden mit einer Freiheitsstrafe von einem bis vier Jahren bestraft, verlieren den Ausweis für mindestens zwei Jahre, und ihr Auto kann eingezogen werden [6].
Auch eine Busse bleibt nicht an der Grenze hängen. Österreich, die Schweiz und Liechtenstein leisten einander Vollstreckungshilfe bei Verkehrsstrafen ab 70 Euro oder 100 Franken, wobei mehrere Strafen gegen dieselbe Person zusammengerechnet werden dürfen [10]. Ausgenommen sind Entscheide mit einer Freiheitsstrafe als Hauptstrafe [10].
Zeit gegen Sprit: Was das Krisenlimit bringen würde
Bei konstanter Fahrt braucht man für 100 Kilometer mit 120 km/h 50 Minuten, mit 80 km/h 75 Minuten, also die Hälfte länger. Dafür sinkt der Verbrauch deutlich. Christian Bach von der Forschungsanstalt Empa rechnet bei einem modernen Diesel mit 6,2 Litern je 100 Kilometer bei 120 km/h und 3,6 Litern bei 80 km/h, rund 40 Prozent weniger [4]. Im echten Verkehr mit Bremsen und Beschleunigen fiele die Ersparnis kleiner aus [4].
Offen ist, ob Elektroautos ebenfalls 80 fahren müssten. Jürg Grossen, Präsident der GLP und des Verbands Swiss eMobility, fordert, dass sie weiter 120 fahren dürfen, solange genug Strom vorhanden ist; das BWL äußert sich zu einer Ausnahme nicht [5].
Vignette und Tanken: Was vor der Fahrt in die Schweiz gilt
Unabhängig vom Tempolimit braucht jedes Auto bis 3,5 Tonnen auf Schweizer Autobahnen und Autostraßen eine Vignette. Sie kostet 40 Franken, als Klebevignette oder als E-Vignette, die online an das Kennzeichen gebunden wird [11]. Jede Vignette gilt 14 Monate: Die Vignette 2026 läuft bis 31. Jänner 2027, die Vignette 2027 gilt bereits ab 1. Dezember 2026 [11]. Wer erst im Dezember oder Jänner fährt und öfter in die Schweiz kommt, kauft also besser gleich die neue. Ohne gültige Vignette werden 200 Franken Busse fällig, die Vignette muss man trotzdem kaufen [12].

Tanken ist in der Schweiz derzeit teuer. Laut ADAC kostet Diesel dort 2,62 Euro je Liter, der höchste Wert im europäischen Vergleich des Clubs, Super E10 2,31 Euro [13]. In Österreich hält die Spritpreisbremse den Preis noch bis Ende November niedriger; vor der Grenze vollzutanken spart deshalb Geld.
Könnte auch Österreich ein Tempolimit gegen Spritmangel verordnen?
Rechtlich ja. Das Energielenkungsgesetz 2012 erlaubt es, per Verordnung das Überschreiten bestimmter Höchstgeschwindigkeiten für alle oder bestimmte Fahrzeuge auf allen oder bestimmten Straßen zu verbieten [14]. Voraussetzung ist eine drohende oder bereits eingetretene Störung der Energieversorgung, die keine bloß saisonale Verknappung ist oder sich mit Mitteln des Marktes nicht rechtzeitig beheben lässt [14]. Der Hauptausschuss des Nationalrats muss zustimmen, und die Maßnahme gilt höchstens sechs Monate, mit Verlängerung um bis zu sechs weitere [14].
Ein Klimaministerium, wie es das Gesetz im Wortlaut noch nennt, gibt es in dieser Form nicht mehr. Lenkungsverordnungen für Erdöl erlässt seit der Ministerienreform 2025 der Wirtschafts- und Energieminister: Wolfgang Hattmannsdorfer gab auf diesem Weg im März 2026 bis zu 325.000 Tonnen Rohöl aus den Pflichtnotstandsreserven frei, die Verordnung lief am 1. Oktober aus [15][16]. Ein Tempolimit war darin nicht vorgesehen.
Politisch steht ein niedrigeres Limit derzeit nicht zur Debatte. Als im Frühjahr wegen der Spritpreise über Tempo 100 statt 130 diskutiert wurde, schloss die Bundesregierung das aus, zuletzt Bundeskanzler Christian Stocker [17]. Der ÖAMTC rechnete damals vor, dass Tempo 100 den gesamten Spritverbrauch in Österreich nur um etwa drei Prozent senken würde, weil nur rund ein Drittel der Pkw-Kilometer auf Autobahnen und Schnellstraßen gefahren wird und dort vielerorts schon niedrigere Limits gelten [18].

Tempo 100 auf der Autobahn kennen Autofahrer in Österreich trotzdem: In Tirol gilt es auf Teilen der A12 Inntalautobahn und der A13 Brennerautobahn seit November 2014 dauerhaft [19]. Grund ist dort allerdings die Luftqualität nach dem Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L), nicht der Treibstoff. In der Schweiz entscheidet sich die nächste Etappe spätestens am 22. November, wenn die aktuelle Freigabe der Diesel-Pflichtlager endet [1].
Quellen und Referenzen
[1] Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) — Bezüge aus Diesel-Pflichtlager stellen Versorgung sicher, Medienmitteilung, 23. Oktober 2026
https://www.bwl.admin.ch/de/newnsb/14gLcyJCtZfC
[2] SRF — Tempo 80 auf Autobahnen: Bund prüft Massnahme, 29. Oktober 2026
https://www.srf.ch/news/schweiz/engpass-beim-treibstoff-tempo-80-auf-autobahnen-bund-prueft-massnahme
[3] Blick — Bund bereitet Tempo 80 auf Autobahnen vor, 24. Oktober 2026
https://www.blick.ch/politik/tempo-80-auf-schweizer-autobahnen-bund-bereitet-massnahme-vor/73rk9nt
[4] Nau.ch — Tempo 80 auf Autobahn: So viel Sprit liesse sich sparen, 27. Oktober 2026
https://www.nau.ch/news/schweiz/tempo-80-auf-autobahn-so-viel-sprit-liesse-sich-sparen-67193366
[5] Euronews — Sprit knapp: Schweiz erwägt Tempo 80 auf Autobahnen, 31. Oktober 2026; 20 Minuten — «Ausbremsen wäre absurd: E-Autos sollen weiter 120 fahren dürfen», 2. November 2026
https://de.euronews.com/2026/10/31/sprit-knapp-schweiz-erwagt-tempo-80-autobahnen
https://www.20min.ch/story/drohendes-tempo-80-ausbremsen-waere-absurd-e-autos-sollen-weiter-120-fahren-duerfen-103659014
[6] ch.ch, Informationsplattform von Bund und Kantonen — Tempolimit und Geschwindigkeitsüberschreitungen
https://www.ch.ch/de/fahrzeuge-und-verkehr/verhalten-im-strassenverkehr/verkehrsregeln/geschwindigkeitsuberschreitung
[7] Kanton Zürich, Strassenverkehrsamt — Zu schnell fahren: Ausweisentzug und Raserfälle
https://www.zh.ch/de/mobilitaet/fuehrerausweis-fahren-lernen/ausweisentzug/zu-schnell-fahren.html
[8] Fedlex — Verordnung des ASTRA zur Strassenverkehrskontrollverordnung (VSKV-ASTRA), SR 741.013.1, Art. 8 Sicherheitsabzug
https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2008/352/de
[9] Kantonspolizei St. Gallen — Geschwindigkeit / Radar: Sicherheitsmargen und Ordnungsbussen nach Ordnungsbussenverordnung
https://www.sg.ch/sicherheit/kantonspolizei/verkehr/geschwindigkeit---radar.html
[10] RIS — Vertrag zwischen der Republik Österreich, der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein über die grenzüberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit, BGBl. III Nr. 78/2017, Art. 42
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20009896
[11] Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) — FAQ Vignette
https://www.bazg.admin.ch/de/faq-vignette-und-e-vignette-erwerb
[12] ch.ch — Vignette Schweiz: Kosten, Gültigkeit, Bezugsstellen, E-Vignette
https://www.ch.ch/de/fahrzeuge-und-verkehr/autos-und-andere-fahrzeuge/autobahnvignette
[13] ADAC — Treibstoff wird knapp: Schweiz prüft Tempo 80 auf Autobahnen, 29. Oktober 2026
https://www.adac.de/news/verkehr-tempo-80-schweiz/
[14] RIS — Energielenkungsgesetz 2012 (EnLG 2012), §§ 4, 5 und 10
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20008276
[15] RIS — Energie-Lenkungsmaßnahmen-Verordnung Erdöl, BGBl. II Nr. 67/2026
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2026_II_67/BGBLA_2026_II_67.pdf
[16] Parlament Österreich — Hauptausschuss genehmigt Freigabe von Ölreserven, 25. März 2026
https://www.parlament.gv.at/aktuelles/news/Hauptausschuss-genehmigt-Freigabe-von-Oelreserven
[17] Kronen Zeitung — „Tempo 100“-Limit spart weniger Sprit als gedacht, 12. April 2026
https://www.krone.at/4104740
[18] ÖAMTC — Tempolimits: ÖAMTC zur Diskussion rund um Tempo 100 auf der Autobahn
https://www.oeamtc.at/thema/verkehr/tempolimits-57499990
[19] Land Tirol — Beschränkungen nach IG-Luft
https://www.tirol.gv.at/umwelt/umweltrecht/luftreinhalterecht/100-kmh-luft/



